Kate Harding: Asking For It

Originaltitel: Asking for It – The Alarming Rise of Rape Culture – and What We Can Do About It

Autor: Kate Harding

Verlag: Life Long Books

Genre: Sachbuch, Englisch

Seitenzahl: 222 + Anhang

Erscheinungsjahr: 2015

ISBN: 978-0-7382-1702-4

Klappentext:

Every seven minutes, someone in America commits a rape. And whether that’s a football star, beloved celebrity, elected official member of the clergy, or just an average Joe (or Joanna), there’s probably a community eager to make excuses for that person.

In Asking for It, Kate Harding combines in-depth research with an in-your-face voice to make the case that twenty-first-century America supports rapists more effectively than victims. Drawing on real-world examples of what feminists all „rape culture“ – from politicos‘ revealing gaffes to instituional failures in higher education and the military – Harding offers ideas and suggestions for how we, as a society, can take sexual violence much more seriously without compromising the rights of the accused.

Ich habe Asking for It in einer Aufzählung englischsprachiger, feministischer Bücher gefunden und es war der Untertitel, der mich gerade auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat. Befinden wir uns tatsächlich in einer „Rape Culture“? Wodurch zeichnet sich diese überhaupt aus?

Ich hatte gehofft, dass Kate Harding uns Lesern die Augen öffnet, dass sie uns aufzeigt, in welchen Punkten unseres Alltags sich unbewusst Vergewaltigungen beschönende Signale verstecken mögen. Und, wie wir sowohl als Gesellschaft als auch als einzelner Mensch etwas verändern können.

Allerdings legt Asking for It doch andere thematische Schwerpunkte. Denn mit „Rape Culture“ meint Harding vorrangig nicht die (Pop-)Kultur, die falsche Signale sendet, sondern vielmehr ein soziales Umfeld, dass nach Entschuldigungen für Angeklagte sucht. Und dafür führt sie zahlreiche, rational betrachtet auch wirklich absurde Fallbeispiele auf. Wenn Opfer, die nach deutschen Gesetzen noch als Kind gelten, als hinterhältige Verführer der jugendlichen oder gar erwachsenen Täter dargestellt werden, haben die USA wirklich ein Problem.

Aber eben insbesondere die USA, denn auch wenn dieses Land die westliche Kultur maßgeblich geprägt hat und eine dortige „Rape Culture“ bei uns aus dem Grund auch stark zu vermuten wäre, so kann man Hardings Kritikpunkte nicht analog auf Deutschland anwenden. Auch wenn ich persönlich nicht explizit auf die Thematik geachtet habe, so wage ich doch zu behaupten, dass die öffentliche Einstellung gegenüber Opfern in Deutschland doch weniger verurteilend ist.

Um das mal mit einem Beispiel aus Asking for It zu belegen: Wenn hierzulande ein Fall von Entführung und Kindesmissbrauch bekannt wird, wird wohl eher nach einem Todesurteil für den Täter gekräht als dem Kind zu wenige Fluchtversuche zu unterstellen, weil es die Gefangenschaft aus Gründen wie „keine Hausaufgaben“ eigentlich genossen hätte.

Und auch die zahlreichen Fehler der Exekutive und Judikative, die Harding in ihren Fallbeispielen offenbart, halte ich bei uns für unwahrscheinlicher. Einerseits haben wir eben keine Geschworenengerichte, andererseits gehe ich stark davon aus, dass unsere gewiss auch nicht immer perfekt handelnde Polizei einen nächtlichen Anruf mit dem Inhalt „Meine Freundin wurde von einem fremden Typen verfolgt und jetzt geht statt ihrer nur noch der Typ an das Handy“ doch ernst genug nimmt, um mal nach dem Rechten zu sehen.

Allerdings ist Asking for It auch für uns deutsche Leser nicht völlig unbrauchbar. Zwar dürfte das Thema „Consent“ (Zustimmung [zu sexuellen Tätigkeiten]) in einem Land, wo sexuelle Aufklärung zum Teil mit der Ermahnung zur Enthaltsamkeit gleichgesetzt wird, von größerer Relevanz sein, allerdings können gerade Fälle mit Alkohol wohl auch für den ein oder anderen Nicht-Amerikaner neue Informationen bieten.

Außerdem können wir als deutsche Leser aus Asking for It insbesondere eines mitnehmen: Die mehrfach aufgezählten „Rape Myths“, Fangfragen, die mindestens eine Teilschuld auf das Opfer abwälzen wollen, weil es beispielsweise knapp bekleidet war. Denn das sind diese unterschwelligen, gedanklichen Fehlschllüsse, die ich eigentlich mit dem Begriff „Rape Culture“ verbunden hätte.

Fazit

Asking for It stellt nicht die westliche Kultur als ganzes, sondern hauptsächliche die US-amerikanische Gesellschaft als „Rape Culture“ da. Viele der Fallbeispiele – und somit ein großer Teil des Buches – zeigen konkret Probleme der USA auf, die sich beispielsweise aufgrund eines anderen Justizsystems nicht so auf Deutschland übertragen lassen. Aber zumindest ein paar von Hardings Kritikpunkten treffen auch auf unsere Gesellschaft zu. Daher vergebe ich 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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