Matt Haig: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

Originaltitel: Reasons To Stay Alive

Autor: Matt Haig

Verlag: dtv digital

Genre: Biographie/Memoiren

Seitenzahl (physische Ausgabe): 304

Erscheinungsjahr: 2016

ISBN: 9783423280716

Inhalt (laut Verlag):

Ein Buch, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Denn mit gerade mal 24 Jahren wird Matt Haig von einer lebensbedrohlichen Krankheit überfallen, von der er bis dahin kaum etwas wusste: einer schweren Depression. Es geschieht auf eine physisch dramatische Art und Weise, die ihn buchstäblich an den Rand des Abgrunds bringt. Dieses Buch beschreibt, wie er allmählich die zerstörerische Krankheit besiegt und langsam ins Leben zurückfindet. Eine bewegende, witzige und mitreißende Hymne an das Leben und an das Menschsein – ebenso unterhaltsam wie berührend. »Ich habe dieses Buch geschrieben, weil letztendlich doch etwas dran ist an den uralten Klischees: Die Zeit heilt alle Wunden, und es gibt ein Licht am Ende des Tunnels, auch wenn wir es zunächst nicht sehen können. Und manchmal können Worte einen Menschen tatsächlich befreien.« Matt Haig

Eigentlich war ich auf der Suche nach einer leichten Lektüre für die Lernpausen. Als ich aber einen Blick auf den Merkzettel meines Onleihe-Accounts war, wurde es doch ein ernsteres Buch.

Zugegeben, der Titel hat mich ein wenig in die Irre geführt. Eigentlich hätte ich mit Gründen und Dingen gerechnet, die Haig motivieren, weiterzumachen. Diese kommen zwar vor, ja, aber sie sind eben nur ein Teil des Buches.

Denn eigentlich geht es doch um Depressionen. Um Haigs persönliche, plötzlich auftretende Depression und seinen Weg mit ihr, aber auch um Depressionen im Allgemeinen. Neben seinen persönlichen Erfahrungen streut Haig nämlich immer wieder einige Listen ein. Diese können mal persönliche Tipps, die bei ihm funktionieren, mal Empfehlungen für Angehörige, mal Auflistungen depressiver Prominenter sein.

So entsteht eine gute Mischung, die sowohl für das Umfeld Depressiver als auch für diejenigen selbst hilfreich ist. Und ich denke, auch völlig außenstehende Interessierte, zu denen ich allerdings nicht zähle, können ihre Freude an diesen Informationen finden.

Aber auch Haigs persönliche Geschichte packt den Leser. Denn an seinem Beispiel wird mehr als deutlich, dass Depressionen im Grunde bei jedem und jederzeit zuschlagen können. Zwar stellt er auch Situationen dar, die er retrospektiv als Warnzeichen sehen würde, allerdings zeigen diese, dass der Übergang von „gesund“ und „ungewöhnlich“ fließend ist.

Dadurch entfaltet Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben einen erschütternden Charakter. Denn obwohl Haig die Depression nicht lang und breit als schrecklichen Dämon darstellt, entsteht doch eine gewisse Furcht vor der Möglichkeit, eines Tages vielleicht selbst betroffen zu sein.

So halten sich positive Aspekte und Erschütterung die Waage, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Es kommt keine klassische Spannung auf, aber weil es jeden Menschen treffen kann, kann man sich der Konfrontation schlichtweg nicht entziehen.

Unterstützt wird dieser Effekt durch die sprachlich schöne Übersetzung. Mehrfach musste ich kurz Pause machen, um mir ein besonders herausstechendes Zitat zu notieren. Aber auch ansonsten empfiehlt es sich, ein Notizbuch beim Lesen dabei zu haben. Denn Haig selbst ist ein Bücherwurm, weswegen er nicht nur Bücher nennt, die ihn auf dem Weg seit dem Ausbruch der Krankheit begleitet hat, sondern auch einiges an weiterführender Literatur für Interessierte empfiehlt.

Insgesamt ist Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben also entgegen des Titels kein durchweg positives Buch. Stattdessen wird das Thema Depression von verschiedenen Seiten beleuchtet – mal positiv, mal negativ, mal persönlich, mal verallgemeinernd. Dies kombiniert mit einer wirklich gelungenen Übersetzung erzielt 4 1/2 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu “Matt Haig: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben

  1. Ich hatte bisher nur „Ich und die Menschen“ auf meiner Leseliste, aber mir scheint, dieses Buch hier lohnt sich noch viel mehr. Vielen Dank für die Buchvorstellung, ich habe es sofort auf meine Leseliste gesetzt, Du hast mich überzeugt.
    Liebe Litnetzwerk-Grüße
    Gabi

    • Hey Gabi,
      ich muss gestehen, dass ich gerade erstmal nachschauen musste, worum es in „Ich und die Menschen“ genau geht. Die Grundidee klingt ja ganz lustig, allerdings wird es wohl erstmal nicht die höchste Priorität auf meiner Wunschliste erhalten.
      Danke aber für den Kommentar. 🙂

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