Kai Meyer: Das Fleisch der Vielen

20151228_164055.jpgOriginaltitel: Das Fleisch der Vielen

Autor: Kai Meyer

Erschienen in: VERFALLEN, Folge 1: Astoria – Limited Novel Edition! von ASP

Genre: Horror

Seitenzahl: 37

Das Fleisch der Vielen ist das erste Werk überhaupt, das ich von Kai Meyer gelesen habe. Zwar war mir der Name des Autors durchaus geläufig, doch bislang bin ich noch immer um seine Bücher herumgeschlichen ohne zuzuschlagen. Dies sollte sich durch meine Lieblingsband ASP ändern. Denn ASP und Kai Meyer haben sich zusammengetan, um eine Geschichte in Wort und Ton zu entwickeln. Und das konnte ich mir nun wirklich nicht entgehen lassen.

In der Limited Novel Edition liegt der CD also unter Anderem die Kurzgeschichte Das Fleisch der Vielen bei, zu der die musikalische Ausarbeitung seitens ASP die Vorgeschichte darstellt. Thematisch geht es um das Hotel Astoria in Leipzig, das – im Falle der Kurzgeschichte – seit Jahren verlassen steht. So weiß niemand, was sich mittlerweile im Inneren des Hotels abspielt. Oder besser gesagt fast niemand, denn Jana und Tim dringen in das Hotel ein, als sie von einer eskalierten Demonstration flüchten. Doch dort erfahren sie am eigenen Leib, dass das Astoria noch längst nicht tot ist…

Die Geschichte beginnt noch verhältnismäßig harmlos, als Jana und Tim von der Demo fliehen. So konnte ich mich zunächst noch auf Meyers Stil konzentrieren, der hier und da mit ein paar Vergleichen gespickt ist, in denen man, wenn man so will, schon eine Vorausdeutung des Folgenden erkennen kann.

Doch allmählich kippt die Atmosphäre und dass ursprünglich Zuflucht bietende Astoria nimmt allmählich seine Maske ab. Und ich muss sagen, die Geschichte abends im Dunkeln in einem ruhigen Zimmer zu lesen, ist gleichzeitig das schlimmste und das beste, das man tun kann. Meyer schafft es, ohne Blut und durch eine Minimierung der Sinneseindrücke, eine dermaßen gruselige Atmosphäre zu schaffen, dass ich in dem Moment doch recht froh war, dass ich einerseits das Deckenlicht anstatt einer Kerze zum Lesen verwendet habe und andererseits das Gebäude, in dem ich mich befand, kaum älter als ich selbst war.

Insbesondere die unkonventionellen Mittel, die Meyer zur Erzeugung dieses Grusels nutzt, sind hervorzuheben. Denn anstatt abgetrennter Finger oder rumliegender Gedärme bedient er sich etwas eigentlich weitaus harmloseren: Haare. Und gerade wenn man selbst lange Haare hat und somit auch schon ab und an mal eines im Mund hatte, wird man zusätzlich zu dem Grusel-Faktor noch von einem regelrechten Ekel gepackt.

Was genau es mit dem Titel auf sich hat, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, doch nutzt Meyer diesen am Ende der Geschichte noch für ein geschicktes Wortspiel.

Das Fleisch der Vielen ist also eine kurzweilige Horror-Geschichte, mit der man sich eine kurze, unheimliche Zeit am Abend bescheren kann. Diesen Zweck hat sie bei mir allerdings so gut erfüllt, dass ich nicht anders kann als 5 von 5 Kreuzen zu vergeben.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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