Stäcker & Seitz: Nana … der Tod trägt pink

20161206_142939.jpgOriginaltitel: Nana … der Tod trägt Pink

Autor: Barbara Stäcker & Dorothea Seitz

Verlag: Irisiana

Genre: Bildband, Biographie, Erfahrungsberichte

Seitenzahl: 176

Erscheinungsjahr: 2013

ISBN: 978-3-424-15196-1

Klappentext:

Warum ist Nanas Geschichte so anders?

Normalerweise meint man, ein schwerkranker, dem Tod geweihter Mensch versteckt sich und zieht sich zurück. Nana jedoch hat sich in dieser Zeit selbst gefunden und dies öffentlich gemacht. Mal zeigt sie sich selbstbewusst, mal verletzlich, mal verspielt, mal nachdenklich, mal tough auf den beeindruckenden Bildern, die in ihrem letzten Lebensjahr entstanden sind. Sie hat nicht nach Sinn gesucht, sondern ihn für sich gefunden. Ihr letzter Wunsch war es, dass auch anderen Menschen, die wie sie vom Leben herausgefordert werden, sich selbstbestimt mit dem Tod auseinandersetzen. Dieses Buch ist sowohl das berührende Vermächt-nis einer außergewöhnlichen, jungen Frau als auch eine informative Lektüre für alle, die mehr wissen wollen.

Darf man ein Buch mit einer derartigen Thematik überhaupt rezensieren und dabei auch kritisieren? Lasst es mich versuchen. Denn Nana … der Tod trägt Pink war für mich ein ganz besonderes Buch. Nicht nur, dass ich ebenfalls einen Krebsfall in der Familie habe, sondern auch andere Parallelen (und seien es „Banalitäten“ wie ein ähnlicher Musikgeschmack) gefunden habe.

Man merkt dem Buch schnell an, dass es nicht von Nana selbst ist, sondern postum über sie gemacht wurde. So bleibt es nicht aus, dass die Darstellung ihres Werdeganges bestimmt auch euphemisiert wurde. Denn gerade wenn einzelne Situationen zu Nanas Lebzeiten nacherzählt werden, kann man doch feststellen, dass sie sich selbst vielleicht nicht immer als das herausragende und lebensfrohe Mädchen gesehen hat. So wird sie aber nun dargestellt: Als jemand, der einen vorbildlichen Umgang mit seiner Erkrankung gefunden hat.

Allerdings ist auch erkennbar, dass man versucht hat, keinen zu subjektiven Blick auf Nanas Geschichte zu werfen. Denn neben ihrer Mutter, die mit an dem Buch gearbeitet hat, kommen auch immer wieder andere Personen aus Nanas Umfeld mal kürzer, mal ausführlicher zu Wort. Gestützt wird der Gesamteindruck dabei auch durch SMS- oder Facebook-Zitate Nanas sowie Informationskästchen über ihre Erkrankung.

So ergibt sich für uns Außenstehende doch ein sehr plastisches Bild, was das Lesen zu einem außergewöhnlichen Erlebnis macht. Schön ist dabei auch, dass der Text meist so gesetzt wurde, dass man am Ende der Seite stoppen und die Randkästchen lesen kann. Man muss sich also nicht zwischen „Unterbrechung des Haupt-Leseflusses“ und „wildem Hin- und Hergeblättere“ entscheiden.

Gerade zu Beginn allerdings wusste man wohl noch nicht so genau, wohin man mit diesem Buch eigentlich will. Einerseits sollte es um Nana gehen, andererseits wollte man wohl auch Aussagen über die Erkrankung im Allgemeinen treffen.

Dies führte in den ersten Kapiteln zu so manchen floskelhaft anmutenden oder auch mehr als fragwürdigen Aussagen. Insbesondere die Betonung, dass etwas (z.B. der Verlust der Haare) gerade für weibliche Patienten schlimm sei, hat mich doch skeptisch werden lassen. Wer sagt denn, dass Männer nicht darunter leiden, wenn sie sämtliche Haare verlieren?

Vermutlich sind derartige Formulierungen eingeflossen, um vom Allgemeinen wieder auf Nana zu kommen. Aber hätte das wirklich sein müssen? Warum nicht von Anfang an auf Nana konzentrieren, was im späteren Teil des Buches auch gut geklappt hat?

Denn nach den anfänglichen Schwierigkeiten zeigt Nana … der Tod trägt Pink seine wahre Stärke: Es redet über das Sterben. Wieviele Krebs Schicksale gibt es, bei denen im Nachhinein von dem starken und anstrengenden Kampf gesprochen wird, dem der Patient oder die Patientin tagtäglich ins Auge geblickt hat? Hier wird dieser Teil der Erkrankung vergleichsweise kurz gehalten und dafür Nanas Entscheidung zu sterben sowie die damit verbundenen Konsequenzen in den Fokus genommen.

Gerade für Angehörige eines Krebspatienten ist dieser Teil des Buches besonders wertvoll. Denn die Schilderungen über Nanas Ableben können wirklich Kraft geben. Sie erinnern daran, dass es in Ordnung ist, sollte der Tag im eigenen „Fall“ kommen. Nanas Geschichte vermittelt den Eindruck, dass das Ende kein schreckliches Tabu ist, vor dem man schleunigst fliehen muss. Sollte es soweit sein, ist es okay.

Was ich allerdings noch schade fand, ist die Darstellung des Krankenhauses. Ich vermag nichts über Nanas Klinik zu sagen, da ich mit den dortigen Abläufen nicht vertraut bin. Jedoch empfinde ich es durchaus als schade, dass die Klinik fast schon als Feindbild dargestellt wird. Immerhin ist dies der Ort, an dem man versucht, die Situation nach Möglichkeit zu verbessern.

Nana ist gewiss nur eines von vielen Schicksalen. In mancherlei Hinsicht mag sie wie andere gewesen sein, in anderen Punkten etwas Besonders. Gerade für Angehörige eines Krebspatienten ist dieses Buch in Bezug auf das Thema Sterben aber eine definitive Empfehlung. Man sollte sich bloß nicht von den Verallgemeinerungen zu Beginn abschrecken lassen. Daher vergebe ich 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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