Anna Breslaw: Scarlett Epstein Hates it Here

20161106_132449.jpgOriginaltitel: Scarlett Epstein Hates it Here

Autor: Anna Breslaw

Verlag: Razorbill

Genre: Englisch, Jugendbuch, Romantik

Seitenzahl: 280

ISBN: 978-1-59514-835-3

Klappentext:

Meet Scarlett Epstein, BNF (Big Name Fan) in her online community of fanfiction writers, world-class nobody at Melville High. Her best (read: only) IRL friends are Avery, a painfully shy and annoyingly attractive book-worm and Ruth, her weed-smoking seventy-three-year-old neigbor.

When Scarlett’s beloved TV show is canceled and her longtime crush, Gideon, is sucked out of her orbit and into the dark and distant world of Populars, Scarlett turns to the fanfic message boards for comfort. This time, though, her subjects aren’t the swoon-worthy stars of her fave series – they’re the real-life kids from her high school. And if they ever find out what Scarlett truly thinks about them, she’ll be trhust into a situation far more dramatic than anything she’s ever seen on TV …

Wir begegnen also Scarlett Epstein, die ihrem langweiligen Außenseiter-Dasein durch Fanfiktions auf Tumblr entkommt, nun aber auch Geschichten über ihre Mitschüler schreibt. Und da meine Wenigkeit sich auch schon auf einschlägigen Fanfiktion-Seiten getummelt hat, musste ich bei diesem Ausgangs-Szenario doch einen genaueren Blick riskieren.

Gerade zu Beginn der Geschichte schlägt sich die Fan-Kultur ungemein nieder. Scarletts Chat-Unterhaltungen mit ihren Fanfiktion-Freunden beinhalten nämlich einiges, was man aus der Szene kennt: OTPs, Slash-Fans, etc. Außerdem erhält man den Eindruck, als habe Breslaw durchaus Ahnung davon, wie Internet-Freundschaften funktionieren können.

Außerdem ist Breslaws Schreibstil passenderweise durchweg von popkulturellen Anspielungen und Vergleichen durchzogen. Diese sind mal namentlich eindeutig (z.B. Gatsby und Fitzgerald), mal nur den Kennern der Vorlage vorbehalten. Wenn ein Vergleich mit einer blutüberströmten Prom-Queen mal keine Anspielung auf Carrie ist, was dann?

Leider verliert sich gerade der Aspekt der Fanfiktion-Szene im Laufe der Geschichte immer mehr. Zwar haben die Big Name Fans noch die Erlaubnis, ihre Meinung zu Scarletts neuer Geschichte zu schreiben, treten ansonsten aber zusehends in den Hintergrund. Auszüge von Scarletts Geschichte sind dabei zwischen der „Reallife“-Handlung abgedruckt, allerdings wird an anderen Stellen lediglich erwähnt, dass Scarlett Ereignis XY ihres Lebens entsprechend in die Geschichte gepackt hat.

Doch kommen wir zum ersten Problem, dass ich mit Scarlett Epstein Hates it Here habe. Nämlich Scarletts Umgang mit dem Internet. Nicht nur, dass sie scheinbar mit Leichtigkeit zu einer Ikone ihres Fandoms geworden ist, sondern insbesondere ihre Naivität machen das Szenario doch unrealistisch.

Ihr Username Scarface Epstein sowie der Umstand, dass sie die Namen der realen Personen in ihrer Geschichte teils nichtmal abändert, schreien doch gerade zu danach, dass ihr Geheimnis auffliegt. Ich glaube kaum, dass jemand, dem seine Schreiberei so peinlich ist und sie partout geheimhalten will, sich so wenig Mühe macht, die eigene Identität zu verschleiern.

Aber der Plot brauchte es offensichtlich so. Zumindest schafft es die Geschichte, ist die Bombe erstmal geplatzt, die eigentlichen Highschool-Stereotypen aufzumischen, sodass z.B. das IT-Girl auch mal ein paar Sympathiepünktchen ernten darf. Dabei demaskiert Breslaw nicht nur die vermeintlich Bösen, sondern auch die vermeintlichen Opfer.

Schade ist dabei, dass sie so und durch Scarletts darauffolgendes Verhalten unterschwellig durchaus impliziert, dass die soziale Struktur die Schuld des Außenseiters ist, weil er bzw. sie sich ja nicht genug um Anpassung bemüht.

Die Lösung von Scarletts Problemen kommt dann auch verhältnismäßig einfach daher, wenn man bedenkt wie intensiv darauf zugearbeitet wurde. Zumindest ist das letzte Kapitel bescheuert genug, dass man nicht vor Friede, Freude, Eierkuchen das kotzen kriegen muss.

Insgesamt vergebe ich 3 von 5 Kreuzen an Scarlett Epstein Hates it Here. Gerade zu Beginn hält die Geschichte, was sie im Klappentext verspricht, lässt ihr besonderes Attribut, nämlich die Fanfiktion-Szene, im Verlauf der Handlung aber leider zunehmend unter den Tisch fallen und vermittelt eine eher fragwürdige Antwort, warum sich bestimmte soziale Strukturen unter Teenagern bilden.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Advertisements

4 Kommentare zu “Anna Breslaw: Scarlett Epstein Hates it Here

  1. Huhu,

    irgendwie bin ich jetzt gerade aufgrund deiner Kritik neugierig. Obwohl ich mich mit Fanfiction nicht auskenne, interessiert mich der Ansatz, aus dem RL Fanfiction zu machen. Mal sehen. Vielleicht versuche ich es mal mit diesem Buch. 🙂
    Vielen Dank für deine Rezension!

    Viele liebe Grüße,
    Elli

    • Vielen Dank für deinen Kommentar. 🙂
      Die Übertragung der Realität in eine Fanfiktion findet tatsächlich anders statt, als ich es vor dem Lesen erwartet hätte. Macht allerdings trotzdem Spaß.

  2. Huhu Seitenfetzer,

    entschuldige den Off-Topic Kommentar 😉 Hier ist die neue Kommentarchallenge Service Erinnerung. Wenn du deine Kommentare noch für den November eintragen magst, nicht vergessen^^

    Liebe Grüße
    Tina

Meinung schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s