Lisa Genova: Still Alice

20160901_173432.jpgOriginaltitel: Still Alice

Autor: Lisa Genova

Verlag: Simon & Schuster

Genre: Drama, Englisch

Seitenzahl: 373 (inklusive Anhang)

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 2007

ISBN: 978-1-4711-4082-2

Hätte man es mir nicht ausgeliehen, hätte ich wohl weniger zu Still Alice gegriffen. Alzheimer ist mir bislang glücklicherweise noch nicht begegnet und auch der folgende Klappentext, hätte mich wohl nicht ausreichend gefesselt:

‚I can’t stand the thought of looking at you someday, this face I love, and not knowing who you are.‘

Alice is just fifty when she finds herself in a downward spiral, increasingly disoriented and forgetful. A university professor, wife and mother of three, she has books to write, places to see, grandchildren to meet. But now a tragic diagnosis of early-onset Alzheimer’s disease is set to change her life – and her relationship with her family and the world – forever.

Losing her yesterdays, living for each day, her short-term memory is hanging by a frayed thread. But she is still Alice.

Lisa Genova hat sich also dazu entschlossen, nicht einfach ein Buch über Alzheimer zu schreiben, sondern über die früh ausbrechende Form bei einer fiktiven Harvard-Professorin aus deren Sicht zu erzählen. Dieses ganz bewusst gewählte Szenario macht den Reiz der Geschichte aus.

Einerseits haben wir also die Innensicht eines Alzheimer-Patienten, was durchaus gewagt ist, ist doch gerade der letzte Abschnitt der Krankheit schwer nachzuempfinden. Vermutlich hat sich Genova deswegen wohl eher auf das frühe bis mittelschwere Stadium konzentriert. In diesen schafft sie es, den Leser an Alices Verzweiflung und Panik teilhaben zu lassen.

Andererseits ist da Alices Beruf als Professorin für Psychologie an der Harvard-Universität. Klar, durch die Berufswahl sollte ein möglichst starker Kontrast zum Klischeebild des Alzheimer-Patienten geschaffen und verdeutlich werden, dass die Krankheit jeden treffen könnte.

Allerdings schränkt Genova den „Wachrüttel“-Effekt, den sie durchaus anzustreben scheint, widerrum ein. Gerade auf internationaler Ebene dürfte nur ein geringer Prozentsatz sich persönlich mit einer derart hohen Position identifizieren können, wodurch der Gedanke einer eigenen Erkrankung leichter wegzuschieben ist.

Dabei bietet Still Alice eine gute Mischung aus emotionalen Vorgängen sowie den groben Biochemischen Fakten, sodass man neben einer größeren Empathie für die Patienten auch über die Entstehung der Krankheit lernen kann.

Schwieriger hingegen sind die Charaktere zu beurteilen. Obwohl Alice und ihre Familie allesamt mehr oder weniger zur Bildungselite gehören, haben sie doch unterschiedliche Lebenskonzepte und Meinungen, die sie auch deutlich vertreten. Allerdings hinterlässt insbesondere ihr Sohn Tom im Vergleich zu seinen Schwestern kaum einen Eindruck.

Störender ist zudem das Verhalten von Alice und John. In ihrer Beziehung kriselt es bereits vor der Diagnose, allerdings legen beide – ob im Umgang miteinander oder auch allein – für mich teils absolut nicht nachvollziehbare Verhaltensweisen an den Tag. Möglicherweise liegt es daran, dass ich weniger rational (bzw. egoistisch) veranlagt bin. Aber so hat sich die Distanz zwischen der Geschichte und mir wieder vergrößert.

Insgesamt wurde in Still Alice also eine Situation konstruiert, die Alzheimer als Thematik möglichst interessant, gleichzeitig aber auch informativ aufbereiten kann und den Leser durch die Perspektive die Tragik einer derartigen Diagnose miterleben lässt.  Dennoch sorgt die spezielle Lebenssituation von Alice sowie das teils schwer nachvollziehbare Verhalten der Figuren für eine gewisse Distanz. Daher gibt es 3 1/2 von 5 Kreuzen.

† † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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