J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion

20160505_195103.jpgOriginaltitel: The Silmarillion

Autor: J.R.R. Tolkien

Verlag: Klett-Cotta

Genre: Fantasy

Seitenzahl: 510 (+79 Seiten Anhang)

Erscheinungsjahr (Original): 1977

Wer nach dem Hobbit und dem Herrn der Ringe noch immer nicht genug von Mittelerde hat, der wird früher oder später wohl nach dem Silmarillion greifen – zumindest war es bei mir so der Fall. Der Klappentext sagt Folgendes über das Buch aus:

Das >>Alte Testament<< von Mittelerde

Das Silmarillion erzählt von den Ereignissen des Ersten Zeitalters – jener fernen Epoche von Mittelerde, auf welche die Helden des Herrn der Ringe immer wieder mit Ehrfurcht zurückblicken.

So knapp zusammengefasst trifft diese Beschreibung Das Silmarillion ziemlich gut. Zwar mag die Betitelung als „Altes Testament“ wohl so manchen potenziellen Leser abschrecken, aber das ist bei dem Anfang dieses Werkes wohl auch besser so. Denn Tolkien beginnt mit einer Schöpfungsgeschichte und führt Valar, Zwerge und Elben nach und nach ein, wobei man gerade zu Beginn mit Namen bombardiert wird, die erstmal mit sehr wenig Charakter gefüllt werden.

Allerdings war ich vorgewarnt und hatte mich bei meinem Namensgedächtnis darauf eingestellt, dass ich überhaupt nicht mitkommen würde. Tatsächlich habe ich die Personen verhältnismäßig gut wiedererkannt, was wohl daran liegt, dass viele bereits ausführlich erzählte Ereignisse meist immer wieder kurz wiederholt werden. So ist es nicht ganz so schwer, all die Namen zu behalten. Jedoch können diese Wiederholungen auch stören, insbesondere dann, wenn die Ereignisse des vorherigen Kapitels am Beginn des neuen Kapitels nochmal durchgekaut werden.

Im Laufe des Buches gewöhnt man sich daran, mit Namen überflutet zu werden: Seien es Handelnde, Orte, Waffen oder Festungen. Tolkien muss einfach alles benennen, im besten Fall natürlich mit verschiedenen Begriffen aus verschiedenen Sprachen, und scheut auch nicht davor zurück, die Abstammung von Bäumen zu erläutern, als wären es Könige.

Ob man sich nun die Mühe macht und immer wieder zur Karte blättert oder die Stammbäume im Anhang zuratezieht, das bleibt jedem selbst überlassen. Auf Letzteren einen Blick zu werfen hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt, denn ich sonst hätte ich wohl nicht bemerkt, dass Elronds Stammbaum ein Kreis ist. Somit ist dieser Teil des Anhangs durchaus praktisch.

Eine Besonderheit dieser Hardcover-Ausgabe sind die Illustrationen von Ted Nasmith. Die Illustrationen selbst sind eine schöne Untermalung der einzelnen Geschichte und schaffen es, trotz der Verbildlichung die Fantasie des Lesers nicht zu blockieren.

Einzig ihre Platzierung im Buch ist grauenhaft. Dass ein Bild später als die Geschichte auftritt, wäre ja noch verzeihlich, aber manche Bilder werden den abgebildeten Ereignissen vorausgestellt, was sowohl verwirrend als auch spoilernd ist.

Außerdem sind teilweise mehrere aufeinanderfolgende Seiten einfach nur Illustrationen. Dies allein wäre auch kein Problem, jedoch finden sich diese Gruppen meist genau dann, wenn die vorherige Seite mitten im Satz endet, was den Lesefluss enorm stört.

Eine entscheidende Rolle beim Silmarillion spielen wohl die Erwartungen des Lesers. Man darf keineswegs eine Geschichte mit vielen Details und Dialogen wie beim Herrn der Ringe erwarten, sondern muss sich vielmehr auf eine Sammlung von Erzählungen einstellen, die in diesem Umfang auch mündlich weitergegeben werden könnten. Im Silmarillion wird nämlich deutlich, warum Tolkien Mittelerde überhaupt erdacht hat: Er wollte ein eigenes Sagen-Repertoire schaffen.

Warum Das Silmarillion trotzdem lesenswert ist? Einerseits verfolgt man gerade in den späteren Erzählungen durchaus einzelne Charaktere über einen längeren Zeitraum wie beispielsweise Beren und Luthien, andererseits betrachtet man nach der Lektüre die Ereignisse im Herr der Ringe mit ganz anderen Augen, weil man ihre Bedeutung erst durch Das Silmarillion wirklich erkennt. Denn auch für Mittelerde gilt: Die Vergangenheit zu kennen hilft, die Gegenwart zu verstehen.

Insgesamt ist Das Silmarillion also nur etwas für wahre Tolkien-Fans, die keine leichte Lektüre erwarten. Denn wer den Kampf mit den Namen aufnimmt, wird mit einem tieferen Verständnis für den Herrn der Ringe belohnt. Außerdem erwarten den Leser in dieser Ausgabe wunderschöne Illustrationen, deren Positionierung im Buch jedoch störend ist. Daher gibt es 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu “J.R.R. Tolkien: Das Silmarillion

  1. Ich bin kein Fan von Tolkien, mein Freund aber schon. Er hat sich vor 1,5 Jahren mal „Das Silmarillion“ gekauft, weil er mehr über Mittelerde lesen will und kaut immer noch dran. 😀 Okay, er ist bei weitem kein Vielleser, aber es dauert schon überdurchschnittlich lang mittlerweile. 😀

    • Das kann ich mir vorstellen. Gerade wenn man eher weniger liest, dürfte das Silmarillion ganz schön harter Tobak sein. ^^ Wenn du ihn etwas motivieren willst: Gegen Ende, etwa ab Beren und Luthien, wird es leichter, weil es dann schon mehr den Charakter längerer Heldensagen annimmt.

      Danke für deinen Kommentar! 🙂

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