Tetsuya Tsutsui: Poison City Band 2

Originaltitel: Poison City

Mangaka: Tetsuya Tsutsui

Verlag: Carlsen Manga

Genre: Thriller, Action, Dystopie

Seitenzahl: 213

Anzahl Bände: 2

Erscheinungsjahr: 2017

ISBN: 978-3-551-7148-7

Klappentext:

Der spektakuläre neue Thriller von Tetsuya Tsutsui! In zwei Bänden!
Das Jahr 2020. Tokyo blickt den Olympischen Spielen entgegen, als eine Bewegung mit dem Namen >>Säuberungsfront<< an Einfluss gewinnt. Die Horrorstory >>Dark Walker<< schafft es zwar in ein namhaftes Magazin, wird aber auf Grund einer Beschwerde umgehend wieder abgesetzt. Eine Chance für seine Serie sieht Mangaka Mikio Hibino in einer Web-Veröffentlichung – dazu taucht ein amerikanischer Verlerger mit einem wertvollen Tipp zur Umgehung der Zensur auf.

Im zweiten Band muss sich Mikio Hibino endgültig entscheiden – will er sich mit der Zensur arrangieren oder seinem Werk treu bleiben?

Dabei gerät er nun in einen direkten Konflikt mit den Behörden, während zudem die eigentliche Ursache für die scharfe Zensur dargestellt wird. Denn es gab ein Schlüsselereignis, das bestimmte Mangas zu ihrem schlechten Ruf verholfen hat.

Gerade diese Nebenhandlung hat mich sehr stark an uns hier in Deutschland erinnert. Wie auch in Poison City neigen wir doch hierzulande dazu, Sündenböcke für Gewaltverbrechen zu suchen. Während hier im Zusammenhang mit Amokläufen immer wieder „die bösen Killerspiele“ schuld sind, sind es in Poison City eben Mangas.

Dabei zeigt Tsutsui wie ein moderner Arthur Miller, was für eine Eigendynamik und absurde Ausuferungen die Jagd auf derartig gewählte Sündenböcke entwickeln kann.  Denn die Zensur befindet sich bereits an einem Punkt, an dem um der Zensur selbst willen und längst nicht mehr aufgrund vergangener Ereignisse zensiert wird.

Doch nicht nur wegen der „Killerspiele“ ist Poison Citys Botschaft auch für uns relevant. So kam doch vor ein paar Monaten noch unter uns Buchbloggern die Forderung nach Altersbeschränkungen oder deutlicheren Altersempfehlungen für Bücher auf. In was für eine Abwärtsspirale man sich damit begeben könnte, zeigt uns der Manga sehr bildlich – denn die Mangaka müssen ihre Werke wortwörtlich zerstückeln, um sie überhaupt an die Öffentlichkeit bringen zu können.

Natürlich sollte man allerdings auch im Hinterkopf behalten, dass Poison City eine stark subjektive Färbung hat. Tsutsui ist nunmal ein Mangaka, der selbst Opfer von Zensurmaßnahmen geworden ist. Sein Lebensunterhalt hängt von seinem kreativen Schaffen ab und würde somit durch flächendeckendere und schärfere Zensur bedroht werden.

Deswegen ist die Handlung – insbesondere das Ende – wohl leicht überdramatisiert. Allerdings verfehlt sie dadurch keineswegs ihren Effekt. Denn wir Leser werden erschüttert und wachgerüttelt. Und schließlich appelliert der Protagonist Mikio Hibino an uns leser, für eine bessere und freiere Welt einzustehen.

Somit ist der zweite Band von Poison City zwar definitiv nicht objektiv, aber dennoch – oder vielmehr gerade deswegen – schafft er es, uns Leser auf die Gefährdung der Freiheit durch die Jagd auf Sündenböcke aufmerksam zu machen. Und deswegen solltest auch du vor dem Bildschirm diesen Manga lesen. Er erhält 5 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Weitere Bände:

Band 1

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Ein Kommentar zu “Tetsuya Tsutsui: Poison City Band 2

  1. Ja, ich fand die beiden Bücher auch gut – vor allem wegen ihrer Kritik an der Zensur und dass er zeigt wohin das alles führen kann. Schlimmer fand ich, als ich sah, dass das auf Wahrheiten beruht … 😦

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