Fetzen #004: 8 Gründe, warum Fantastic Beasts besser ist als Cursed Child

Salvete, homines!

Erinnert ihr euch noch daran, dass ich von Harry Potter and the Cursed Child nicht gerade begeistert war? Dementsprechend habe ich im Bezug auf Fantastic Beasts schon das Schlimmste erwartet – gerade weil auch schon vier weitere Teile angekündigt wurden. Doch tatsächlich waren diese Sorgen unbegründet.


1. Tierwesen vs. Zeitreisen

Mal ganz ehrlich: Hätte man vor 10 Jahren gesagt, dass wir doch noch wieder in die Zaubererwelt abtauchen können, wir uns aber zwischen einer Geschichte mit a) vielen Tierwesen der magischen Welt oder b) Zeitreisen & Multiversen hätten entscheiden müssen, worauf wäre wohl die Wahl von uns Potterheads gefallen?

Klingt der Tierwesen-Plot allein nicht schon mehr nach der Zaubererwelt, die wir kennen?


2. Ein Hufflepuff als Held

Für mich persönlich ist dieses Argument weniger bedeutsam, habe ich mich mit meinem Schicksal als Slytherin auf Pottermore mittlerweile abgefunden.

Dennoch freue ich mich für all die Hufflepuffs und Freunde des Hauses, dass ihm endlich etwas mehr Beachtung geschenkt wird. Während Cursed Child sich im Grunde nur auf Gryffindor und Slytherin konzentriert hat, hat Fantastic Beasts einfach einen Hufflepuff zum Helden erklärt.

Und auch wenn die Geschichte (bislang) nicht in Hogwarts gespielt hat, so merkt man nicht nur am Hausschal, an welchem Tisch Newt Scamander saß. Es gibt immer wieder kleine und große Momente, in denen man sich denkt: „Kein Wunder, dass er in Hufflepuff war.“


3. Die richtige Menge an Anspielungen

Ein Spin-Off mag natürlich dazu verführen, einige Anspielungen auf die originale Geschichte zu machen. Schließlich ist es eine gute Möglichkeit, die alteingesessenen Fans glücklicher zu machen. Allerdings gilt hier Maß statt Masse.

Cursed Child nimmt bereits in der Ausgangssituation das Original wieder auf. Gut, es will ja auch eine Fortsetzung dessen sein. Allerdings nutzt es seinen Plot, um Ereignisse und Personen aus der ursprünglichen Geschichte einzubinden.

Ganz nach dem Motto: „Hey, habt ihr Charakter/Situation XY vermisst? Hier könnt ihr sie einfach nochmal haben. Jetzt müsst ihr ja glücklich sein.“ Nein. Wenn ich eigentlich tote Charaktere vermisse, dann lese ich eben die Bücher nochmal, in denen sie lebendig waren. Aber dann will ich doch nicht, dass sie unter irgendeinem Vorwand doch noch wieder auftauchen.

Fantastic Beasts hingegen enthält ein paar natürlich wirkende Anspielungen. Dadurch, dass Scamander Brite ist, werden ein paar Namen und Hogwarts zwangsläufig gelegentlich in Gesprächen aufgegriffen. Aber sie werden eben nicht künstlich in die Geschichte gepresst.


4. Der Kern der Geschichte zählt

Wie Austin McConnell in seinem Video zu Cursed Child dargelegt hat, ist das besondere an der Harry Potter-Reihe, dass die Bücher jeweils auch ohne die Magie noch einen Plot haben. Er verdeutlicht es, indem er die Konflikte etwa so auf den Punkt bringt: Wer will den geheimen Schatz stehlen? Wer versucht die Kinder im Internat umzubringen?

Cursed Child hingegen braucht schon den Zeitumkehrer, um seinen Plot überhaupt entwickeln zu können. Aber wie sieht es mit Fantastic Beasts aus? Ohne Magie hätten wir folgende Handlung: Ein Reisender verliert sein Gepäck in einem fremden Land und wird für Morde verantwortlich gemacht, die er nicht begangen hat. Wer ist der wahre Mörder?

Theoretisch hätte man aus Scamander auch problemlos einen Chemikanten oder sonstigen Forscher machen können und der Plot würde noch immer in seinen Grundzügen funktionieren.


5. Widersprüche zur originalen Geschichte

Der letzte Band von Harry Potter mag dem Plot-Twist von Cursed Child vielleicht nicht explizit widersprechen, allerdings ist es doch recht unwahrscheinlich, dass eine derartige Entwicklung möglich gewesen wäre.

Dieses Problem des Widerspruchs hat Fantastic Beasts nicht. Gewiss, die zeitliche und räumliche Distanz machen es einfacher, Logik-Fettnäpfchen zu umgehen, aber das ändert nichts daran, dass sich Fantastic Beasts in das bisherige Bild der Zaubererwelt problemlos einfügen kann.

