Bücher · Historisch

John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama

Originaltitel: The Boy in the Striped Pyjamas

Autor: John Boyne

Verlag: Fischer Taschenbuch

Genre: Historisch

Seitenzahl: 270 (inklusive Nachwort)

Erscheinungsjahr (Original): 2006

ISBN: 978-3-596-80683-6

Klappentext:

Die Geschichte von >Der Junge im gestreiften Py-jama< ist schwer zu beschreiben. Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch – so glauben wir – ist es besser, wenn man vorher nicht weiß, worum es geht. Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun.

Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt.

Entgegen des Klappentextes möchte ich doch verraten, dass dieses Buch zu Zeiten des Dritten Reichs spielt und die Shoa aufgreift. Soviel sollte man dann doch wissen.

Allerdings kann ich dem Klappentext zustimmen, dass Der Junge im gestreiften Pyjama kein Buch für Neunjährige ist. Zwar wird die Geschichte aus Sicht eines naiven Neunjährigen erzählt, sodass Schimpfwörter und Gewalt nur angedeutet werden, allerdings dürften Kinder durch diese bewussten Auslassungen neugierig werden. Und ich weiß nicht, ob die Antworten, die wir älteren Leser kennen, wirklich geeignet sind.

Denn eigentlich versteht man mit nur einem Fünkchen Hintergrundwissen ziemlich genau, was Sache ist. Und dieser Wissensvorsprung gegenüber Bruno, der durch seine Naivität als wirklich unschuldiges Kind dargestellt wird, verschärft die Antithetik des Werkes: eines der größten Verbrechen der Menschheit aus unschuldigen Kinderaugen.

Dabei hat der entsprechend einfach gehaltene Stil auch den Vorteil, dass die Geschichte recht schnell gelesen werden kann, weswegen es mich nicht verwundert, dass sie in der Mittelstufe auch als Schullektüre eingesetzt wird.

Abgesehen von Bruno, den man einfach nur ins Herz schließen kann, wirken auch die anderen Charaktere aus der Sicht eines Neunjährigen ziemlich authentisch: vom strengen Vater, zu dem Bruno trotzdem aufblickt bis hin zur nervigen Schwester, bei der die Geschwisterliebe zwischen den Zeilen eben doch durchsickert.

Sogar Oberleutnant Kotler, den Bruno am wenigsten leiden kann, wird mit einer Schwachstelle versehen anstatt durchweg als angsteinflößender Wichtigtuer dargestellt zu werden.

Und obwohl die Perspektive so gut umgesetzt wurde, ist Der Junge im gestreiften Pyjama eben nichts für Kinder in Brunos Alter. Denn gerade durch die Sicht dieses neunjährigen Jungen, der nicht begreift, was sich vor seinem Fenster eigentlich abspielt, macht das Ende der Geschichte zu einem Schlag in die Magengrube. Und deswegen wird die Geschichte uns Lesern noch eine ganze Weile im Kopf herumspuken.

Fazit

Die Shoa aus den Augen eines unschuldigen Außenstehenden ist ein ungewöhnlicher Ansatz, der in Der Junge im gestreiften Pyjama durch Bruno aber sehr gut umgesetzt wurde. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Buch für Kinder, sondern um eine Geschichte für wissendere Leser, in dem Naivität auf das Unfassbare trifft. Daher vergebe ich 5 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Zweite Meinung gewünscht? Dann schaut bei Julias Sammelsurium vorbei!

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