Englisch · Gesellschaftskritik

Laurie Penny: Bitch Doctrine – Essays for Dissenting Adults

Originaltitel: Bitch Doctrine – Essays for Dissenting Adults

Autor: Laurie Penny

Verlag: Bloomsbury

Genre: Englisch, Gesellschaftskritik, Essays

Seitenzahl: 472

Erscheinungsjahr: 2018

ISBN: 978-1-4088-8158-3

Klappentext:

Smart and provocative, this collection of Laurie Penny’s writing establishes her as one of the most urgent and vibrant feminist voices of our time. From the shock of Donald Trump’s election and the victories of the far right, to online harassment and the transgender rights movement, these darkly humorous articles provoke challenging conversations about the definitive social issues of today.

Featuring a new preface and nine new revelatory, revolutionary essays, Bitch Doctrine will give readers tools for change from one of today’s boldest commentators.

Liebes Bitch Doctrine,

bei deinem Klappentext hielt ich dich für eine Ansammlung feministischer Essays. Und da ich gerade Lust darauf hatte, habe ich dich aus der Bahnhofsbuchhandlung mitgenommen. Allerdings hast du meine Erwartungen nicht so ganz getroffen.

Klar, du behandelst ziemlich viel Feminismus, aber dabei hast du immer auch eine ganz bestimmte Perspektive, nämlich eine sehr linke, sehr antikapitalistische Einstellung. Dementsprechend geht es auch nicht in jedem Essay wirklich um Feminismus und auch wenn er das zentrale Thema ist, wird er doch oft in einem Ausmaß mit Politik vermengt, das meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre.

Ja, Feminismus ist ein politisches und gesellschaftliches Thema, schließlich sind es die Strukturen unserer Gesellschaft, die ihn überhaupt notwendig machen. Allerdings ist es meiner Meinung nach nicht angebracht, dabei andauernd den Kapitalismus (oder sonstige Dinge) in Flammen stehen zu sehen. Das mal anzumerken, okay, aber so oft?

Ich habe schon recht früh gemerkt, dass ich bei dir anecke und die Ansichten, die du vertrittst, nicht immer teilen kann. Bereits im ersten deiner acht Themenkomplexe, nämlich „Love and Other Chores“, gab es ein Essay, das mich den Kopf hat schütteln lassen. Darin wird dargestellt, dass es für junge Frauen in ihren 20-ern wahrscheinlich das beste wäre, wenn sie Single blieben, da Männer in dem Alter ohnehin nur auf der Suche nach einer Art Ersatzmutter seien.

Da ich in weniger als einem Monat selbst dieser Gruppe angehöre und in einer festen Beziehung bin, musste sich in mir zwangsläufig Widerspruch regen. Denn ich denke nicht, dass ein Jahrzehnt der Abstinenz vom anderen Geschlecht die Lösung ist – auch auf die Gefahr hin, dass ich später „verschwendete“ Zeit bereuen könnte.

Abgesehen davon, dass diese Schlussfolgerung ein gutes Beispiel für ein weiteres Problem ist, dass ich mit dir habe. Denn du, liebes Bitch Doctrine, tendierst mir doch zu stark in eine Anti-Männer-Richtung. Zwar gibt es da auch noch deutlich krassere Ansichten, aber dennoch bist du mir in dem Punkt tendenziell zu verallgemeinernd und zu sehr auf ein Schwarz-Weiß-Denken der Geschlechter aufbauend gewesen.

Und trotzdem habe ich dich gerne verschlungen. Obwohl ich mir bei so manchem Gedanken dachte „Nein, da kann ich nicht mitgehen“, hat es mir – vielleicht gerade auch deswegen – unglaublichen Spaß gemacht, dich zu lesen. Denn es gibt auch einige Punkte, zum Teil sogar ganze Essays, denen ich voll und ganz zustimmen konnte, sodass ich mich beim Lesen in einer permanenten Selbstreflexion meiner eigenen Meinung befand.

Außerdem hast du mir für manche Debatten wie dem Thema Abtreibung Argumente geliefert, die mir gänzlich neu waren, mich mit ihrer Logik aber völlig überzeugen konnten.

Zu guter letzt war es allerdings auch dein Schreibstil, der mich an dich gefesselt hat. Penny schreibt sehr temperamentvoll und nimmt oftmals kein Blatt vor den Mund, was eben dazu führt, dass sie dieses und jenes für meinen Geschmack zu oft brennen sehen will. Trotzdem macht dieser explosive Schreibstil den Reiz ihrer Essays aus.

Es wirkt, als sei ihr ziemlich egal, was man über ihr Aussagen denken könnte, während sie dennoch mehr Political Correctness als so manch seriöser Anzugträger zeigt. Dabei sprudeln manche ihrer Texte vor popkultureller Referenzen und sonstigen Anspielung, die auf junge Erwachsene als Leserschaft abzielen, nur so über, was sie sowohl lebendig als auch authentisch machen. Und allein dafür lohnt es sich, mal eines von Pennys Essays zu lesen.

