Erin Morgenstern: Der Nachtzirkus

20170201_155720.jpgOriginaltitel: The Night Circus

Autor: Erin Morgenstern

Verlag: Ullstein

Genre: Mystery, Romantisch, Fantasy

Seitenzahl: 461

Erscheinungsjahr: 2013

ISBN: 978-3-548-28549-8

Klappentext:

Er kommt ohne Ankündigung und hat nur bei Nacht geöffnet: der Cirque des Rêves – Zirkus der Träume. Um ein geheimnisvolles Freudenfeuer herum scharen sich phantastische Zelte, jedes eine Welt für sich, einzigartig und nie gesehen. Doch hinter den Kulis-sen findet der unerbittliche Wettbewerb zweier verfeindeter Magier statt. Sie bereiten ihre Kinder darauf vor, zu vollenden, was sie selber nie geschafft haben: den Kampf auf Leben und Tod zu entschei-den. Doch als Celia und Marco einander schließlich begegnen, geschieht, was nicht vorgesehen war: sie verlieben sich rettungslos ineinander …

Es gibt etliche Menschen auf dieser Welt, die das Buch lieben, und bereit sind dreistellige Beträge für die ledergebundene Ausgabe dieser Zirkusgeschichte auszugeben. Und ich kann durchaus verstehen, was den Nachtzirkus für sie zu so einem besonderen Buch macht.

Denn mit der dem Cirque des Rêves eigenen Stimmung geht auch eine besondere, womöglich einzigartige Atmosphäre der Geschichte einher. Der fantasievoll ausgestaltete Schauplatz lädt uns Leser förmlich zu eigenen Erkundungen des Zirkus und zum Träumen ein. Denn der Cirque des Rêves besitzt Attraktionen, die nur im Schlaf geweckte Fantasie schaffen kann.

Ebenso erstaunlich und faszinierend sind auch einige der Charaktere, denen wir im Laufe der Geschichte begegnen. Nicht alle scheinen zu Beginn ihren Platz in der Handlung zu haben, aber es fügt sich doch zu einem großen Puzzle zusammen. So mancher Charakter weist sehr spezielle Besonderheiten auf, allerdings sind leider nicht alle so ausgebaut, wie ich es mir gewünscht hätte.

Dies gilt auch für die Magie, derer sich Der Nachtzirkus bedient. Sie ist mysteriös und passt dementsprechend zur Aura des Zirkus – allerdings wirkt sie dadurch oftmals auch schwammig definiert. So scheint sie eher den Ansprüchen der Handlung als eigenen Gesetzen zu folgen.

Das mag auch daran liegen, dass die Magie von der Liebesgeschichte in den Hintergrund gedrängt wird. Und gerade diese Liebesgeschichte macht mir den Nachtzirkus madig. Zunächst einmal gehört Marco zu den weniger eindrucksvollen Charakteren.

Man weiß bei ihm nie, ob er eigentlich gut oder böse ist, allerdings gibt es keinen Grund für dieses Zwielichtige an ihm, will uns die Geschichte doch weismachen, dass er unsterblich in Celia verliebt ist. Warum? Darum. Weil sie halt ein Liebespaar sein sollen.

Es gibt einfach keinerlei Anhaltspunkte, wieso die beiden ach so tiefe Gefühle füreinander haben sollten – außer irgendwelchen prickelig-knisternden Wahrnehmungen in Bezug auf den anderen. Gewiss, Liebe ist keine rationale Sache, aber das Verhältnis zwischen ihnen hat mich eher an die Kugeln einer Wimshurstmaschine als an Gefühle erinnert. Zum Glück gibt es noch eine Nebenhandlung, die mich bei Laune halten konnte.

Leider wird die Bedeutung ihrer „Beziehung“ gerade zum Ende hin immer bedeutungsvoller und führt in Kombination mit der willkürlich-funktionierenden Magie zu einem plötzlichen, halboffenen und sehr interpretationsfreiem Ende. Möglicherweise sollte so die mysteriöse Aura des Zirkus erhalten bleiben, bei mir wurde damit allerdings lediglich eine Mischung aus Verwirrung und Skepsis hervorgerufen. Spätestens dort konnte ich den Eindruck nicht mehr loswerden, dass die Magie vor Allem dazu dient, den Plot zusammenzuleimen.

Insgesamt ist Der Nachtzirkus also ein atmosphärisches Meisterwerk mit einigen faszinierenden Charakteren, das jedoch durch ein zu unausgereiftes Magie-System und eine noch plattere Liebesgeschichte zerstört wird. Daher vergebe ich 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Zweite Meinung gewünscht? Dann schau bei Kapri-ziös vorbei.

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5 Kommentare zu “Erin Morgenstern: Der Nachtzirkus

  1. Sooo, hier musste ich auch noch vorbeischauen 😀

    Der Nachtzirkus, von dem Buch hab ich auch schon viel gehört – und das hatte ich mir mal von der Bibliothek ausgeliehen, wenn ich mich richtig erinnere.
    Aber da weiß ich noch sehr gut, dass einfach nicht der richtige Zeitpunkt für diese Geschichte war. Ich hab die Atmosphäre gespürt und wusste auch genau, dass mich das Buch faszinieren kann. Aber eben nicht gerade da, als ich es in der Hand hatte. Deshalb hatte ich es damals abgebrochen.
    Seitdem spukt es mir immer wieder mal im Kopf rum – vor allem, wenn ich es auf anderen Blogs entdecke … und ich bin mir sicher, dass ich es damit nochmal versuchen möchte. Ich hoffe, dass ich dann besser in die Geschichte eintauchen kann ^^

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Ave,
      ein ähnliches Phänomen habe ich im Moment mit „Caraval“. Irgendwie kommt man darum momentan ja auch nur schwer herum und es wird oft genug mit „Der Nachtzirkus“ verglichen. Allerdings habe ich die Ahnung, dass „Caraval“ mehr in eine Richtung geht, die mir persönlich nicht gefällt. Deswegen versuche ich, die Finger davon zu lassen – ob ich dabei dauerhaft erfolgreich sein werde, wird sich aber erst noch zeigen müssen. ^^‘

      Liebe Grüße
      Seitenfetzer

  2. Oh, so habe ich es noch gar nicht gesehen, aber ich denke, ich weiß, was du meinst, mich hat es aber nicht so arg gestört, weil ich die Liebesgeschichte zwar immer wichtiger werdend, aber nicht dominierend empfunden habe… bin jetzt aber doch ein wenig stutzig geworden. Sehr interessante Sichtweise auf jeden Fall!
    LG Katharina
    #litnetzwerk

    • Hey,
      vielleicht bin ich auch ein bisschen überkritisch, aber wenn Liebesgeschichten sich nicht gut fundiert anfühlen, dann kann man mich da leider mit jagen.
      Danke aber für deine Kommentare und liebe Grüße zurück!

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