April Genevieve Tucholke: Fürchte nicht das tiefe blaue Meer

Originaltitel: Between the Devil and the Deep Blue Sea

Autor: April Genevieve Tucholke

Verlag: cbt

Genre: Mystery, Fantasy, Jugendbuch

Seitenzahl (Taschenbuch): 384

Erscheinungsjahr: 2013

ISBN: 978-3-641-10718-5

Inhalt (laut Verlag):

In Violet Whites verschlafenem Küstenort ist nicht viel los – bis River West in Violets Gästehaus einzieht. Plötzlich wird ein Phantom gesichtet, Kinder verschwinden und ein Mann bringt sich um. Hat River damit zu tun? Er weicht jeder Frage über seine Vergangenheit aus. Violets Großmutter hat sie vor dem Teufel gewarnt – aber dass er ein Junge sein könnte, der viel Kaffee trinkt, gerne in der Sonne schläft und Violet auf dem Friedhof so küsst, dass man zurückküssen möchte – das hat sie nicht gesagt. Während der Horror eskaliert, verliebt sich Violet so heftig, dass sie River nicht mehr widerstehen kann – und genau das ist seine Absicht …

Irgendwie weiß dieses Buch nicht was es will. Es wird als Jugendbuch ab 13 Jahren vermarktet – aber ein Jugendbuch ist es definitiv nicht. Und gleichzeitig eben doch.

Die Geschichte lässt sich nämlich in zwei Teile unterteilen: einen Jugendbuch-Teil und einen Splatter-Teil. Ja, ihr habt richtig gelesen: Splatter.

Der Jugendbuch-Teil hätte mich fast schon zum Abbruch gebracht. Direkt zu Beginn haben mich die Namen der Charaktere stutzig gemacht. Violet, River und Sunshine als Vornamen? Im Deutschen funktioniert es noch gerade so, auf Englisch hätte es mich wohl kirre gemacht.

Aber darüber kann man hinwegsehen. Immerhin bietet die erste Hälfte auch noch eine mittelmäßige Liebesgeschichte, bei der Violet sich als Naivchen entpuppt und viele Beschreibungen. Wer gerne über Gerüche, Geschmäcker und Kleidungen und Möbel liest, wird diesen ersten Teil dafür lieben.

Bei all der salzigen Meerluft könnte fast schon Urlaubsstimmung aufkommen – wenn es denn nicht doch zu viel des Guten wäre. Ich weiß nicht, welche Aufmerksamkeitsspanne uns Lesern angerechnet wird, aber ich persönlich habe schon beim zweiten Mal verstanden, dass Violets Nachbarin Sunshine gerne ihre Kurven betont und dass alles entweder nach Meer, Kaffee oder Farbe riecht.

Wo wir schon bei Wiederholungen sind: Fürchte nicht das tiefe blaue Meer hat mir außerdem beigebracht, dass „Flirten“ ein so intensiver Zeitvertreib ist, dass man nichts von der Umwelt mitbekommt. Wann immer die Handlung es gerade erfordert, dass anwesende Charaktere gerade unaufmerksam sind, flirten sie einfach.

Was genau man darunter jetzt verstehen soll, wird allerdings ausnahmsweise mal nicht beschrieben. Es sei denn, Violet braucht einen Grund, sich aufzuregen. Dann ist auf jeden Fall Körperkontakt inbegriffen.

Allerdings sind die Charaktere – wenn sie gerade nicht flirten – mit überraschend viel Hintergrundgeschichte ausgearbeitet. Selbst kleinere Nebencharaktere haben oft eine kleine Anekdote versehen bekommen, die sie vom Pappaufsteller-Dasein befreien.

Allerdings sind die Persönlichkeiten der Jugendlichen weniger überzeugend. Einerseits scheint Herumknutschen der hauptsächliche Lebensinhalt zu sein, andererseits sind kulinarische und kulturelle Expertise ebenso Standardeigenschaften. Von den Zukunfts- und Identitätsgedanken, die ich unlängst in Violets Alter hatte, ist allerdings keine Spur.

Es fühlt sich eher so an, als hätte man ein paar Menschen mittleren Alters in jüngere Körper gesteckt und Kuschel-Knutsch-Anfälle hinzugefügt. Kein Wunder, dass ich erst dachte, River sei ein jahrhundertealter Vampir.

Und dann gibt es plötzlich die Wendung, bei der zwar kein echter Vampir, allerdings doch ein paar übernatürliche Geschöpfe auftauchen. Plötzlich wird der seelische Sommerurlaub zu einer Verknüpfung verschiedener Familiengeheimnisse, bevor das große Blutvergießen losgeht.

Die zweite Hälfte ist definitiv spannender, was aber auch am Überraschungseffekt liegt. Denn nach all dem Eistee- und Kaffee-Geschlürfe erwartet man nicht, dass plötzlich nahezu jeder relevante aus den verschiedensten Wunden blutet.

Bei dem Cover hätte ich vielleicht noch mit langsam-aufbauendem Gänsehaut-Horror gerechnet, aber nicht mit diesem blutgetränkten Adrenalin-Kick. Wer Gewalt (auch an Kindern) nicht mag, sollte Fürchte nicht das tiefe blaue Meer besser wieder vergessen.

Und ehrlich gesagt wurde durch das Gemetzel auch Potenzial verschenkt. Über das übernatürliche Element der Handlung hätte man so gut den Psycho-Horror-Weg nach dem Motto „Was passiert nur in Violets Kopf und was ist real?“ einschlagen können. Stattdessen wird uns aber eben nur ein Blutbad serviert, bevor die Geschichte dann halboffen ausklingt, womit die Fortführung als Reihe auf den letzten Seiten noch ermöglicht wird.

Insgesamt steht Fürchte nicht das tiefe blaue Meer sowohl für eine mittelmäßige Liebesgeschichte als auch für einen blutigen Splatter-Teil. Um dieses Buch zu mögen braucht man eine Vorliebe für ausführliche Beschreibungen eines entspannten Sommers sowie die Fähigkeit mit doch recht extremer Gewalt umzugehen. Dafür gibt es von mir 2 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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