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Stephen & Owen King: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties

Autor: Stephen King & Owen King

Verlag: Hodder & Stoughton

Genre: Englisch, Dystopie, Mystery

Seitenzahl: 736

Erscheinungsjahr: 2017

ISBN: 9781473665194

Klappentext:

All around the world, something is happening to women when they fall asleep; they become shrouded in a cocoon-like gauze. If awakened, if the gauze wrapping their bodies is disturbed, the women become feral and spectacularly violent…

In the small town of Dooling, West Virginia, the virus is spreading through a women’s prison, affecting all the inmates except one. Soon, word spreads about the mysterious Evie, who seems able to sleep – and wake. Is she a medical anomaly or a demon to be slain?

The abandoned men, left to their increasingly primal devices, are fighting each other, while Dooling’s Sheriff, Lila Norcross, is just fighting to stay awake.

And the sleeping women are about to open their eyes to a new world altogether…

Die Sache mit der Spannung

Im September 2017, nur einen Tag nach der Veröffentlichungen, stand ich in einer Londoner Buchhandlung und hielt mein Exemplar von Sleeping Beauties in den Händen. Nun ist es Februar 2018 und ich habe das Buch endlich beendet. Und das lag wohl nicht nur an meiner Leseflaute des ersten Semesters.

Ja, ich hatte wenig Zeit. Aber Sleeping Beauties ist auch eine sehr langatmige Geschichte, die es nicht schaffen konnte, mich immer wieder aus dem Alltag zu reißen. Das liegt daran, dass die beiden Kings wohl schlichtweg zu viel mit ihrem gemeinsamen Buch gewollt haben. Die Intention war vermutlich, den Verfall einer Gesellschaft ohne Frauen in aller Ruhe auszuspannen und dabei eine möglichst große Zahl an unterschiedlichsten Individuen darzustellen.

Das führt jedoch dazu, dass die Handlung lange Zeit nur vor sich hinstottert. Es passiert zwar einiges, aber das große Ganze bewegt sich nur in Zeitlupe voran. Und wenn auf einem Handlungsstrang endlich Fahrt aufkommt, ist das Kapitel auch schon wieder vorbei und man wird an den nächsten Schauplatz zwangsversetzt.

Zwar kann man den Charakteren zugutehalten, dass sie trotz ihrer Quantität zumindest weit genug ausgearbeitet wurden, um authentisch rüber zu kommen. Dennoch musste ich bei der Andeutung in der Danksagung, dass die Geschichte eigentlich noch länger gewesen wäre, unwillkürlich an den Spruch „viele Köche verderben den Brei“ denken.

Sleeping Beauties weist aber durchaus auch actiongeladenere Passagen auf. Insbesondere die finale Konfrontation ist besonders brutal und blutig, aber auch schon vorher gibt es ein paar ekelig-brutale Szenen. Außerdem bringen die Szenen, die sich mit dem Schicksal der schlafenden Frauen frischen Wind in die Handlung, der gerne zu einem früheren Zeitpunkt hätte einsetzen können.

Du bist, was dein Chromosom ist

Der Fokus der Geschichte liegt allerdings auf dem Verhältnis der Geschlechter. Und das ruft einen ziemlich bitteren Beigeschmack bei mir hervor. Ob bewusst oder nicht, durch die Trennung der Geschlechter werden automatisch Andeutungen darüber gemacht, welches eigentlich das „bessere“ Geschlecht ist.

Einerseits sind die meisten Männer in der Geschichte ziemliche Arschlöcher. Und selbst diejenigen, die einen einigermaßen kühlen Kopf zu bewahren scheinen, fangen irgendwann an, mit ihren vermeintlichen männlichen Urinstinkten zu kämpfen. So wird das männliche Geschlecht als an sich im tiefsten Inneren zerstörisch veranlagt dargestellt, was aber gleichzeitig als Entschuldigung für eben solches Verhalten herhalten kann.

Andererseits werden die Frauen zwar als der bessere, ausgleichende Teil der Gesellschaft dargestellt, der letztendlich für die Rettung der Menschheit verantwortlich ist. Aber damit wird auch ein Idealbild von Frauen suggeriert, das ihnen eine ganz klare Rolle zuweist: Sie sind diejenigen, die dafür Sorgen, dass die Männer die Welt nicht in Schutt und Asche legen, wobei sie sich selbst aufopfern und ihre eigenen Bedürfnisse zurückstellen müssen.

Leider leidet auch einer der Haupt-Handlungsorte unter dieser Darstellung der Geschlechter. An sich ist das Setting im Frauengefängnis von Dooling nämlich hochgradig spannend, zumal die Insassinnen eben nicht als unmenschliche Kreaturen, sondern als mehr oder weniger normale Personen dargestellt, deren Lebenswege das Schicksal auf die falsche Bahn gelegt hat.

Wobei dieses Schicksal meist in Form von Männern auftitt. Männer, die Frauen zu Drogen führen. Männer, die Frauen zum Mord zwingen, bevor diese sie selbst umbringen. Überspitzt könnte man aus Sleeping Beauties also herauslesen: Männer sind von Natur aus brutal. Frauen werden es erst durch Männer.

Fazit

Zwar merkt man Sleeping Beauties an, dass Stephen King nicht zum ersten Mal eine ganze Kleinstadt aus dem Nichts erschaffen hat, schließlich ist Dooling mit etlichen authentisch wirkenden Charakteren ausgestattet. Allerdings kriecht die Handlung nur so vor sich hin und vermittelt nebenbei äußerst fragwürdige Geschlechterbilder. Dafür vergebe ich 2 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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3 Kommentare zu „Stephen & Owen King: Sleeping Beauties

  1. Hey, jetzt bin ich noch unschlüssiger ich ob ich es lesen soll – oder nicht aber danke für deine Ehrlichkeit. Muss mal nachdenken ob ich in diese Stadt und die Geschichte eintauchen möchte. Needful Things hatte ich so gemocht auch oder trotz der vielen Charaktere. Wenn hier aber so ein klischeehaftes Bild der beiden Geschlechter gezeichnet wird lasse ich es wohl doch
    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Hey Kerstin,
      es ist mir einfach irgendwann beim Lesen ins Auge gesprungen – und danach konnte ich nicht anders, als immer wieder drauf zu achten, wenn die Rolle der Geschlechter – ob nun auf die Situation bezogen oder generell – thematisiert wurde, was aufgrund des Plots eben sehr häufig ist.

      Needful Things habe ich selbst noch nicht gelesen. Aber ich denke, nach einer Zeit der Abstinenz werden vielleicht als erstes Kurzgeschichtensammlungen von King den Weg auf meinen SuB finden können.

      Dir wünsche ich, dass du dafür andere tolle Bücher findest, auf die du dich freuen kannst und noch ein schönes Wochenende.

      Liebe Grüße
      Seitenfetzer

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