Alison Goodman: The Dark Days Club

20160307_163021.jpgOriginaltitel: The Dark Days Club

Autor: Alison Goodman:

Verlag: Viking Books

Genre: Englisch, Historisch, Fantasy, Mystery

Seitenzahl: 484 (inklusive Nachwort)

Erscheinungsjahr: 2016

Als ich hörte, dass Alison Goodman eine neue Reihe beginnt, die im viktorianischen London spielt, konnte ich natürlich nicht widerstehen. Tatsächlich ist die Lady Helen-Reihe allerdings dem Regency-Setting zuzuordnen, da sie im London des Jahres 1812 spielt.

In The Dark Days Club lernen wir die 18-jährige Lady Helen Wrexhall kennen, die nach dem Tod ihrer Eltern bei ihrem Onkel und ihrer Tante aufgewachsen ist und eigentlich das normale Leben einer heiratsfähigen jungen Lady ihrer Zeit führt. Jedoch erwachen übernatürliche Fähigkeiten in ihr, von denen sie nicht einmal geträumt hätte. Und so wird Helen, deren Leben doch eigentlich aus Bällen, Stickereien und Ausritten bestehen sollte, immer mehr in eine düstere Welt voller Geheimnise und bösartigen Kreaturen gezogen, in der es kein richtig oder falsch mehr gibt.Zunächst einmal ist die Hardcover-Ausgabe von Viking Books unglaublich schön. Denn was man auf Internetbildern kaum erkennen kann, sind die Ornamente auf dem Cover, die sich auch im Inneren des Buches fortsetzen. Zudem wird auch in der Geschichte selbst ein wenig mit Schriftarten gespielt – sei es nun, um ein neues Datum anzukündigen oder die Briefe, deren Schriftart je nach Absender variiert.

Doch kommen wir zur Geschichte selbst. Hier muss ich zugeben, dass sich der Anfang doch ein wenig hinzog. Denn es braucht eine Weile, bis Lady Helen wirklich mehr über ihre Fähigkeiten erfährt. So werden wir zunächst mit einigen Bällen und gesellschaftlichen Veranstaltungen – und noch Namen und Titeln – konfrontiert, bis wir wirklich zur entscheidenden Wendung kommen. Doch dieser langsame Einstieg macht durchaus Sinn, wenn man am Ende des ersten Bandes zurückblickt und überlegt, wie alles eigentlich angefangen hat und was sich daraus entwickelt hat.

Lady Helen selbst erinnert als Protagonistin durchaus an Eona, zeichnen sich doch beide durch eine besondere Gabe sowie verhältnismäßig „unangemessenes“ Verhalten in einer von Männern gesteuerten Welt aus. Doch wie Eona ist auch Lady Helen keine Mary Sue und hat es geschafft, meine Sympathien zu wecken. Goodman hat ein Händchen dafür, starke Frauen nicht zu stark zu machen.

Allerdings sind die beiden Protagonistinnen nicht die einzige Parallele, die Eona und Lady Helen aufweisen. Gerade in der ersten Zeit, in der Lady Helen ihre Fähigkeiten kennenlernt, habe ich so viele Ähnlichkeiten gefunden, dass ich schon die Befürchtung hatte, es wäre einfach nur dieselbe Geschichte in einem anderen Setting. Glücklicherweise blieb diese Befürchtung jedoch unbegründet, denn mit dem Voranschreiten der Story und Lady Helens wachsendem Wissen über den Dark Days Club zeigt sich, dass Goodman doch etwas völlig Anderes geschaffen hat.

Denn auch wenn leichte Einflüsse fernöstlicher Kulturen vorhanden sind, hat sich Goodman doch wunderbar am Setting der Story orientiert und die Fantasy-Elemente damit verwoben – so ist beispielsweise Napoleon auch aufgrund übernatürlicher Gründe in seine Position gelangt.

Es mag daran liegen, dass The Dark Days Club zur Regency-Zeit spielt, für die Goodman übrigens enorm viel Recherche betrieben zu haben scheint, aber generell fühlt sich die Geschichte etwas erwachsener als Eona an. Dazu trägt auch bei, dass das Zitat „Sometimes there is no good choice.“ zwei Aspekte der Geschichte auf den Punkt bringt:

Einerseits gibt es keinen wirklich richtigen Weg, bei dem ehrenvolles Handeln mit einem Happy End belohnt wird. Andererseits muss Lady Helen als Konsequenz daraus zwischen den verschiedenen Übeln wählen, ohne so manche Konsequenz ihres Handelns absehen zu können. Dies führt – in Kombination mit ihrem sozialen Umfeld – dazu, dass sie so manchen Rückschlag hinnehmen muss. Sie ist eben keine Mary Sue, die mit ein paar Sprüchen jedes Problem aus der Welt schaffen kann.

Zuletzt noch ein paar Worte zu Lord Carlston: Dieser Charakter ist mir besonders ans Herz gewachsen, vermutlich gerade weil er so ist, wie Lord Ido hätte sein sollen. Umso mehr bange ich, dass er sich in eine unschöne Richtung entwickeln könnte. Gerade seine mysteriöse Hintergrundgeschichte sowie die Offenheit seiner charakterlichen Entwicklung machen ihn zum Hauptanreiz, dass ich diese Reihe unbedingt weiterlesen möchte.

Somit ist The Dark Days Club ein vielversprechender Auftakt, der mich zwar wegen der Längen am Anfang und der zunächst enormen Parallelen zu Eona nicht direkt von Beginn an begeistert hat, mich aber mit seinen Charakteren und seiner erwachsenen Einstellung zum Treffen von Entscheidungen überzeugen konnte. Hinzu kommen die für das Setting idealen Fantasy-Elemente. Daher vergebe ich 4 1/2 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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