Stephen King: The Shining

Originaltitel: The Shining

Autor: Stephen King

Verlag: Anchor Books

Genre: Horror, Mystery, Englisch

Seitenzahl: 659 (+ Anhang)

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 1977

ISBN: 978-0-307-74365-7

Klappentext:

Jack Torrance’s new job at the Overlook Hotel is the perfect chance for a fresh start. As the off-season caretaker at the atmospheric old hotel, he’ll have plenty of time to spend reconnecting with his family and working on his writing. Bu as the harsh winter weather sets in, the idyllic location feels ever more remote … and more sinister. And the only one to notice the strange and terrible forces gathering around the Overlook is Danny Torrance, a uniquely gifted five-year-old.

Mit The Shining liefert King eigentlich die typische Geschichte über ein Spukhaus. Trotzdem hat er es geschafft, mich tief in die Geschichte hineinzuziehen.

Eigentlich hat Shirley Jackson mit The Haunting of Hill House bewiesen, dass mein die Geschichte über ein Haus, das seine Bewohner wahnsinnig werden lässt, weitaus schneller abhandeln kann. Allerdings nutzt King den Raum, den er The Shining lässt, um nicht einfach irgendeine generische Geschichte, sondern etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen.

Denn lange bevor die Isolation von der restlichen Menschheit eintritt, lernen wir die Torrances erst einmal kennen. Jack und Wendy haben in der Vergangenheit einige Probleme gehabt: Alkoholabhängigkeit, häusliche Gewalt, Jobverlust. Sie scheinen ihren Tiefpunkt erreicht zu haben, von dem es nur noch bergauf gehen kann.

Ihr fünfjähriger Sohn Danny hingegen hat eine besondere Gabe. Er hat „the shining“, eine Begabung, die es manchen Menschen ermöglicht, Gedanken zu lesen und Visionen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu empfangen. Diese Begabung ist bei Danny besonders stark ausgeprägt, allerdings ist er nicht der einzige in der Geschichte, der sie besitzt.

Dabei hat King es geschafft, Dannys Innenleben glaubhaft darzustellen: Durch das Gedankenlesen begreift er die Welt anders als andere Kinder, aber es wird trotzdem immer wieder deutlich, dass er eben nur ein Kind ist und abstrakte Begriffe wie Tod noch nicht richtig einordnen kann.

Er ist ein kleiner Junge mit einer Fähigkeit, die ihn aber eben ebenso oft überfordert als dass sie ihm nützt. Und gerade deshalb konnte ich nicht anders, als ihn ins Herz zu schließen.

Obwohl wir die Perspektiven aller drei Torrance-Familienmitglieder einnehmen, waren mir jedoch nicht alle so sympathisch wie Danny. Vielleicht liegen seine Lebenserfahrungen zu weit von meinen entfernt, aber ich habe mich dabei erwischt, dass ich Jack so manches Mal wirklich schütteln wollte, wenn er eine schlechte Entscheidung getroffen hat.

Und so lässt King uns zunächst ganz unauffällig in den Wahnsinn des Overlook Hotels gleiten, wobei gerade Jack eine entscheidende Rolle spielt. Denn seine Psyche verfällt dem Haus besonders schnell.

Außerdem weiß man durch Dannys Vorahnungen, was ihm drohen könnte. Dabei will man diesen Jungen doch eigentlich vor der Gefahr schützen, die immer nährerrückt. Auf die Art lässt King einen Effekt entstehen, der an einen Verkehrsunfall erinnert: Man will nicht hinsehen und es gehört sich auch nicht – aber man kann einfach nicht anders, als einen weiteren Blick zu riskieren.

So zieht das Overlook uns Leser durch genau das richtige Tempo der Geschichte ebenfalls immer tiefer in seine düsteren Gänge, bis die Katastrophe unausweichlich ist.

Allerdings kann man kleinen Makel finden: Obwohl es offensichtlich einige Menschen mit dem „Shine“ gibt, bleibt dieser doch sehr vage. Böse Zungen könnten behaupten, dass dieser undefinierte Instinkt die ein oder andere Lücke in der Handlung stopfen konnte. Dennoch verspürt man beim Lesen nicht das Gefühl, dass der „Shine“ als Allround-Ausrede benutzt wird. Die Unsicherheit der Fähigkeit kann also auch als Beitrag zur unsicheren Atmosphäre beitragen, diesem Gefühl, dass hinter der nächsten Ecke etwas lauert.

Fazit

Letztendlich verrät uns The Shining schon sehr früh, dass der Einzug ins Overlook schaurige Konsequenzen haben wird. Aber einerseits will man den kleinen Danny nicht mit den Bedrohungen konfrontiert sehen, andererseits kann man sich dem Sog der Ereignisse nicht entziehen. Dafür vergebe ich 5 von 5 Kreuen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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8 Kommentare zu „Stephen King: The Shining

  1. Hallo,
    wegen diesem Buch oder besser gesagt wegen dem Kinotrailer habe ich ein Kindheitstrauma. Es war Werbung dafür die damals im TV lief. Eine schneeverschneite Straße und Mr. Nicolson der mit irrem Blick und Axt in der Hand des Weges kommt. Ich bekomme das nie wieder aus meinem Kopf.
    Viele Jahre später habe ich dann das Buch gelesen und immer auf diese Stelle gewartet. Ich weiß gar nicht mehr ob sie vorkam. Egal – Deine Rezension ist spitzenklasse.
    Vielen Dank dafür
    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Hey Kerstin,
      das ist natürlich doof, wenn man sowas versehentlich in der Werbung sieht, weil man sich ja nicht bewusst dazu entscheiden kann. Wie alt warst du denn damals, wenn ich fragen darf?

      Liebe Grüße zurück!

      1. Jetzt musste ich echt mal zurückrechnen. OMG – ich bin so alt. Damals war ich 8 – 1980 kam der Film in die deutschen Kinos. Rechne jetzt bloß nicht aus wie alt ich bin 😉
        Liebe Grüße
        Kerstin

  2. Ich habe bis jetzt nur den Film gesehen und fand den total super. An das Buch habe ich mich bisher aber noch nicht herangewagt, weil ich Angst habe, dass es mir zu gruselig wird. Hab bei sowas echt schwache Nerven, und Bücher gehen mir da immer noch mal näher, als Filme. Aber nach deiner so positiven Bewertung: vielleicht muss ich einfach mal Mut fassen und mir das Buch doch mal vornehmen.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Hey Julia,
      wenn man sich die ein oder andere Szene nicht zu bildlich vorstellt, müsste es sogar eigentlich noch gehen. Der Horror kommt vielmehr dadurch auf, dass man weiß was vermutlich passieren wird und es nicht tatsächlich passieren sehen will.
      Danke für deinen Kommentar und Grüße zurück!

  3. Du hast das Buch wirklich sehr schön zusammengefasst und rezensiert. ich liebe liebe liebe The Shining. Ich habe bisher nur sehr sehr wenig King Bücher gelesen, 3 um genau zu sein. The Shining ist eines davon und das habe ich dafür bereits 5 mal gelesen :D:D:D. glg Franzi

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