Haruki Murakami: Die unheimliche Bibliothek

20160723_151911.jpgOriginaltitel: Fushigi Na Toshokan

Autor: Haruki Murakami

Ilustrator: Kat Menschik

Verlag: Dumont Verlag

Genre: Mystery

Seitenzahl: 63

Erscheinungsjahr: 2013

ISBN: 978-3-8321-9717-9

Schande über mein Haupt, aber ich habe bislang noch nichts von Haruki Murakami gelesen. Da kam mir diese kurze Erzählung gerade gelegen. Der Klappentext verrät Folgendes:

Kannst du nicht sprechen?<<, fragte ich das Mädchen.

>Nein, meine Stimmbänder wurden in meiner Kindheit zerstört.<<

>Deine Stimmbänder wurden zerstört? Aber von wem denn?<<

Darauf gab sie mir keine Antwort. Sie lächelte nur so lieblich und süß, dass es mir den Atem nahm.

Unser namenloser Protagonist begibt sich in die Bücherei, um über das Osmanische Reich zu recherchieren. Jedoch entführt der Bibliothekar ihn in den unterirdischen Teil des Gebäudes, wo der Junge zwischen merkwürdigen Gestalten gefangen gehalten wird.

Die Erzählung lässt sich getrost als andersartig und originell bezeichnen. Obwohl die Geschichte linear durcherzählt wird und aufgrund ihrer Kürze in einem Rutsch weggelesen werden kann, fordert sie Konzentration. Denn Murakami spart sich einige Erklärungen.

Einerseits war es gerade für mich also angenehm, dass nicht jeder Raum bis ins kleinste Details beleuchtet wird, andererseits gibt es aber auch keine Erläuterung, wie der Protagonist mit dem stummen Mädchen aus dem Klappentext kommunizieren kann.

Generell ist der Leser bei dieser Geschichte mehr auf die eigene Fantasie als die Logik unserer Welt angewiesen. Denn neben dem Mädchen gibt es noch weitere merkwürdige Charaktere, bei denen nicht ganz klar wird, was sie sind oder warum sie so handeln.

Das mag auch daran liegen, dass unser Protagonist sehr nachgiebig ist. Diesem merkt man den japanischen Einfluss an, reagiert er überraschend gefasst auf die Situation und leistet kaum Widerstand. Zwar bleibt er nicht völlig untätig, aber von einer wirklichen Rebellion kann nicht die Rede sein.

Dadurch, dass alles so vage bleibt, bietet die Erzählung Raum für die verschiedensten Interpretationen, denn so ziemlich jedes Element könnte als Metapher für etwas völlig Anderes aufgefasst werden. So ist die Interpretationsfreiheit des Lesers jedoch fast schon zu groß.

Dieses Ungewisse spiegelt sich allerdings wunderbar in den Illustrationen von Menschik wider. Nachdem ich mich erst an ihren Stil gewöhnt hatte, entdeckte ich, dass auf den eigentlichen Illustrationen durch Glanzeffekte des Papiers weitere Darstellungen gelegt sind. So unterstützen sie nicht nur die obskure Geschichte, sondern wirken beim Lesen entschleunigend, wenn man sich die Mühe macht, das Buch im richtigen Winkel zum Licht hin und her zu bewegen.

Insgesamt liefert Murakami mit Die unheimliche Bibliothek eine originelle Erzählung, die aufgrund ihres Interpretationsfreiraumes aber nicht unterschätzt werden sollte. Dazu liefert Menschik sowohl auf den ersten als auch auf den zweiten Blick passende Illustrationen. Dafür vergebe ich 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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