Dagmar Trodler: Die Waldgräfin

20160724_114408.jpgOriginaltitel: Die Waldgräfin

Autor: Dagmar Trodler

Verlag: Blanvalet

Genre: Historisch

Seitenzahl: 588 (+Anhang)

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 2001

ISBN: 3-442-35616-4

Dieses Mal hat es mich ins elfte Jahrhundert verschlagen. Ehrlich gesagt, ist das weniger „meine“ Zeit und auch der folgende Klappentext hätte mich alleine wohl nicht für Die Waldgräfin gewinnen können:

Die Chronisten schreiben das Jahr 1066. Alienor, die eigenwillige Tochter des Freigrafen zu Sassenberg in der Eifel, hadert mit ihrem Schicksal als Burgherrin. Eines Tages findet sie sich unversehens am Sterbelager eines versklavten Edelmannes wieder, dessen Leben nun allein in ihrer Hand liegt. Da ergreift sie die Chance, nicht nur ihn, sondern auch sich selbst der Abhängigkeit zu befreien …

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Wider Erwartens konnte mich die Geschichte doch fesseln. Ich hatte ehrlich gesagt die Befürchtung, dass sich die Geschichte zu sehr um Authenzität bemühen und somit sämtliche Spannung verweigern könnte, aber dem ist glücklicherweise nicht so.

Tatsächlich lassen die großen und kleinen alltäglichen Konflikte die Handlung, die hauptsächlich nahe Alienors Heimat spielt, weitestgehend lebendig und fließend wirken.  Dies mag auch daran liegen, dass Trodler sich mit den damaligen Verhältnissen auszukennen scheint. So fließt Wissen über Kräuter und religiöse Gebräuche ganz beiläufig in die Geschichte ein.

Einerseits findet sich eine Vielzahl verschiedener Religionen, andererseits nimmt natürlich das damalige Christentum die größte Rolle ein. Und hier sind wir an einem Punkt, der mich doch im Laufe der Handlung immer mehr gestört hat. Ja, das Christentum hat sich damals alles andere als mit Ruhm bekleckert. Aber muss man die Kirche deswegen direkt oder indirekt als Ursache für nahezu jedes Problem der Protagonistin herhalten?

Was die Charaktere betrifft, so bin ich zwiegespalten. Der Pluralismus der Religionen wird dadurch erzeugt, dass einige Charaktere mit einer entsprechenden Hintergrundgeschichte ausgestattet sind, was ich begrüße. Alienor hingegen hat mich immer wieder genervt. Zwar gab es Phasen, in denen ich sie mochte und auch mit ihr litt, aber letztendlich überwiegt dann doch das Augenverdrehen meinerseits.

Es ist ja schön und gut, dass der innere Konflikt zwischen ihrem Glauben und dem, was sie für richtig hält, ausgestaltet wurde, aber irgendwann muss man sich doch im Klaren sein, was überwiegt. Tatsächlich hatte ich beim Lesen einen Punkt erreicht, bei dem ich auf möglichst wenige Plot-Twists gehofft habe, weil jede kleinste Wendung einen Schwall von religiösen Zweifeln, verzweifelten Gebeten und jammernden rhetorischen Fragen zur Folge hat.

Generell weiß sie einfach nicht, was sie will. Erst fängt sie vor Liebeskummer an, mal eben die verschiedensten Arten von Selbstverletzung auszuführen und dann weiß sie wieder nicht, ob sie dem Kerl überhaupt vertrauen kann? Es spricht nicht gerade für sie, dass ihre jüngere Schwester auf mich oftmals einen reiferen Eindruck macht.

Dieses Verhalten hat mir dann auch die Liebesgeschichte versalzen, dabei hätte diese wirklich gut werden können, besteht sie eben nicht aus Instant-Liebe, sondern wächst den Umständen gemäß nur langsam. Und immerhin wurde auch auf ein Liebesdreieck, das ich zwischenzeitlich befürchtet hatte, verzichtet.

Insgesamt könnte Die Waldgräfin mit ihren geschickt eingewebten Informationen über das damalige Leben sowie eine angenehm realistische Liebesgeschichte eine wunderbare Reise ins elfte Jahrhundert sein – würde sich die Protagonistin nicht zu oft aufführen wie ein unentschlossener, zickiger Teenager. Daher vergebe ich 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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4 Kommentare zu „Dagmar Trodler: Die Waldgräfin

      1. Ich lese gerne historische Romane, die so um 1900 spielen bis zu Beginn des 1. Weltkrieges. Das ist eine Zeit, in die ich mich noch hineinversetzen und die historischen Hintergründe nachvollziehen kann. Alles, was früher ist, ist mir oft geschichtlich zu weit weg.

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