Juliet Marillier: Die Tochter der Wälder

20160101_235606.jpgOriginaltitel: Daugther of the Forest

Autor: Juliet Marillier

Verlag: Knaur

Genre: Historisch, Fantasy, Mystery, Märchen & Sagen

Seitenzahl: 656 (inklusive Anhang)

Erscheinungsjahr (Erstausgabe): 1999

Was passiert, wenn man der Schwiegermutter gegenüber erwähnt, den Lesehorizont womöglich etwas zu erweitern? Man bekommt – unterstützt durch die Schwiegertante – ein halbes Bücherregal ausgeliehen. Die Tochter der Wälder ist eines dieser so in meine Hände gelangten Bücher, wobei es purer Zufall war, dass ich zuerst nach diesem griff. Der Klappentext besagt Folgendes:

Du wirst herausfinden, was zu tun ist, Tochter der Wälder – durch Verrat und Verlust und durch viele Prüfungen …

Im 9. Jahrhundert nach Christus müssen die keltischen Fürsten ihr Land gegen den Ansturm der Briten verteidigen. Fern der Schlachtfelder wächst Sorcha als jüngste Tochter des Herrn von Sevenwaters auf. Das behütete Leben findet ein jähes Ende, als ein Fluch ihre sechs Brüder trifft. Sorcha ist die Einzige, die sie retten kann – doch dafür muss sie mehr aufgeben, als sie sich jemals hätte vorstellen können …

Der erste Roman der magischen Sevenwaters-Saga!

Jungfräulich wie ich in diesem Genre noch war, hatte der Zufall mir also nun dieses Buch in die Hand gelegt und damit eine gute Wahl getroffen, denn wie der Klappentext bereits verrät befinden wir uns im keltischen Irland. Und das merkt man der Geschichte nicht nur aufgrund des allgemeinen Settings an, sondern auch durch die vielen magischen Elemente der Handlung.

Denn neben dem Fluch, der Sorchas Brüdern auferlegt wurde und mich unwillkürlich an ein Märchen erinnert hat, spielt auch das Feenvolk eine nicht zu verachtende Rolle. Die Einwebung der magischen und mysthischen Elemente wirkt hierbei jedoch nicht erzwungen und verleiht der Geschichte einen gewissen Reiz.

Als Protagonistin folgen wir also Sorcha. Doch hier kommen wir zu meinem ersten Kritikpunkt, denn Sorcha ist mir insbesondere am Anfang ein wenig zu anstrengend. Einerseits kann sie sich nicht entscheiden, ob sie nun besonders stark oder besonders schwach sein will, andererseits sind ihre Heilfähigkeiten für ihr Alter einfach zu gut.

Es mag ja sein, dass ein halb wild aufgewachsenes Kind, dass sich dafür interessiert, durchaus über einige Kenntnisse verfügt, aber sie direkt zur allerbesten Heilerin weit und breit zu machen, lässt sie doch zu sehr als Mary Sue darstehen. Zwar konnte ich mich im Laufe der Geschichte allmählich mit ihr anfreunden, zumal auch sie eine charakterliche Entwicklung durchlebt, aber dennoch wird sie mir nicht als sympathischste Protagonistin in Erinnerung bleiben.

Genau wie mit Sorcha musste ich auch mit dem Schreibstil erstmal warm werden. Auch hier empfand ich ihn zu Beginn negativer als am Ende. Denn Marillier springt am Anfang von einem Lebensbereich Sorchas zum nächsten. Dies hat auch zur Folge, dass ihre Brüder zunächst einmal ein ziemliches Durcheinander sind. Nach und nach stechen ein paar Einzelne wie Finbar oder Conor heraus, allerdings konnte ich bis zum Schluss nicht jeden einzelnen auseinanderhalten.

Auch der Beginn der Handlung wirkt zunächst willkürlich. Die Geschichte beginnt damit, wie Sorcha ihre Heilfähigkeiten nutzt, um einem eigentlichen Feind zu retten, aber urplötzlich wird sie dabei nach über 100 Seiten unterbrochen und – aus den Augen, aus dem Sinn – finden wir uns plötzlich in einer Geschichte mit einer bösen Hexe und einem Fluch wieder. Selbstverständlich macht diese Vorhandlung vor der eigentlichen Geschichte am Ende einen Sinn, jedoch irritiert dieser Sprung zu dem Zeitpunkt enorm.

