Bücher · Biographie

Marilyn Manson: the long hard road out of hell

Originaltitel: the long hard road out of hell

Autor: Marilyn Mason & Neil Strauss

Verlag: HarperCollins

Genre: Biographie, Englisch

Seitenzahl: 275

Erscheinungsjahr: 1998

ISBN: 978-0-06-098746-6

the long hard road out of hell ist die Biographie des Schock-Rockers Marilyn Manson. Hierin erzählt Manson von seiner Kindheit, in der er die Porno-Sammlung seines Großvaters gefunden hat, seinen ersten Alkoholexzessen und Begegnungen mit okkulten Freaks in seiner Jugend, seiner Zeit als unbekannter Amateur-Journalist und den Beginnen von Marilyn Manson bis hin zum damaligen Stand dieser.

Wer Mansons bewusst-provokative Art kennt, kann sich in etwa denken, dass dieses Buch die Grenzen des guten Geschmacks mit Anlauf überspringen will. Und stellenweise tut es das auch.

Aber von Beginn an: Ich habe mich nie wirklich mit Marilyn Manson beschäftigt. Abgesehen davon, dass er „Sweet Dreams“ gecovert hat und eine meiner besten Freundinnen ein ziemlicher Fan von ihm ist, spielt er für mich keine Rolle.

Deswegen habe ich die Biographie nicht als Groupie gelesen, sondern als Perspektivwechsel. Denn den bietet sie definitiv, schließlich dürften die wenigsten von uns den heftigen Rockstar-Alltag kennen.

Wie bereits erwähnt, geht Manson überwiegend chronologisch vor und beginnt in seiner Kindheit. Und selbst dort macht er deutlich: Diese Biographie ist nichts für sanfte Gemüter. So erzählt Manson neben seinen Problemen an der christlichen Schule auch von Erkundungstouren im Porno-Keller seines Großvaters.

Auch die Erzählungen der restlichen Zeit vor der Bandgründung bestehen überwiegend aus Schock-Anekdoten. Vielleicht will Manson damit beweisen, dass er schon immer ein Freak war. Allerdings wird auch deutlich, dass er sich entwickelt hat.

Gerade an seiner Journalismus- und Literatur-Phase merkt man, dass er nicht einfach aus dem Nichts zum Polarisieren gekommen ist. Stattdessen war er eben zunächst ein mal ein ganz durchschnittlicher Niemand.

Aus dem Grund ist gerade der Weg zu den ersten Erfolgen besonders spannend.

Je weiter man in der Erfolgsgeschichte der Band kommt, desto eintöniger werden die Themen leider. Mansons Leben scheint wir zunehmend nur von Sex, Drogeneskapaden, Bühneninszenierungen und Flucht vor der Polizei geprägt. Ob man so manche fäkalien-integrierende Backstage-Aktion wirklich lesen will, ist definitiv Geschmackssache.

Glücklicherweise wird selbst diese Eintönigkeit von ein paar herausstechenden Ereignissen durchbrochen: Mansons erste Verhaftung, seine Treffen mit LaVey, seine Proleme mit den anderen Bandmitgliedern oder auch die Hochzeit seines Cousins bieten Abwechslung zur Rockstar-Eintönigkeit.

Darüber hinaus wird die Biographie in der zweiten Hälfte immer mehr durch Montagetechniken abwechslungsreicher gemacht. Zwar ist das ganze Buch mit Fotos und Skizzen durchzogen, aber im späteren Verlauf finden sich auch Listen, unveröffentlichte Interviews, Stellungnahmen gegen ihn und Tagebucheinträge.

Zugegeben, gerade seine Definitionslisten zu Themen wie Fremdgehen, Homosexualität oder Drogenabhängigkeit sind mehr als fragwürdig und dienen wahrscheinlich ebenfalls der Provokation. Schließlich finden sich dort Aussagen wie Folgende:

„All women are by nature lesbians.“

Aber was hätte man auch erwarten sollen? Dafür, dass Manson um jeden Preis provozieren will, liest sich seine Biographie überraschend glaubhaft. Das liegt daran, dass sich seine provokativen Anekdoten auf merkwürdig-alltäglich wirkende Art in seine Lebensgeschichte eingliedern. Es wirkt weniger wie „Ich bin so krass, ich habe das alles gemacht“ sondern eher so, als würden andere Menschen vom Kauf eines neuen Autos erzählen.

Letztendlich erreicht seine Lebensgeschichte den „aktuellen“ Standpunkt – dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass the long hard road out of hell aus dem Jahr 1998 stammt – und damit ungefähr so alt wie die Verfasserin dieser Rezension ist. Dementsprechend ist die Biographie wohl nicht mehr ganz auf dem aktuellen Stand.

Fazit

Insgesamt liefert die Biographie genau das, was man von Marilyn Manson erwartet: Provokationen und Ekelfaktoren. Daneben erzählt sie allerdings auch, wie sich ein Niemand ohne Freunde seinen Platz in der Welt erkämpft hat. Wer sich also für Manson interessiert oder einfach mal etwas absolut Anderes lesen will, sich aber nicht zu schnell ekelt, der sollte es ruhig mit the long hard road out of hell versuchen. Ich vergebe drei von fünf Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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