Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

Originaltitel: The Picture of Dorian Gray

Autor: Oscar Wilde

Verlag: Anaconda

Genre: Klassiker, Horror

Seitenzahl: 285 (+ Anhang)

Erscheinungsjahr (Original): 1891

ISBN: 7978-3-7306-0331-4

Klappentext:

Oscar Wildes Dorian Gray ist eine der berühmtesten Figuren der Weltliteratur: So staunenswert schön ist er, so unverdorben und naiv ist sein Blick auf die Welt. Verführt erst durch den geistreichen Zyniker Lord Wotton, stürzt Droan sich haltlos ins Lüsterne Londoner Nachtleben. Ausschweifung und Genuss wecken in ihm den innigen Wunsch nach unvergänglicher Jugend – und auf wundersame Weise altert fortan nicht mehr er selbst, sondern ein Porträt von ihm. Doch Dorians unbedachter Pakt mit dunklen Mächten hat grausame Folgen …

Das Bildnis des Dorian Gray bietet uns also zunächst einmal eine faszinierende Ausgangssituation: Ein Protagonist, an dem die Zeit scheinbar spurlos vorüberzieht, der aber ein dunkles Geheimnis verbirgt. Das Ganze in der Lebenszeit des Autors entsprechend viktorianischer Atmosphäre, bei der Gentlemen ihre Tage mit Tischgesellschaften und den verschiedenen Künsten verbringen.

Eigentlich klingt das genau nach einer Geschichte für mich. Und zunächst hat es mir auch ziemlich gut gefallen, zu sehen, wie Dorian Gray seine Naivität allmählich verliert, während Lord Henry und Basil versuchen, ihn auf den ihrer Sicht richtigen Weg zu leiten. Gerade auch, weil einige von Lord Henrys Äußerungen Stoff zum Nachdenken und Diskutieren bieten.

Unter anderem durch diese sind dem Werk Wildes homosexuelle Tendenzen anzumerken. Einerseits beschreibt er sehr gerne das äußere Erscheinungsbild von Männern – insbesondere das Dorian Grays. Andererseits sind Lord Henrys nicht selten verallgemeinernden Aussagen über das weibliche Geschlecht wohl auf die damaligen Ansichten und Wildes persönliche Situation zurückzuführen. Aber weil Das Bildnis des Dorian Gray eben im vorletzten Jahrhundert entstanden ist, wollen wir mal darüber hinwegsehen.

Denn leider habe ich auch am hauptsächlichen Verlauf der Geschichte etwas auszusetzen. Man hätte so schön Spannung aufbauen und einen langsamen, aber deutlichen Weg in den Verfall und Wahnsinn zeichnen können.

Stattdessen wird uns ein Zeitsprung serviert, der Raum für ein wirklich relevantes Kapitel ermöglicht: eine Aufzählung von zig Sammlerstücken wie verschiedenen Stickereien oder Instrumenten, die Dorian Gray zusammengetragen hat und die im weiteren Verlauf der Handlung nie wieder auftauchen. Ich glaube, es lag nicht nur an der fortgeschrittenen Uhrzeit, dass dieses Kapitel mich fast zum Einschlafen gebracht hätte.

Nach dieser Länge im Mittelteil geht es dann jedoch zügig auf das Ende zu, sodass es sich anfühlt wie Anfahren im dritten Gang. Die Verzweiflung Dorians kann so einfach nicht richtig vermittelt werden, weil wir quasi aus dem Nichts vor fast vollendete Tatsachen gestellt werden. Und das ist schade. Denn so nutzt die Geschichte ihr Potenzial des zunächst langsamen, dann schnelleren Strudels ins Verderben einfach nicht aus.

Fazit

Zwar bietet Das Bildnis des Dorian Gray eine Grundidee mit Potenzial und viktorianischen Flair, allerdings kann dieses Potenzial durch den misslungenen Spannungsaufbau nicht genutzt werden. Dafür gibt es zumindest einige – in manchen Bereichen aber wirklich kritisch zu sehende – Denkanstöße durch den Charakter Lord Henry.  Daher vergebe ich 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu “Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray

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