F. Scott Fitzgerald: The Great Gatsby

20160502_181536.jpgOriginaltitel: The Great Gatsby

Autor: F. Scott Fitzgerald

Verlag: Brinkmann Meyhöfer

Genre: Englisch, Klassiker, Gesellschaftskritik

Seitenzahl: 166

Erscheinungsjahr (Original): 1925

Zugegeben, eigentlich wollte ich meine Schullektüren nie rezensieren. Aber nachdem mit Im Westen nichts Neues ein rezensiertes Buch zur Schullektüre wurde und The Great Gatsby aufgrund der Verfilmung von 2013 nicht dem Klischee des trockensten Stoffs entspricht, breche ich meine eigene Regel.

In The Great Gatsby befinden wir uns im New York der 1920er Jahre. Aus der Perspektive Nick Carraways begegnen wir all den Dingen, die für diese Zeit des Aufschwungs kennzeichnend waren: Parties, verbotener Alkoholkonsum, kriminelle Geschäftsmänner, Verschwendung, die alt-eingesessene Oberschicht sowie Neureiche. All dies liegt wie ein Netz um Nicks neuen Nachbarn Jay Gatsby, der seinerseits selbst aus Mysterien und Geheimnissen besteht.

Möglicherweise liegt es daran, dass mich die Roaring Twenties allein wegen des Lebensstils nicht ansprechen, aber ich habe eine Weile gebraucht, bis ich wirklich in der Handlung des Buches war. Das mag auch an dem sehr ausschweifenden Stil zu Beginn der Geschichte liegen, der glücklicherweise später weitestgehend fallengelassen wird.

Aber auch nachdem wir Nicks für die weitere Geschichte irrelevante Beziehung zu seinem Vater beleuchtet haben, müssen wir uns noch eine Weile gedulden, bis wir den namensgebenden Gatsby endlich kennenlernen – und noch etwas länger, bis wir den Hauptkonflikt der Handlung überhaupt erfahren dürfen. Dafür ist die Tendenz für dessen Ausgang bereits drei Kapitel später schon deutlich erkennbar.

Die endgültige Lösung hat mich dann zwar überrascht, allerdings hat sie mich nicht wirklich getroffen. Denn hier liegt das Hauptproblem, dass ich mit The Great Gatsby habe: Die Charaktere sind mir überwiegend unsympathisch.

Zwar gab es Momente, in denen ich fast auf Gatsbys Seite war, jedoch waren diese von kurzer Dauer. Irgendwann wurde es einfach so schlimm, dass mir mit Ausnahme von Nick alle Charaktere zuwider waren und ich auf so manchen einen regelrechten Hass entwickelt hatte. Immerhin hat die Geschichte so zumindest überhaupt Emotionen bei mir hervorgerufen, was man nicht von jeder Zwangslektüre behaupten kann.

Ja, man kann Fitzgerald zugute halten, dass er mit The Great Gatsby Kritik an dem darin dargestellten Lebensstil üben wollte, aber muss man deswegen gleich die Charaktere, der eine relevante Position einnimmt, in ein egoistisch-nervendes Ekelpaket verwandeln?

Denn gerade dadurch wird eine Identifikation des Lesers und somit auch der Empfang der Kritik maßgeblich gestört. Warum sollte man sein eigenes Handeln überdenken, wenn nur Charaktere kritisiert werden, die sich weitaus schlechter benehmen als man selbst?

Insgesamt war The Great Gatsby trotz seines Versuches, Gesellschaftskritik zu üben,  sowohl aufgrund des Settings im New York der 1920er als auch aufgrund der unsympathischen Charaktere so gar nicht mein Fall. Einzig wem die Roaring Twenties am Herzen liegen ist die Geschichte um Jay Gatsby zu empfehlen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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