Kevin Dutton: Psychopathen – Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann

20170201_155945.jpgOriginaltitel: The Wisdom of Psychopaths – Lessons in Life from Saints, Spies and Serial Killers

Autor: Kevin Dutton

Verlag: dtv

Genre: Sachbuch

Seitenzahl (physische Ausgabe):  320

Erscheinungsjahr: 2013

ISBN: 978-3423249751

Klappentext:

Sind Sie ein Psychopath?

Natürlich sind Sie kein Psychopath. Vielleicht sind Sie eine Führungskraft oder ein sehr spiritueller Mensch. Sie haben Charme, Sie sind unerschrocken und risikofreudig, können harte Entscheidungen treffen. Sie sind sehr aufmerksam und können sich gut auf ein Ziel konzentrieren. Sie werden feststellen, dass das Eigenschaften sind, die Sie mit Psychopathen teilen. Selbstredend sind diese Eigenschaften nützlich, wenn man ein Serienmörder werden will. Aber auch im Gerichtssaal, in der Wirtschaft oder im OP. Oder im Leben eines Heiligen. Jede Medaille hat zwei Seiten.

Plötzlich hatte ich große Lust auf ein Sachbuch. Und da es nicht genug war, dass ich im letzten Halbjahr bereits Serienmörder als Seminarfachthema hatte, hatte bot mir meine Bibliothek ein Buch, das schon länger auf meiner Wunschliste sein Dasein fristen musste: Psychopathen von Kevin Dutton.

Es sollte sich nicht als Fehlentscheidung entpuppen. Denn in diesem Buch setzt sich der Oxford-Professor für Experimentelle Psychologie mit dem Phänomen der Psychopathie auseinander. Dabei werden mögliche evolutionäre Ursachen bzw. Vorteile, Kennzeichen der Psychopathie in Abgrenzung zu anderen psychischen Phänomenen und Karrieren von Psychopathen näher untersucht.

Dabei bedient sich Dutton einer Mischung aus Studien, historischen Ereignissen mit Beteiligung von Psychopathen und Anekdoten, die sowohl von Begegnungen mit Wissenschaftlern ähnlicher Forschungsgebiete als auch mit verschiedenen Psychopathen selbst handeln.

Eine gelungene Mischung also, um einen informativen Überblick zu liefern, gleichzeitig aber auch konkrete Beispiel für eine Vielzahl von Psychopathen aufzuzeigen – vom Chirurg über dem Mitglied einer Sondereinheit bis zum tatsächlich gefährlichen Killer.

Außerdem ist das Buch von einigen Gedankenexperimenten durchzogen, an denen auch wir Leser uns beteiligen können. Allerdings stellt sich hierbei die Frage, ob diese nicht zu theoretisch gehalten sind, um wirklich Aussagen über die jeweilige Person treffen zu können. Denn allein anhand dieser Experimente gemessen wäre ich ein Psychopath, während andere Tests etwas ganz Anderes behaupten.

Leider wird der Mittelteil irgendwann ein wenig zäh. Gerade wenn es darum geht, Psychopathen von anderen psychischen Störungen oder Phänomenen abzugrenzen, oder sie anhand von Studien zu definieren, ist es als Laie auf dem Gebiet doch schwieriger, Duttons Ausführungen zu folgen.

Einerseits wird deutlich, dass „der Psychopath“ mehr als ein brutaler Mörder ist, andererseits wird zunehmend schwieriger zu definieren, was genau ein Psychopath denn nun eigentlich ist. Zudem geht der Mittelteil auch verstärkt auf biochemische Prozesse im Gehirn ein, die Psychopathen von uns „Normalos“ unterscheiden. Zu wissen, was eine Amygdala ist, kann da von Vorteil sein.

Hat man den Teil aber überstanden, wird man mit einer ausführlichen und spannenden Abhandlung über das Thema im Untertitel belohnt: Psychopathen in verschiedenen Berufen. Neben den bereits erwähnten Anekdoten ist ein weiteres Highlight dieses Teils eine Auflistung der Top Zehn der psychopathischsten bzw. unpsychopathischsten Berufe, die so manche Überraschung enthält.

Insgesamt bietet Psychopathen – Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann also einen auch für Laien lesenswerten, umfassenden Blick über Psychopathen und ihre Position im Alltag. Dabei bezieht Dutton sich sowohl auf allgemeine Darstellungen wie konkrete Beispiele und lockert die Studien und Versuche durch Gedankenexperimente zum Mitmachen, Geschichten und Anekdoten auf. Dennoch kann ein wenig Vorwissen bezüglich Psychologie oder Neurologie hilfreich sein. Daher vergebe ich 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu “Kevin Dutton: Psychopathen – Was man von Heiligen, Anwälten und Serienmördern lernen kann

  1. Hey,

    so wie du das beschreibst, hört es sich echt faszinierend an!
    Ich hatte das Buch mal zuhause, aber ich muss gestehen, dass ich es relativ schnell abgebrochen habe.
    Kann es sein, dass da doch sehr viele Fachbegriffe drinstehen? Ich glaube mich zu erinnern, dass ich mit dem ganzen nicht so zurecht gekommen bin. Vielleicht hab ich aber auch zu früh aufgegeben? Es war grad wohl einfach nicht die richtige Zeit für das Buch …

    Liebste Grüße, Aleshanee

    • Hey Aleshanee,
      die Beschreibungen der Vorgänge im Gehirn und die Einordnung oder Abgrenzung zu verschiedenen psychischen Störungen sind für uns Laien nicht ganz einfach nachzuvollziehen, das stimmt schon. Aber wenn man sich dem Thema nicht zwingend von der rein akademischen Seite nähern will, reicht bei dem Teil auch ein oberflächliches Verständnis, ohne dass andere Passagen dadurch völlig unverständlich werden.
      Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es ein Hindernis darstellen kann, wenn man gerade nicht in der Stimmung ist, darüber hinwegzusehen.

      Liebe Grüße
      Seitenfetzer

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