Fazit

Obwohl ich einige der Ansichten die in dir vertreten werden, liebes Bitch Doctrine, nicht teilen kann, hast du – womöglich auch gerade deswegen – mir unglaublich viel Spaß und Denkanstöße beim Lesen gegeben. Dabei hast du meine andauernde Selbstreflexion mit einem explosiven, lebendigen Schreibstil begleitet und mir für so manche Diskussion neue Argumente geliefert. Allerdings sollte man wissen, dass du nicht nur Feminismus als Thema hast, bevor man dich liest. Dafür vergebe ich 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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Bücher · Englisch · Historisch · Science-Fiction & Dystopien

Matt Haig: How to Stop Time

Originaltitel: How to Stop Time

Autor: Matt Haig

Verlag: Canongate

Genre: Englisch, Historisch, Science-Fiction

Seitenzahl: 336

Erscheinungsjahr: 2017

ISBN: 978-1-78211-862-6

Klappentext:

‚I am old. That is the first thing to tell you. The thing you are least likely to believe. If you saw me you would probably think I was about forty, but you would be very wrong.‘

Liebes How to Stop Time,

wir hatten erst unsere Schwierigkeiten miteinander, was aber daran lag, dass du zunächst nicht das richtige Buch für das bisschen Lesezeit im Semester warst. Denn als ich dich mit mehr Zeit lesen konntest, hast du mir dein wahres Potenzial gezeigt. Weiterlesen „Matt Haig: How to Stop Time“

Bücher · Drama

Genki Kawamura: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Originaltitel: Sekai kara neko ga kieta nara

Autor: Genki Kawamura

Verlag: C. Bertelsmann

Genre: Roman, Dramatisch

Seitenzahl: 190

Erscheinungsjahr (DE): 2018

ISBN: 978-3-570-10335-7

Vielen Dank an den C. Bertelsmann Verlag zur Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Klappentext:

>Wie wäre es wohl, wenn alle Katzen von der Welt verschwänden? Wie würde sie sich verändern? Wie würde mein Leben sich verändern? Und wenn ich auf einmal von der Welt verschwände? Würde wie immer ein neuer Morgen anbrechen, ohne dass auf der Welt sich etwas verändert hätte?<<

Genki Kawamura hat einen inspirierenden Roman darüber geschrieben, was im Leben wirklich zählt.

Liebes Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden,

du bist mir schon ein merkwürdiges Buch. Man soll Bücher ja nicht nach ihrem Einband beurteilen, aber deine Hauptanziehungskraft lag eben in deinem Cover – dazu kamen dann noch die Schlagworte Japanischer Autor und Katzen. Das hat gereicht, dass ich einfach mal probiert habe, ob ich dich als Rezensionsexemplar bekommen kann. Weiterlesen „Genki Kawamura: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“

Bücher · Sachbuch

Chimamanda Ngozi Adichie: Dear Ijeawele – A Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions

Originaltitel: Dear Ijeawele – A Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions

Autor: Chimamanda Ngozi Adichie

Verlag: 4th Estate

Genre: Sachbuch, Englisch

Seitenzahl: 66

Erscheinungsjahr: 2017

ISBN: 978-0-00-827570-9

Klappentext:

How do you raise a child to be a feminist?

Here are fifteen compelling, direct und perceptive suggestions to empower a daughter to become a strong, independent woman.

Together they start a new and urgently needed conversation about what it really means to be a woman today.

Bei Dear Ijeawele handelt es sich um ein kurzes Büchlein, das einen Brief zum Thema Feminismus beinhaltet. Anlass des Briefes ist die Nachfrage einer Freundin Adichies, die die feministische Autorin nach Erziehungsratschlägen fragt. Weiterlesen „Chimamanda Ngozi Adichie: Dear Ijeawele – A Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions“

Anthologie · Bücher · Krimi

Peter Godazgar (Hg.): Die Stadt, das Salz & der Tod – Mörderisches aus Halle an der Saale

Originaltitel: Die Stadt, das Salz & der Tod – Mörderisches aus Halle an der Saale

Herausgeber: Peter Godazgar

Verlag: Grafit Verlag

Genre: Krimi

Seitenzahl: 224

Erscheinungsjahr: 2018

ISBN: 978-3-89425-581-7

Klappentext:

Halle an der Saale ist eine Stadt der Superlative: älteste Bruderschaft, älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie, ältester weltlicher Knabenchor, älteste Schokoladenfabrik. Und nun ist sie auch noch die Stadt mit den schönsten Mordgeschichten. Sechzehn nahmhafte Autorinnen und Autoren haben die Stadt und ihre Umgebung kriminell erkundet:

Jürgen und Marita Albers · Joachim Anlauf · Marc-Oliver Bischoff · Nadine Buranaseda · Daniel Carinsson · Christiane Dieckerhoff · Peter Godazgar · Thomas Hoeps · Thomas Kastura · Ralf Kramp · Tatjana Kruse · Elke Pistor · Theresa Prammer · Uwe Schimunek · Frank Schlößer und Sabine Trinkaus

Wie hätte ich als Hallunkin, also zugezogene Einwohnerin Halles, an diesem Buch vorbeigehen können? Schließlich musste ich wissen, was sich hinter dem Cover verbirgt, dass es schafft, auf geschickte Weise die Wahrzeichen der Stadt zu integrieren ohne sie dem Betrachter aufzuzwängen – was eine angenehme Abwechslung ist, kann man sich hier doch manchmal gerade zu von Händel verfolgt fühlen. Weiterlesen „Peter Godazgar (Hg.): Die Stadt, das Salz & der Tod – Mörderisches aus Halle an der Saale“