Andy Weir: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Originaltitel: The Martian

Autor: Andy Weir

Verlag: Heyne

Genre: Science-Fiction

Seitenzahl (physische Ausgabe): 509

Erscheinungsjahr: 2014

ISBN: 978-3-641-14400-5

Inhalt (laut Verlag):

Der Astronaut Mark Watney war auf dem besten Weg, eine lebende Legende zu werden, schließlich war er der erste Mensch in der Geschichte der Raumfahrt, der je den Mars betreten hat. Nun, sechs Tage später, ist Mark auf dem besten Weg, der erste Mensch zu werden, der auf dem Mars sterben wird: Bei einer Expedition auf dem Roten Planeten gerät er in einen Sandsturm, und als er aus seiner Bewusstlosigkeit erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Ausrüstung. Ohne Nahrung. Und ohne Crew, denn die ist bereits auf dem Weg zurück zur Erde. Es ist der Beginn eines spektakulären Überlebenskampfes …

Zunächst einmal muss ich den Informationstext korrigieren: Watney ist keineswegs der erste Mensch auf dem Mars. Ares 3 ist nämlich bereits die dritte bemannte Marsmission.

Die Geschichte spielt also in einer Zukunft, in der die NASA regelmäßige bemannte Marsmissionen organisiert und den roten Planeten erforscht. Bei seiner Mission wird Watney allerdings von seiner Crew zurückgelassen, weil die Mission vorzeitigt abgebrochen und er nach einem Unfall für tot erklärt wird.

Tatsächlich hatte ich mir die Handlung etwas anders vorgestellt. Ich dachte, es ginge mehr darum, dass Watney in völliger Isolation auf dem Planeten festsitzt – was er zu Beginn auch tut. Allerdings hatte ich mich mehr auf die Auswirkungen der Situation auf seine Psyche eingestellt.

Stattdessen erzählt Der Marsianer aber von Wattneys Überlebenskampf. Dabei spielt sein Inneres zwar auch eine Rolle, aber eben so wichtig sind ganz praktische Probleme wie: „Woher bekommt man auf dem Mars etwas zu essen?“

Da das Lager in einem Sandsturm fluchtartig verlassen wurde, muss Watney erst einmal seine Grundversorgung sicherstellen und sich erste Überlebensstrategien überlegen. Insbesondere dieser Teil strotzt nur so vor wissenschaftlichen Fakten und Überlegungen. Gerade, wenn man sich im naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich nicht zu gut auskennt, braucht man etwas Ausdauer und Konzentration, um seinem Vorgehen zu folgen.

Glücklicherweise wird die Geschichte dann aber von einem Perspektivwechsel auf die Erde durchbrochen. Denn dort bemerkt die NASA allmählich, dass der Mars nach der Evakuierung doch nicht völlig unbewohnt ist.

Und so beginnt Watneys eigentlicher Überlebenskampf, bei der er mit Hilfe der NASA den Planeten als auch die Zeit bezwingen muss, um heimkehren zu können. Dabei kommt es allerdings auch immer wieder zu millionenschweren Rückschlägen.

Zwar bleibt die Liebe zu technischen Details auch weiterhin vorhanden, allerdings zeigt sie in Symbiose mit der Handlung, wie wahnsinnig und unberechenbar Raumfahrt sein kann. Natürlich haben wir noch keine Menschen auf den Mars geschickt, aber anhand dessen, was Watney berücksichtigen und sich einfallen lassen muss, kann man sich vorstellen, wie komplex bereits ein „kurzer Trip“ zum Mond sein muss.

Das liegt auch daran, dass Der Marsianer wirklich glaubhaft wirkt. Die – durchaus verschiedenen – Reaktionen auf der Erde auf die verschiedenen Stationen der Rettungsmission könnte ich mir in der Form tatsächlich so vorstellen. Weir hat dabei an alles gedacht: die Interessen der NASA, die Politisierung des Problems und natürlich das große Interesse der internationalen Medien. Es liest sich wie ein tatsächliches Großereignis.

Statt eines psychischen Kampf des Protagonisten sehen wir also, wie etliche Menschen auf der Erde den Kampf mit dem Mars aufnehmen. Die meisten Siege muss Watney aber selbst erringen. Dabei passt er charakterlich gut in die Geschichte, weil er durch seinen (Galgen-)Humor einerseits nicht zum Pappaufsteller mutiert, andererseits mit seiner einfachen Art und zuweilen infantilen Albernheit aber auch kein überheblicher Held wird. Er will nicht berühmt werden, sondern bloß in möglichst einem Stück zur Erde zurückkehren.

