Wolfgang Herrndorf: Tschick

Originaltitel: Tschick

Autor: Wolfgang Herrndorf

Verlag: Rowohlt

Genre: Jugendbuch

Seitenzahl: 254

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 2010

ISBN: 978-3-499-25635-6

Klappentext:

Zwei Jungs. Ein Geknackter Lada. Eine Reise voller Umwege durch ein unbekanntes Deutschland.

Mutter in der Entzungsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäfts-reise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine un-vergessliche Reise ohne Karte und Kompass durch die sommer-glühende deutsche Provinz.

Kurz gesagt: Tschick ist genau das, was man sich vorstellt, nämlich ein lockerer Roadtrip durch Deutschland. Nicht mehr und nicht weniger. Tatsächlich habe ich noch nie einen Roadtrip gelesen, allerdings asoziierte ich den Begriff immer mit Pick-Ups oder VW Bullies, die über die Road 66 rumpeln. Dementsprechend neugierig machte mich dieser so ganz andere Roadtrip. Denn was soll man schon vom grauen Deutschland erwarten?

Und ich wurde positiv überrascht. Denn obwohl Tschick über vertraute Straßen führt – gut, genau genommen kenne ich Berlin und Umgebung nicht wirklich – ist es alles Andere als langweilig. Herrndorf schafft es, aufregende und doch gleichzeitig realistische Schauplätze für seine Geschichte zu finden.

So gibt Tschick das Gefühl, dass das Abenteuer euch vor unseren bürokratisch überkorrekten Haustüren liegen kann. Und das macht durchaus Lust, selbst ein paar Freunde einzupacken und einfach mal loszufahren.

Allerdings lädt Tschick dann doch nicht zu sehr zum Träumen ein. Ja, es vermittelt diesen Hauch von Abenteuer, aber es ist eben auch „nur“ Deutschland. Und das raubt doch einen Teil des Tagtraum-Potenzials, das ich mit Roadtrips verbinde: die Sehnsucht nach der weiten Welt.

Was ich Herrndorf allerdings hoch anrechne ist seine Darstellung der Charaktere in Kombination mit dem Schreibstil. Tschick bedient sich eines lockeren, umgangssprachlichen Stil, der sich aber echt anfühlt.

Viel zu oft enden Versuche von „Jugendsprache“ einfach nur in einem peinlichen Abzieh-Bild jahrhundertealter Vorurteile. Diesen Fehler macht Herrndorf nicht. Er schreibt umgangssprachlich, aber nicht „echt krass hardcore übertrieben, alda!“.

Und das tut gut. Ich könnte mir vorstellen, dass irgendwo da draußen ein Maik Klingenberg mit einem anderen Namen rumläuft, der etwa so fühlt und erzählt. Auch charakterlich fühlen sich die beiden Jungs einfach natürlich an, weil sie beide ihre Probleme und Macken haben, aber eben auch nicht in jeder Hinsicht Loser sind. Sie sind schlichtweg stimmig.

Insgesamt ist Tschick also trotz seines Settings in Deutschland ein überraschend spannender Roadtrip mit lockerem Schreibstil, der durch seine Schauplätze und Charaktere aber dennoch authentisch bleibt. Allerdings liefert er nicht das volle Tagtraum-Potenzial. Daher vergebe ich 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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