Antoine de Saint-Exupéry: Der Kleine Prinz

20160723_151940.jpgOriginaltitel: Le Petit Prince

Autor: Antoine de Saint-Exupéry

Verlag: Karl Rauch Verlag

Genre: Kinderbuch, Klassiker

Seitenzahl: 93

Erscheinungsjahr (Original): 1943

ISBN: 3 7920 0002 4

Der Kleine Prinz ist eine vielerwähnte und vielzitierte Geschichte, deren Cover zumindest jeder schon mal gesehen haben dürfte.

Ein Ich-Erzähler strandet mit seinem Flugzeug in der Sahara. Mit nichts als Trinkwasser für acht Tage und seiner Maschine in der Einsamkeit wird er plötzlich vom Kleinen Prinzen angesprochen. Nach und nach kommt er hinter die Geschichte dieses kleinen Wesens, die dem Streben der Menschen einen Spiegel vorhält.

Bei Der Kleine Prinz handelt es sich um ein Buch, bei dem die Zeichnungen des Autors keine schöne Zugabe, sondern Pflicht für jede Ausgabe sein sollten, sind sie doch maßgeblich für die Geschichte. Dabei schafft Saint-Exupérys Zeichenstil es, den Leser emotional ins Vorlesealter zurückzuversetzen.

Und genau ist auch das Ziel des Buches. Es stößt den Leser immer wieder mit der Nase auf sein inneres Kind. Sei es durch Formulierungen wie „die großen Leute“ oder das Brechen jeglicher Erwachsenenlogik durch den direkten Beginn der Geschichte.

Jedoch darf man beim Lesen keineswegs infantil werden, bedient sich Der Kleine Prinz doch nicht zu knapp an Metaphern. So laufen alle Abenteuer des Kleinen Prinzen auf eine Aussage auf der Metaebene hinaus. Deswegen ist die Geschichte weniger für wirkliche Kinder gedacht als für die „großen Leute“.

Doch in eben jener Botschaft liegt mein Problem. Versucht an nicht gerade krampfhaft, etwas Anderes aus der Geschichte herauszudeuten, lässt sich die Aussage von Der Kleine Prinz wohl so zusammenfassen: Reichtum und Macht zählen wenig im Leben. Wichtiger sind stattdessen die eigenen Liebsten, deren Wert für andere nicht einmal zwingend erkennbar ist.

Und so sehr ich den Wert eines Menschen über jeden materiellen Besitz stellen würde, so kann ich die Reduzierung des Lebens allein auf das, was das Herz glücklich macht, einfach nicht für mich hinnehmen. Das mag an meinem Lebensabschnitt oder auch an meiner Generation liegen, aber ich möchte auf einen gewissen Ehrgeiz nicht verzichten. Ich will mich in die Welt der „großen Leute“ stürzen und etwas erreichen.

Möglicherweise bin ich zu alt für die Botschaft des Kleinen Prinzen. Viel wahrscheinlicher bin ich aber noch zu jung, um mich so auf das Glück in Beziehungen und den kleinen Dingen der Welt fokussieren zu können, wie es die Geschichte von mir verlangt. Und deswegen hat sie mich längst nicht so gerührt wie manch andere Menschen.

Insgesamt ist Der Kleine Prinz also eine Geschichte, die vor allem das innere Kind in Erwachsenen ansprechen will. Über die Illustrationen und Metaphern wird hier eine Lobeshymne an die Liebe zwischen den Menschen sowie die kleinen Freuden des Herzens aufgespannt, die mich allerdings (noch) nicht so erreichen konnte wie erhofft. Daher vergeb ich 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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4 Kommentare zu “Antoine de Saint-Exupéry: Der Kleine Prinz

  1. Ich denke man sollte das Buch nicht ganz so eng sehen aber den Grundtenor mitnehmen. „Das Wichtige ist für das Auge unsichtbar“ kann man auf ganz viele Dinge anwenden. Ich weiß jetzt nicht, wie alt Du bist und hab auch auf dem Blog keinen Hinweis darauf gefunden. Aber ich glaube tatsächlich, dass man nicht mehr so ganz jung sein darf um das Buch zu verstehen.

    Die Wertigkeiten verschieben sich, auch wenn ich das vor wenigen Jahren selbst nicht hätte glauben wollen.

    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende
    LG Babsi

    • Hey,
      ich bin aktuell 18. Vielleicht werde ich es in so 10-20 Jahren nochmal lesen und die Dinge dann schon etwas anders sehen.

      Auf jeden Fall Danke für diesen lieben Kommentar. 🙂
      Liebe Grüße,
      Seitenfetzer

  2. Hallo Seitenfetzer,

    ich finde, dass eine Pauschalbeurteilung a la „nur Beziehungen machen glücklich“ so nicht stimmig ist, auch wenn Beziehungen für die meisten einen sehr wichtigen „Glücksfaktor“ darstellen. Aber ich denke, jedeR muss ganz individuell schauen, was für ihn/sie ausgewogen ist, wie viel Zeit und Energie man für Partnerschaft, Freundschaften, Familie investiert und wie viel für andere Lebensbereiche. Das ändert sich auch im Laufe des Lebens, aber ich finde es völlig in Ordnung, dass Du für Dich auch Karrierepläne hast. Es gibt inzwischen zahlreiche Studien dazu, was Menschen glücklich macht. Eines der wichtigsten Faktoren ist der, dass Menschen etwas erstreben, was „über sie hinaus“ geht, also keine rein egoistischen Ziele sind. Ob das beispielsweise Kinder sind oder dass man beruflich dazu beitragen möchte, etwas weiterzubringen, das ist sehr von jedem Einzelnen abhängig, von Kompetenzen, Fähigkeiten, aber auch persönlichen Ressourcen. Wichtig ist, genau das für sich herauszufinden: Was will ich, was ist mir wichtig?

    Liebe Grüße
    Andrea

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