Neben dieser Irritation hat die Geschichte generell auch ein Problem mit der Spannung. Die über 600 Seiten sind nicht allzu sehr gestreckt, denn die vielen Zwischenereignisse, die Sorcha bei ihrem Kampf gegen den Fluch begegnen, haben schon ihre Existenzberechtigung, aber dennoch hat Die Tochter der Wälder es gerade im Mittelteil nicht geschafft, mich völlig zu fesseln.

Während ich also in der Mitte der Geschichte vor mich hindümpelte, wurde mir mit Schrecken bewusst, dass es sich bei Die Tochter der Wälder um den ersten Band einer Reihe handelt und so fürchtete ich bereits, dass ich einem so offenen Ende entgegensteuern würde, dass ich förmlich gezwungen wäre, die restlichen Bände ebenfalls zu lesen.

Doch in dem Punkt konnte mich das Buch sehr positiv überraschen. Denn die Reihe ist so aufgebaut, dass die Geschichte um Sorcha und ihre Brüder weitestgehend abgeschlossen wird und sich die folgenden Bände, wie die Leseprobe im Anhang meiner Ausgabe erahnen lässt, mit anderen Generationen aus dem Hause Sevenwaters beschäftigen.  So kann man Die Tochter der Wälder also wie einen Einzelband lesen, was einen großen Pluspunkt gibt.

Generell hat mich das Ende nochmal um einiges positiver gestimmt, denn obwohl es nicht in einer völligen Katastrophe endet, herrscht schließlich auch nicht völlig heit’rer Sonnenschein. Zudem entwickelt sich Sorcha wie auch der Schreibstil wie bereits erwähnt zum Positiven.

Insgesamt verwebt Die Tochter der Wälder also mysthische Elemente gekonnt mit einem historischen Setting und enthält, obwohl es der Auftakt einer Reihe ist, eine in sich abgeschlossene Handlung. Zwar weist die Geschichte hier und da ein paar Schwächen wie Sorchas zu perfekte Heilfähigkeiten auf, allerdings handelt es sich wohl um einen geeigneten Einstieg in das Genre. Daher vergebe ich 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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9 Kommentare zu „Juliet Marillier: Die Tochter der Wälder

    1. Was hat dich an den nachfolgenden Teilen denn gestört?

      Bin sowieso am Überlegen, ob ich die Reihe weiterverfolgen oder es lieber bei diesem Eindruck belassen möchte.

      1. Ich habe die Teile nicht gelesen, weil das Märchenthema dann keine Rolle mehr spielt und ich Geschichten in denen dann die
        Kinder die Protagonisten sind. Und ich fand die auch von der Handlung so nicht ansprechend.

  1. Ich habe dieses Buch vor etlichen Jahren gelesen (als ich noch weniger kritisch gelesen habe) und mochte es damals sehr. Von den weiteren Bänden habe ich in den letzten Jahren noch zwei probiert und hatte da sehr ähnliche Kritikpunkte wie du bei diesem: Hauptfiguren, die zwischen sehr stark und sehr schwach schwanken, mit zu grandiosen Heilfähigkeiten und eine manchmal vor sich hindümpelnde Handlung.
    Schlecht fand ich die Bücher zwar nicht, aber ich werde Sevenwaters wohl nicht mehr weiterlesen und finde, dass der 1. Band mit dem Märchenthema doch noch immer der beste ist.

    1. Das kenne ich aber auch, dass man nach einiger Zeit manchmal Schwachstellen in Büchern findet, die einem einst gar nicht aufgefallen sind. Das ist manchmal echt schade.

      Ebenso schade, wie dass das Märchenthema nicht weiterhin umgesetzt wurde.

  2. Von diesem Buch ist mir schon so viel vorgeschwärmt worden, dass ich es jetzt immerhin im Regal stehen habe. Seit ein paar Jahren. Noch immer ungelesen. *schäm*

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