Bücher · Thriller

Arno Strobel: Offline

Originaltitel: Offline

Autor: Arno Strobel

Verlag: Fischer Verlag*

Genre: Psychothriller

Content Notes: Isolation, körperliche Gewalt, psychische Gewalt, Urlaub

Seitenzahl: 364

Erscheinungsjahr: 2019

ISBN: 978-3-596-70394-4*

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Inhalt

Eine kleine, bunt zusammengewürfelte Reisegruppe hat die Gelegenheit, ein Digital-Detox-Urlaubsprogramm auszuprobieren. Doch in völliger Abgeschiedenheit wird der Urlaub im Bergsteiger-Hotel schnell zum Kampf ums Überleben.

Meine Meinung

Offline ist ein ganz besonderer Thriller. Hier wird das verlassene Haus im Nirgendwo, die Abgeschiedenheit von der Außenwelt, zu einem deutlichen Kontrast zu unserer heutigen Lebenswelt der permanenten Erreichbarkeit stilisiert.

Dieser wird zu Beginn durch das Konzept des Offline-Urlaubs deutlich in die Geschichte hineingetragen, sodass das erste Unwohlsein der Charaktere eigentlich noch der Leserschaft den Spiegel vorhält was die Abhängigkeit von Smartphone und Co. angeht.

Doch schnell nimmt die Geschichte an Fahrt auf und zeigt sich von ihrer brutalen Seite. Nicht nur, dass die Vorfälle im Hotel schockierende physische Bilder im Kopf hervorrufen. Insbesondere die psychische Komponente ist eine deutliche Stärke der Geschichte.

Einerseits finden wir die Misstrauens- und Gruppendynamiken, sowie einig Überraschungen, die gelegentlich auch falsche Fährten legen sollten. Diese Konstallation einer Gruppe mehr oder weniger Fremder wurde dabei ziemlich gut ausgeschöpft.

Andererseits gibt es immer wieder Kapitel aus der Sicht der Opfer, die den Täter nicht verraten, die Konsequenzen der perfiden Foltermethoden aber besonders verdeutlichen.

Diese Kapitel waren für mich wohl das Härteste an dem Buch, dass man gezwungen ist, diese grauenhafte Situation der Opfer mitzuerleben, während der Täter noch immer frei wirken kann.

Also eigentlich ein verdammt guter Thriller: sich misstrauende Charaktere, viel Raum zum Mitraten und auf verschiedenen Ebenen schockierende Vorfälle.

Doch es gibt etwas, dass Offline einfach absolut zerstört. Und das ist das Ende.

Nach einer derartig durchdacht wirkenden Handlungsverlauf, hatte ich mir einen richtigen Plottwist erhofft, der ein großes „Aha“-Klicken in mir auslöst.

Stattdessen ist das Ende vorhersehbar. Und ich wünschte es wäre nur das und das sehr dünne Logik-Eis, auf dem sich manche Zusammenhänge zur Auflösung bewegen. Aber dann hat es auch noch diesen sexistischen Beigeschmack (#Der arme zu Unrecht beschuldigte Mann und die grundlos eifersüchtige Frau) und nutzt psychische Erkrankungen als Erklärung für alles.

Mal abgesehen davon, dass ein derartig plattes Ende nach einer solchen Geschichte sowieso enttäuschend ist, reiht sich Offline durch das Ende in eine extrem stigmatisierende Narrative über psychische Erkrankungen ein.

Und sorry, aber mit einem unreflektierten „Die Alte ist halt durchgeknallt“ kann man bei mir nicht mehr punkten.

Fazit

Offline hätte eigentlich eine sehr spannende und an die Substanz gehende Story zu bieten, wenn das Ende nicht einfach platt, stereotypisch und stigmatisierend wäre. Daher kann ich nur 2 von 5 Sternen vergeben.

Ein Kommentar zu „Arno Strobel: Offline

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