Simon Lelic: Ein toter Lehrer

Originaltitel: Rupture

Autor: Simon Lelic

Verlag: Droemer Knaur

Genre: Drama, Krimi

Seitenzahl: 349

Erscheinungsjahr: 2011

ISBN: 978-3-426-50519-9

Klappentext:

Schulversammlung in der drückenden Hitze eines Londo-ner Sommers. Der Geschichtslehrer betritt die Aula – und eröffnet das Feuer: Drei Schüler und eine Lehrerin sterben, dann richtet er sich selbst.

Auf Druck von oben soll die junge Ermittlerin Lucia May den Fall schnellstmöglich abschließen. Wastrieb einen kultivierten, schüchternen Lehrer zu diesem grauenvollen Verbrechen? Wie ein Puzzle setzt sie die Aussagen seiner Kollegen, der Schüler und Eltern zusammen – und bringt Unvorstellbares ans Licht …

Eine Geschichte über einen Amoklauf, der von einem Lehrer begangen wird, und in der es um die Motive des Täters gehen soll. Das hatte ich mir von Ein toter Lehrer erhofft. Ich wollte, dass es mich Täter- und Opferrolle hinterfragen und meinen eigenen Umgang mit anderen Menschen reflektieren lässt.

Leider ist das nicht passiert. Denn obwohl man auf den über 300 Seiten eine Abwärtsspirale bis zur Tat hätte darstellen können, hat Lelic diese Chance nicht genutzt.

Vermutlich wollte er mit diesem Buch die Welt verbessern und die Gesellschaft aufrütteln, denn neben Mobbing und Amoklauf – was die eigentlichen Themen der Geschichte sind – kritisiert er Sexismus, aus falschen Beweggründen geführte Beziehungen, Homophobie, die britische Polizei, Fremdenfeindlichkeit, das britische Schulsystem, sowie Kapitalismus und Korruption.

Klingt nach viel zu viel für nicht einmal 350 Seiten? Ist es auch, denn so wird jedes Thema nur flüchtig angeschnitten, aber keines in dem Maße, als dass es den Leser bewegen könnte.

Amoklauf und Mobbing: Der Lehrer Samuel Szajkowski wird von Anfang an das Opfer von Schülerstreichen und auch seine Kollegen machen ihm das Leben schwer. Das führt zum Amoklauf.

Sexismus/sexuelle Belästigung: Die Ermittlerin Lucia May wird am Arbeitsplatz sexuell belästigt, weil sie die einzige Frau ist.

Problematische Beziehungen: Sowohl Szajkowski als auch May haben schwierige Beziehungen hinter sich, wobei Mitleid bei Ersterem eine größere Rolle als Liebe spielt.

Homophobie: Wenn man(n) ein Arschloch ist, ist man homosexuell und kann es sich bloß nicht eingestehen.

Die britische Polizei: Hat was gegen Frauen, interessiert sich nicht für die richtige Aufklärung von Fällen und ist generell unfair.

Fremdenfeindlichkeit: Szajkowskis osteuropäische Abspannung wird gegen ihn verwendet.

Das britische Schulsystem: Geld ist wichtiger als Schüler.

Kapitalismus und Korruption: Geld schützt die Täter und ist sowieso an allem Schuld.

Das sind die Botschaften, die das Buch zu den einzelnen Themen aussendet – nicht mehr, und nicht weniger.

Der Amoklauf selbst wird neben dem Mobbing auch noch mit etlichen Andeutungen, dass Szajkowski schon immer ein auffälliges Sozialverhalten hatte und sowohl mit ihm als auch seiner Schwester irgendwas psychisch nicht „normal“ ist, „begründet“. So werden selbst die Hauptthemen ähnlich platt und oberflächlich wie sämtliche Nebenthemen abgehandelt.

Dementsprechend sind auch die Charaktere nicht über ihren Zweck wie „der ignorante Schulleiter“, „die lachenden Mitläufer“, „der mobbende und klischeehafte Sportlehrer“ oder „der sexistisch-vulgäre Kollege“ ausgearbeitet worden.

Zwar ist die Geschichte eine Montage aus verschiedenen Zeugenberichten, Blogeinträgen, und der Rahmenerzählung, allerdings konnte mich selbst das diesmal nicht beeindrucken. Abgesehen von den Haupttätern vielleicht klingen die Interviews nämlich allesamt so ähnlich, dass es fast keinen Unterschied macht, ob dort gerade die Sekretärin, eine x-beliebige Schülerin oder ein homosexueller Lehrer sitzt.

Was man dem Buch allerdings positiv anrechnen kann, ist, dass man durch den vergleichsweise einfachen Stil ziemlich schnell durch die Geschichte kommt – und deswegen zumindest nicht zu viel Zeit verschwendet.

Fazit

Ein toter Lehrer hätte eine Geschichte über die Motive eines Amokläufers sein können. Stattdessen will es sämtliche gesellschaftlichen Probleme auf einmal ansprechen, sodass jedes Thema nur oberflächlich bleibt. Transportiert wird das Ganze über eine nicht überzeugende Montagetechnik und zweckdienliche Charaktere. Dafür vergebe ich nur eines von fünf Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Zweite Meinung gewünscht? Dann schaut bei Leseratten sind keine Tiere vorbei.

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