J.K. Rowling: Harry Potter and the Cursed Child

20160905_163326.jpgOriginaltitel: Harry Potter and the Cursed Child

Autoren: J.K. Rowling, John Tiffany & Jack Thorne

Verlag: Little, Brown Book Group

Genre: Englisch, Fantasy, Jugendbuch

Seitenzahl: 343 (inklusive Nachwort)

Erscheinungsjahr: 2016

ISBN: 978-0-7515-6535-5

Da ist sie, die Geschichte, die eigentlich doch gar nicht hätte kommen sollen und doch noch das Licht der Welt erblickte. Der Klappentext besagt lediglich Folgendes:

The Eighth Story.

Nineteen years later.

Vorab sei gesagt: Um sich die Freude am restlichen Harry Potter-Universum nicht zu verderben und die Handlung voll und ganz zu verstehen, sollte man vor dem Lesen von Harry Potter and the Cursed Child die originale Reihe kennen.

Denn Cursed Child knüpft an den Epilog des letzten Harry Potter Bandes an. Im Fokus der Geschichte steht nämlich Harrys zweiter Sohn, Albus Severus, sowie Scorpius Malfoy. Wessen Sohn Letzterer ist, braucht wohl nicht erwähnt zu werden. Allerdings gestaltet sich das Verähltnis zwischen Albus und Harry schwierig, was dazu führt, dass Albus sich in ein waghalsiges Abenteuer stürzt.

Natürlich muss sich Harry Potter and the Cursed Child unglaublich hohen Erwartungen stellen, ist es für Fans einerseits die unverhoffte Fortsetzung, andererseits vielleicht das tatsächlich letzte Harry Potter Buch.

Diese Erwartungen können der Freude beim Lesen zum Verhängnis werden. Denn es handelt sich eben bloß um ein Theaterskript, bei dem die Szenenbeschreibung zudem vergleichsweise knapp ausfällt. Außerdem spielt die Geschichte nur zu einem so geringen Teil im „heutigen“ Hogwarts, dass man nicht allzu viel über den aktuellen Schulalltag erfährt. Cursed Child hat nämlich Zeitreisen und alternative Realitäten als zentrales Thema.

Und da sind wir auch schon an dem großen Kritikpunkt, der auch von anderen angesprochen wird. Wer sich ein wenig in der Harry Potter Fanfiktion Szene auskennt, weiß um all die Geschichten mit alternativen Realitäten des eigentlichen Kanons, deren Zweck es in der Regel ist, geliebte Charaktere wieder zum Leben zu erwecken.

Ob man sich davon hat inspirieren lassen hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Fakt ist, dass Cursed Child in eine verblüffend ähnliche Richtung tendiert. Zwar liefert The Cursed Child zumindest eine bessere Erklärung für diese als „Ich bin Autor, ich will das so“, aber auch sie nutzt diese altbekannte Methode, um Charaktere wieder auftauchen zu lassen.

Dennoch ist dieses Spiel mit den alternativen Realitäten nicht von grundauf schlecht. Gerade weil es nicht aus irgendeiner Feder stammt und die neuen Realitäten stimmig wirken, zeigen sie die Bedeutung bestimmter Ereignisse im Original-Plot auf.

Auch ist es schön, unsere Helden nach „so langer“ Zeit noch wieder treffen zu können. Zwar muss man hierbei auf Luna, Neville, einige der Weasleys oder sonstige Sympathieträger verzichten, begegnet dafür aber überraschenderweise Anderen. Außerdem sind in den Dialogen Anlehnungen an Rowlings Stil wiederzufinden, wenn man die Augen offen hält: Es finden sich sowohl ihr Humor als auch Passagen, die das Zeug zu Kult-Zitaten ähnlich wie „Until the very end“ haben.

Aber ich bin noch nicht fertig. Abgesehen davon, dass Harry und Albus Severus mir mit ihrem Gehabe oftmals tierisch auf die Nerven gingen und ausgerechnet Scorpius den Preis des sympathischten Charakter gewinnt, gibt es noch eine Sache, die mir die Geschichte wirklich verdorben hat: Der „Plot-Twist“.

