T.R. Richmond: What She Left

20161227_094645.jpgOriginaltitel: What She Left

Autor: T.R. Richmond

Verlag: Penguin Random House

Genre: Englisch, Thriller, Krimi

Seitenzahl: 374

Erscheinungsjahr: 2015

ISBN: 978-0-718-17937-3

Klappentext:

Who is Alice Salmon? Student. Journalist. Daughter. Lover of late nights, hater of deadlines.

That girl who drowned last year.

Gone doesn’t mean forgotten. Everyone’s life leaves a trace behind. But it’s never the whole story.

Wer die Möglichkeit hat, What She Left auf Englisch zu lesen, der sollte diese Chance nutzen. Denn der Schreibstil des Debüts von T.R. Richmond ist etwas Besonderes. Ich habe noch nie so oft das Bedürfnis gehabt, Zitate aus einem einzigen Buch in die Welt zu werfen.

Also hat mich Richmonds Schreibstil schon zu Beginn in seinen Bann gezogen, was auch durch die Montagetechnik unterstützt wird. So ergeben Briefe, Tweets, Facebook-Profilinformationen, SMS, Verhörprotokolle, Musik-Playlists und E-Mails ein vielschichtiges Bild von Alices Leben und Sterben.

Damit geht auch einher, dass wir eine unglaubliche Vielfalt an Perspektiven aus Alices Umfeld und auch von ihr selbst erhalten. Insbesondere ist es jedoch ihr ehemaliger Professor Jeremy Cooke, dessen Schicksal mit ihrem Verschlungen ist, durch den wir die Ereignisse nach ihrem Tod sowie einige Züge ihres Lebens erfahren.

Die Charaktere in What She Left haben allerdings überwiegend eines gemein: Sie sind kaputt. Die meisten Männer der Geschichte haben Dinge getan, die sie eigentlich zu richtigen Arschlöchern machen, während die Frauen stark dazu tendieren, psychische Probleme zu haben. Ein wenig hat mich das durchaus an The Girl on the Train erinnert, auch wenn What She Left nicht so unbalanciert ist.

So fällt es bei jedem Charakter zumindest phasenweise schwer mit ihm zu sympathisieren – andererseits macht dieser Umstand sie alle unglaublich menschlich. Würde man unsere Lebensgeschichte lesen, wären wir wohl auch nicht durchweg liebenswert, oder?

Und obwohl es bestimmt nicht die Absicht der Geschichte war, hat Alices Schicksal mich zum Nachdenken gemacht. Schließlich begleiten wir sie durch Tagebucheinträge, Tweets und Co. auf einem langen Stück ihres kurzen Lebensweges – nämlich die letzten 12 ihrer 25 Jahre.

Ihre Entwicklung wie auch das, was die Zukunft für sie bereit gehalten hätte, haben mich viel über mein eigenes Leben nachdenken lassen. Somit ist die Geschichte auch unter einem anderen Aspekt mitreißend, insbesondere wenn man selbst kurz davor ist, das Nest zu verlassen.

Aber auch anderweitig kann What She Left fesseln. Selbst 40 Seiten vor Schluss hatte ich keine eindeutig Lösung des Rätsels, sondern nur unzählige Theorien, die mal mehr mal weniger vorstellbar gewesen wären.

Es bietet sich so viel Raum für Spekulationen, dass man am besten jemanden zum Mitdiskutieren parat haben möchte. Dass das Ende dann eine meiner Lieblings-Theorien war, hat mich sogar bezüglich der Charakterdarstellungen milder gestimmt.

Insgesamt bietet What She Left neben einem umwerfend schönen Schreibstil auch jede Menge Raum für eigene Vermutungen und kann, gerade wenn man dabei ist, ins selbstständige Leben zu finden, zum Nachdenken anregen. Einziger Makel sind die nahezu durchweg kaputten Charaktere. Daher gibt es 4 1/2 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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