Miklós Nyiszli: Ich war Doktor Mengeles Assistent

Originaltitel: Dr. Mengele boncoloorvosa voltam az Auschwitz-i krematoriumban

Autor: Miklós Nyiszzli

Verlag: Oswiecim

Genre: Biographie/Memoiren

Seitenzahl: 234

Erscheinungsjahr: 2004

ISBN: 83-906992-8-1

Klappentext:

In der Gaskammer des Krematoriums II liegen 3000 Tote auf einem Haufen. Die Männer des Sonderkommandos sind schon dabei, die ineinander verkrampften Leichen abzutransportieren. Bis in mein Zimmer höre ich das Brummen der Aufzüge, das Zuschlagen ihrer Türen. Die Arbeit läuft in hohem Tempo, denn die Gaskammer muß schleunigst geräumt werden. Ein neuer Transport ist bereits angekündigt. Beinahe mit der Tür stürzt einer der Männer zu mir herein und teilt mir aufgeregt mit, daß man beim Wegräumen der Leichen eine lebende Frau gefunden hätte.

Ich greife nach meiner immer bereitstehenden Arzttasche, und schon renne ich in die Gaskammer hinunter.

Miklós Nyiszli ist ein ungewöhnlicher Zeitzeuge der Shoa. Als seine Familie nach Auschwitz-Birkenau kommt, erspart ihm seine Erfahrung als Arzt das Lagerleben. Stattdessen wird er Teil des sogenannten Sonderkommandos, ein zeitlich befristeter Trupp, der in den Krematorien arbeitet.

Und selbst in dieser Sondereinheit hat er doch noch eine gesonderte Stellung. Denn Doktor Mengele, der Auschwitz für seine medizinischen Experimente nutzte, hat ihn zu seinem Assistenten gemacht: Er soll die Obduktionen durchführen.

Zu Begin des Buches war ich durch den relativ sachlichen Schreibstil irritiert. Doch dieser sollte nicht lange anhalten, denn schnell wird deutlich, dass Nyiszli keinerlei Sympathien für Mengele und Co. hegt, und seine Tätigkeiten auch psychischen Verfassung zu schaffen machen.

Dennoch bleibt der Schreibstil weitestgehend knapp und präzise. Aber das ist eigentlich auch gut so, denn statt schwammiger Worte werden uns Lesern hier die nackten Tatsachen ins Gesicht geschleudert.

So erhalten wir einen Eindruck von den Experimenten Mengeles, der Vertuschung, dem unheilvollen Schicksal des Sonderkommandos, einem Aufstandsversuches und den letzten Wochen vor der Befreiung.

Und neben den bekannten Mordmethoden wie Erschießungen und Gaskammern berichtet Nyiszli auch von anderen Grausamkeiten, die mir völlig unbekannt waren und mich schockiert zurückgelassen haben, weil sie meine Vorstellungskraft in Bezug auf das, was Menschen einander antun könen, schlichtweg überstiegen haben. Wer fürchtet, mit derartigen Themen nicht umgehen zu können, sollte deswegen vielleicht nicht zwingend zu Ich war Doktor Mengeles Assistent greifen.

Ebenfalls bedenken sollte man, dass Nyiszli eben ein außergewöhnliches Schicksal hatte und somit nicht representativ für die Lebensverhältnisse in Auschwitz war. Der subjektive Blickwinkel wird jedoch durch ergänzende und in seltenen Fällen korrigierende Anmerkungen ergänzt.

Auf diese wird dabei an so passenden Stellen hingewiesen, dass der Lesefluss nicht gestört wird. Außerdem haben sie genau die richtige Menge und Auswahl an Informationen, sodass man den Überblick vor lauter Erläuterungen nicht verliert. Zudem finden sich am Ende des Buches ein paar Bildquellen, die das zuvor Gelesene noch eindrücklicher machen.

Fazit

Ich war Doktor Mengeles Assistent kann als Zeitzeugenbericht keineswegs auf das generelle Leben in Auschwitz verallgemeinert werden. Stattdessen kamen Nyiszli als Arzt Dinge zu Gesicht, die nur Wenigen bekannt waren. Der prägnante Stil tut dabei sein Übriges, um eine eindrücklich Schilderung der Grausamkeiten dort zu schaffen. Wer sich also nicht sicher ist, ob er oder sie mit der Thematik umgehen kann, sollte bei diesem Buch sehr vorsichtig sein.

Diese Rezension möchte ich ohne Wertung für sich sprechen lassen.

Gezeichnet Seitenfetzer

Zweite Meinung gewünscht? Der Kriminalbiologe Mark Benecke hat das Buch ebenfalls rezensiert.

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