Sei es, weil ich fanfiktion-vorgeschädigt bin, sei es weil die Hinweise wirklich sehr offensichtlich sind, aber im zweiten Akt habe ich eben jenen „Plot-Twist“ schon ziemlich genau erraten (und meine Vermutungen aus Sorge, zu richtig zu liegen, auf Goodreads sogar extra weniger konkret formuliert um niemanden versehentlich zu spoilern).

Allerdings hatte ich die Hoffnung, dass Rowling diesen „Plot-Twist“ irgendwie als Resultat einer alternativen Realität, das es in die Kanon-Realität geschafft hat, abtun lässt. Und in dem Punkt sollte ich bitter enttäuscht werden. Dieser „Plot-Twist“ ist tatsächlich zum offiziellen Teil des Kanons geworden und legitimiert damit nicht nur unzählige Mary Sue Stories, sondern widerspricht auch unserer Sicht auf einen bestimmten Charakters.*

Insgesamt ist Harry Potter and the Cursed Child also eigentlich eine hübsche Möglichkeit, das „Heimweh“ nach Hogwarts zu stillen, wenn man nicht mit zu hohen Erwartungen an die Geschichte herantritt, wenn da nicht nebst anderen, verzeihbaren Schwächen diese eine, alles zerstörende Wendung wäre. Daher gibt es 2 1/2 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

*Spoilerwarnung (folgenden weißen Text zum Lesen makieren): Bei Bellatrix wäre es ja sogar denkbar, dass sie Sex mit Voldemort haben würde. Umgekehrt würde dieser, wenn er überhaupt Zeit und Lust auf Sex gehabt hätte, doch wirklich alles tun, um nicht Vater zu werden. Voldemort strebte seine eigene Unsterblichkeit an, was einen möglichen Erben völlig überflüssig macht. Mehr noch, er müsste eine Vaterschaft fürchten, könnte ihm dieses Kind doch zum Konkurrenten für die Position des mächtigsten, alles beherrschenden Zauberers werden.

 

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8 Kommentare zu „J.K. Rowling: Harry Potter and the Cursed Child

  1. UIuiui nachdem ich deine Rezension gelesen habe, habe ich noch weniger Lust mir das Büchlein zu holen. :/ Ich mag es nicht, wenn nach xy Jahren Fortsetzungen geschrieben werden. Ich war mit dem Ende aus dem 7. Teil sehr zufrieden. So viele haben sich aufgeregt, ich fand es total stimmig. Fanfictions mag ich überhaupt nicht und lese sie auch nicht und alternative Realitäten? Ach du heiliger Bimbam… Sowas brauch ich nicht. Sowas bringe ich nicht mit HP in Verbindung.

    Ich weiß nicht, ob ich an dem Buch vorbeikomme. Ich bin ja schon neugierig, aber etwas in mir sträubt sich auch.

    Die neuen Kurzgeschichten, die es als Ebooks gibt, die find ich gut. 🙂

    Liebe Grüße
    Kathy

    1. Das Ende des siebten Bandes fand ich auch passend – und vor allem passender als das Ende von Cursed Child.

      Deine Neugierde kann ich nachvollziehen, es ist ja einerseits schon schön, wieder (mehr oder weniger) nach Hogwarts zurückkehren zu können – nur sollte man die Erwartungen herunterschrauben. Vielleicht bietet sich dir die Möglichkeit, dir das Buch von jemandem zu leihen? Dann könntest du nach dem Lesen noch entscheiden, ob es für dich in ein vollständiges HP-Regal gehört oder nicht.

  2. Ich hab das Buch schon hier liegen, werde aber noch einige Zeit brauchen, bis ich mich ihm widmen kann. Mein Mann hat es nach wenigen Seiten zur Seite gelegt ……. oh oh … ich bin gespannt.

    LG Babsi

    1. Was hat ihn denn am meisten gestört? Der Skript-Stil oder das Verhalten so mancher Charaktere?
      Wünsche dir, wenn du es dann liest, trotzdem möglichst viel Freude damit.

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