Wir wissen, dass Newt Scamander ein Buch über Tierwesen veröffentlicht, das in Hogwarts später als Lehrbuch dienen sollte. Da ist es nicht überraschend, dass Scamander ein weltreisender Tierliebhaber ist.

Fantastic Beasts braucht, anders als Cursed Child, keine willkürliche Top-Secret-Hintergrundhandlung, die selbst in den originalen Büchern verborgen war.


7. Beschränkung vs. Erweiterung

Dass Cursed Child sich an die originale Geschichte klammert und den Fokus sogar noch mehr auf den Gryffindor-Slytherin-Konflikt beschränkt, haben wir bereits behandelt. Was aber macht Fantastic Beasts?

Hier wurde die Gelegenheit genutzt und die Zaubererwelt um so Vieles erweitert. Nicht nur, dass unser Protagonist ein Hufflepuff ist, Fantastic Beasts ergänzt die Zaubererwelt um einige weitere Elemente: die Tierwesen selbst, eine deutlich andere Zeit, eine andere Zaubererkultur.

Insbesondere Letzteres ist eine wunderbare Abwechlsung, waren die originalen Bände (höchstens mit Ausnahme des Feuerkelchs) doch sehr auf Großbritannien beschränkt. Nun erfahren wir, dass die Regeln und Konventionen der Zauberer anderer Länder sich enorm von denen der Briten unterscheiden. Jetzt können wir also noch mehr spekulieren, wie sich die deutsche Zauberergesellschaft wohl verhält.


8. (K)ein neuer Harry Potter

Der Titel – ein so simples, in diesem Fall jedoch ausschlaggebendes Kriterium. Harry Potter and the Cursed Child erhebt allein durch den Namen den Anspruch, ein würdiger Nachfolger der sieben originalen Bücher zu sein. Und mit diesem Anspruch sind natürlich auch Qualitäten und Erwartungen verknüpft, die Cursed Child nur bedingt erfüllt.

Fantastic Beasts hingegen hat nunmal kein Harry Potter im Titel und will auch nicht die soundsovielte Geschichte sein. Dass es in J.K. Rowlings Zaubererwelt spielt, dürfte durch den Titel durchaus klar werden. Allerdings wird so auch deutlich, dass es eben nicht um Hogwarts, den Auserwählten und Voldemort geht. Und das ist gut so, denn Fantastic Beasts ist etwas Neues und kann nicht in die Reihe der der originalen Bücher bzw. Filme gestellt werden.


Fantastic Beasts ganz ohne Makel?

Nachdem ich den Film so gelobt habe, möchte ich anmerken, dass auch er seine Macken hat. Man muss kein Experte sein, um zu sehen, dass die Effekte an manchen Stellen wirklich hässlich sind. Und wer kam bitteschön auf die Idee, Zaubersprüche wie elektrische Blitze aussehen zu lassen?

Dennoch bietet Fantastic Beasts, insbesondere für Harry Potter-Fans, eine wirklich neue Geschichte aus der Zaubererwelt, die im Gegensatz zu Cursed Child nicht wehtut. Es ist mindestens eine gute Besänftigung für die von Cursed Child Enttäuschten, wenn nicht sogar mehr.

Habt ihr Harry Potter and the Cursed Child gelesen oder Fantastic Beasts schon gesehen?

Wie ist eure Meinung dazu?

Gezeichnet Seitenfetzer

 

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2 Kommentare zu “Fetzen #004: 8 Gründe, warum Fantastic Beasts besser ist als Cursed Child

  1. Ich habe bisher um „The Cursed Child“ einen großen Bogen gemacht und habe keine Ahnung, worum es darin genau geht. Da ich schon den Epilog des letzten Bandes nicht mochte, habe ich so den unangenehmen Verdacht, dass das Buch nichts für mich wäre. Vermutlich werde ich es früher oder später doch mal lesen bzw. anschauen, aber ich erwarte mal lieber nicht zu viel.

    „Fantastic Beasts“ habe ich sehr nett gefunden. Newt und Jacob sind ein tolles Gespann! Ich bin mir ja sicher, ein Hufflepuff zu sein, auch wenn mich der Sorting Hat bei Pottermore hartnäckig nach Ravenclaw steckt, insofern finde ich es sehr schön, endlich mal eine Hauptfigur aus Hufflepuff zu haben (vor allem auch, weil das Haus meiner Meinung nach sonst immer viel zu sehr untergeht).
    Der Plot … nun ja, den fand ich etwas konfus, aber das Rundherum hat gepasst und ich freue mich auf jeden Fall auf die weiteren Teile!

    • Ja, dass der Hut einen etwas merkwürdig einsortiert, das kenne ich. Mittlerweile arrangiere ich mich allerdings mit meinem Schicksal als Slytherin… Wenn dir der Plot von Fantastic Beasts schon konfus vorkam, dann wird dich der von Cursed Child definitiv irritieren. Verglichen damit ist Fantastic Beasts nämlich klar srukturiert.
      Danke für den Kommentar. 🙂

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