Tetsuya Tsutsui: Poison City Band 1

20170113_161429.jpgOriginaltitel: Poison City

Mangaka: Tetsuya Tsutsui

Verlag: Carlsen Manga

Genre: Thriller, Action, Dystopie

Seitenzahl: 241

Anzahl Bände: 2

Erscheinungsjahr (DE): 2016

ISBN: 978-3-551-71477-0

In letzter Zeit erreichen uns zunehmend Manga mit ernsterer Thematik. Haben mich bei den Meisten jedoch die Zeichenstile abgeschreckt, so war dies bei Poison City kein Problem. Und der folgende Klappentext konnte mich erst recht überzeugen:

Der spektakuläre neue Thriller von Tetsuya Tsutsui in zwei Bänden!

Das Jahr 2020. Tokyo blickt den Olympischen Spielen entgegen, als eine Bewegung mit dem Namen >>Säuberungsfront<< an Einfluss gewinnt. Sie hängt dem Glauben an, dass alles Anstößige beseitigt werden müsse. Zu dieser Zeit versucht Mangazeichner Mikio Hibino seine Horrorserie >>Dark Walker<< an die Öffentlichkeit zu bringen. Nachdem er etliche Änderungen vornehmen musste, erscheint endlich die erste Folge. Doch dann komt der große Schlag. . . und die Freiheit des Ausdrucks gerät durch Zensur in Gefahr.

Schon nach dem ersten Kapitel konnte mich Poison City in seinen Bann ziehen. Dennoch ist es kein Manga, der verschlungen werden will, sondern den man immer wieder mal kurz zur Seite legt, um die Botschaften zu verarbeiten.

Bevor wir den Zeichner Mikio Hibino kennenlernen, lesen wir erstmal ein Stück seines Mangas. Kurze Ausschnitte daraus werden immer wieder in die Geschichte eingestreut, lassen sich durch die Existenz von Kannibalen bzw. Zombies aber gut von der eigentlichen Geschichte unterscheiden. Leider ist bloß das Cover irreführen, da es eher Dark Walker und nicht der eigentlichen Geschichte entnommen ist.

Als wir dann schließlich Mikio und seinen Alltag kennenlernen, fühlte ich mich zunächst durch die Atmosphäre stark an 1984 erinnert. Denn zunächst wird uns eine aufgewühlte Gesellschaft vor Augen geführt, bevor sich die Handlung immer mehr auf Zensur als Ursache für die Unruhe konzentriert.

Und genau darum geht es in Poison City: Um Zensur in der Kunst und Altersfreigaben, die „von oben“ willkürlich vorgegeben werden – insbesondere für Mangas. Dabei verwendet Tsutsui verschiedene fiktive Beispiele, um den Weg in die nahe, dystopische Zukunft darzustellen. Dabei fühlen sich diese so passend an, dass man sich zwischenzeitlich daran erinnern muss, dass sie eben nur fiktiv sind.

Das mag daran liegen, dass Tsutsui selbst schon Erfahrungen mit den derzeitigen Zensurmaßnahmen gemacht hat. Über genauere Details klärt uns das Vorwort des ersten Bandes auf. Das könnte auch einer der Gründe sein, weshalb Poison City zuerst in Frankreich und nicht in Japan veröffentlicht wurde.

Dennoch, die Kombination aus Fiktion und realem Fall ermöglicht einen für mich neuen Einblick in die Sorgen und Probleme der Zeichner in Japan. Darüber hinaus wird man schon in der Geschichte über die Comic-Zensur im Amerika der 1950er Jahre aufgeklärt.

Während das Nachwort doch eindeutig subjektiv zugunsten Tsutsuis ausfällt, schafft die Geschichte – trotz unterschwellig vorhandener Beeinflussung des Lesers – ein umfangreicheres Bild auf das Thema: Es kommen auch Charaktere zu Wort, die Vorteile in strengerer Zensur von Fiktion sehen, ohne dass sie als ideologisch-verhärtete Sturrköpfe dargestellt werden.

Der Zeichenstil ist recht neutral und „erwachsen“ gehalten. Er ist weder hässlich noch lenkt er die Aufmerksamkeit des Lesers allzu sehr auf sich, sodass der Fokus bei der weitaus wichtigeren Bedeutung der Handlung bleibt.

Insgesamt ist der erste Band von Poison City also ein gelungener Beweis dafür, dass Mangas sich auch mit ernsten Themen beschäftigen können. Anhand von fiktiven Beispielen wird die Sorge vor noch stärkerer Zensur in Japan so anschaulich verdeutlicht, dass man sich dran erinnern muss, dass die Realität (noch) nicht so extrem ist. Da Zensur aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen aber auch außerhalb Japans ein Thema sein sollte, ist Poison City definitiv weiter zu empfehlen und verdient 5 von 5 Kreuzen.

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Gezeichnet Seitenfetzer

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3 Kommentare zu “Tetsuya Tsutsui: Poison City Band 1

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