Anthony Doerr: All the Light We Cannot See

20160723_151841.jpgOriginaltitel: All the Light We Cannot See

Autor: Anthony Doerr

Verlag: 4th Estate

Genre: Englisch, Historisch

Seitenzahl: 531

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 2014

ISBN: 978-0-00-754869-9

Auf All the Light We Cannot See bin ich erstmals über Booktube aufmerksam geworden, wobei ich bei dem Titel damals kein derartiges Setting erwartet hätte. Der Klappentext hingegen verrät bereits Folgendes:

‚Open your eyes and see what you can with them before they close forever.‘

For Marie-Laure, blind since the age of six, the world is full of mazes. The miniature of a Paris neighbourhood, made by her father to teach her the way home. The microscopic layers within the invaluable diamond that her father guards in the Museum of Natural History. The walled city by the sea, where father and daughter take refuge when the Nazis invade Paris. And a future which draws her ever closer to Werner, a German orphan, destined to labour in the mines until a broken radio fills his life with possibility and brings him to the notice of the Hitler Youth.

In this magnificent, deeply moving novel, the stories of Marie-Laure and Werner illuminate the ways, against all odds, people try to be good to one another.

Wir verfolgen also die Lebensgeschichten von Marie-Laure und Werner bis zur Befreiung Frankreichs, wobei die Handlung zwischen den Zeiten springt, bis der eine chronologische Erzählstrang den anderen im Jahr 1944 verweilenden einholt.

Die kurz gehaltenen Kapitel lassen die Länge des Buches weniger einschüchternd wirken. Dazu trägt auch Doerrs Schreibstil bei. Obwohl gerade die Perspektive der blinden Marie-Laure für den Autor den Reiz besonders ausführlicher Beschreibungen birgt, flechtet er sie unaufdringlich und nicht zu langatmig ein. Außerdem versteht sich Doerr darauf, viel Inhalt auf wenigen Worten zu transportieren.

Neben Marie-Laures Blindheit machen auch die verschiedenen Perspektiven den Reiz der Geschichte aus. Hauptsächlich verfolgt man Marie-Laures und Werners Werdegang, womit der Zweite Weltkrieg bereits von zwei Seiten gezeigt wird.

Aber auch weiteren Charakteren ist das ein oder andere Kapitel gewidmet, sodass ein vielschichtiges Bild des historischen Kontextes entsteht. Bei diesem sind die Deutschen nicht ausschließlich die Täter und alle anderen nicht nur die Opfer.

Zudem zeugt die Geschichte von ausführlichen Recherchen – sei es durch Schulpforta, dem Fort National oder auch so manche deutsche oder französische Phrase in dem englischen Text.

Marie-Laure als Protagonistin ist leicht ins Herz zu schließen, weil sie sich angenehm normal verhält. Weder ist sie zu stark (und reitet womöglich noch darauf herum), noch ist sie abhängig und auf ihre Behinderung fixiert. Sie hat ihre Höhen und Tiefen, wie sie in der Situation völlig legitim sind, bemitleidet sich aber nicht. Außerdem hat sie eine Vorliebe für Jules Verne und das Meer, wodurch so manches Zitat seinen Weg in die Geschichte findet.

Bei dem Klappentext könnte man nun eine Liebesgeschichte befürchten. Jedoch kann ich da Entwarnung geben: Es dauert mehrere hundert Seiten, bis sie sich überhaupt treffen, und obwohl ihre Schicksale miteinander verwebt, gibt es einen der besten und gleichzeitig grausamsten Plot-Twists, der mir je untergekommen ist.

Mein einziger wirklicher Kritikpunkt an All the Light We Cannot See liegt im Ende. Denn obwohl gerade die Beschreibung der Taten der Roten Armee die Einheit von Tätern und Opfern in jeder Nation verdeutlicht, wirkt der Teil nach der Haupthandlung vergleichsweise zäh.

So springt die Geschichte noch in die Jahre 1974 und 2014, um das weitere Leben einiger Nebencharaktere zu beleuchten. Und das erinnert stark an einem Aufsatz, in dem man noch ein neues Unterthema einbringen wollte, es zeitlich aber nicht mehr richtig umsetzen konnte.

Insgesamt handelt es sich bei All the Light We Cannot See um eine bezüglich der Nationen objektive und authentische Geschichte über den Zweiten Weltkrieg mit einer angenehmen Protagonistin und einem beeindruckenden Plot-Twist. Einzig das Ende ist im Vergleich zum zuvor direkten Stil zu zäh, wofür es 4 1/2 von 5 Kreuzen gibt.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu “Anthony Doerr: All the Light We Cannot See

  1. Eine sehr schön Rezension. Das Buch liegt auch gerade auf meinem SuB (allerdings auf deutsch) und ich hoffe sehr, dass ich es diesen Monat schaffe. Bin schon so gespannt und nach deiner Rezension freue ich mich noch mehr.
    Liebe Grüße.

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