Fazit

Damit gibt uns Der Marsianer also keinen Einblick in die menschlichen Abgründe der Isolation. Stattdessen handelt es sich um eine Geschichte, die sich nahezu real anfühlt und zeigt, wie wahnsinnig und komplex die Raumfahrt eigentlich ist. Wer sich zudem für Technik oder Naturwissenschaften interessiert, wird vermutlich sogar noch mehr Spaß daran haben. Ich persönlich vergebe dafür 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Zweite Meinung gewünscht? Dann schaut bei Fraencis Daencis vorbei!

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5 Kommentare zu “Andy Weir: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

  1. Moin!
    Ich kann zum Roman selbst nichts sagen, da ich ihn nicht gelesen habe, dafür aber ein wenig zum Film. Zwar habe ich ihn nicht von Anfang an gesehen, aber dennoch scheint es mir, als wären sie recht nah am Buch geblieben.
    Mir hat da vor allem auch der Aspekt gefallen, den duch auch beschreibst. Nämlich dass die ganze Handlung ein Großereignis für die nahezu gesamte Menschheit ist. Die Reaktionen aus den verschiedenen Bereichen (NASA, Politik, …) wirken sehr realistisch.
    Vielleicht komme ich auch mal dazu, das Buch zu lesen, aber der Film lohnt sich auch auf jeden Fall.
    LiebeGrüße (:

    • Danke für den Kommentar!
      Schön, dass die Verfilmung auch was taugt. Das werde ich mir merken und ihn bei Gelegenheit mal anschauen. Normalerweise habe ich nämlich die Tendenz, Verfilmungen bei guten Büchern zu meiden, weil sie mir das Buch kaputtmachen könnten.
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende. 🙂

  2. Also ich habe zuerst das Buch gelesen und dann den Film gesehen. Naja, am Ende wird ein wenig abgewichen, aber mir haben beide sehr gut gefallen. Es fühlte sich wirklich wie eine mögliches Szenario an und der teilweise schwarze Humor war genial! Schöne Rezi von dir👍🏻

  3. Ich habe das Buch sogar nach dem Film gelesen, obwohl ich so etwas normalerweise gar nicht mache. Beides mochte ich sehr, sehr gern. Wie du so treffend schreibst, nehmen Technik und Naturwissenschaften großen Raum ein, werden aber sehr unterhaltsam beschrieben. Ich habe mich von Anfang bis Ende großartig unterhalten gefühlt! Schön, dass es dir auch gefallen hat.

  4. Hallöchen,

    Guter Artikel der nah an meiner Meinung liegt. Ein klasse Buch 🙂
    Ich habe „The Martian“ privat (und später studienbedingt) auf deutsch und englisch gelesen. Und kurz darauf auch den Film gesehen (der für mich der beste des vergangenen Jahres war. Matt Damon passt super in Wattneys Rolle und es wird sich für eine Buchverfilmung recht nah am geschriebenen gehalten. Dazu kommt, dass man es geschafft hat, die ganzen wissenschaftlichen Begriffe dem Laien gut verständlich zu präsentieren).
    Aber nochmal zum Buch: Gerade in der englischen Variante war es eine echte Konzentrationsleistung mit dem ganzen Wissenschaftskram mitzuhalten. Wo ich ein wenig widersprechen muss, ist die ganze Sache mit der Psyche. Ich finde schon, dass diese eine sehr klare Rolle spielt, aber es schlicht gar nicht möglich ist, aus Sicht des Protagonisten allzu viel nachzudenken. Und der Charakter der Wattney verliehen wird, zeigt schon den Umgang mit dieser totalen Isolation, allerdings geht unser Marsianer bloß anders damit um, als man es eventuell erwarten würde. Daher würde ich schon sagen, dass man mit eben dieser Isolation konfrontiert wird, aber Andy Weir seinen Protagonisten damit auf eine Art und Weise umgehen lässt, die nicht zu den Erwartungen passt.
    Robinson Crusoe wäre auf dem Mars vermutlich gescheitert und der war ja schon ein harter Knochen 😀

    Mit besten galaktischen Grüßen,

    Patrick

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