Paula Hawkins: The Girl on the Train

wpid-20151110_213222.jpgOriginaltitel: The Girl on the Train

Autor: Paula Hawkins

Verlag: Doubleday

Genre: Thriller, Englisch

Seitenzahl: 316

Erscheinungsjahr: 2015

The Girl on the Train gehört zu den Titeln, die einem dieses Jahr häufiger auf Blogs begegnet sind und selbst Stephen King scheint eine nicht zu schlechte Meinung von diesem Buch zu haben. Doch wie berechtigt ist dieser Erfolg? Beginnen wir wie üblich mit dem Klappentext:

To everyone else in this carriage I must look normal; I’m doing exactly what they do: commuting to work, making appointments, ticking things off lists.

Just goes to show.

Every day the same

Rachel catches the same commuter train every morning. She knows it will wait at the same singal each time, overlooking a row of back gardens.

She’s even started to feel like she knows the people who live in one of the houses. ‚Jess and Jason‘, she calls them. Their life – as she sees it – is perfect. If only Rachel could be that happy.

Until today

And then she sees something shocking. It’s only a minute until the train moves on, but it’s enough.

Now everthing’s changed. Now Rachel has a chance to become a part of the lives she’s only watched from afar.

Now they’ll see: she’s much more than just the girl on the train …

Die Ausangssituation wird mit dem Klappentext schon recht gut, obgleich ein wenig vage, beschrieben. Eine Frau verschwindet und obwohl Rachel nichts direktes über ihr Verschwinden weiß, scheint sie doch irgendwie in Verbindung mit dem Fall zu stehen.

Die Geschichte, die zunächst aus Rachels Sicht geschildert wird, später aber auch weitere Perspektiven aufweist, wird von zwei Faktoren getragen: den Charakteren und der Handlung selbst. Und beides ist jeweils ein Fall für sich.

Rachel, unsere Protagonistin, führt nicht wirklich ein glanzvolles Leben: Alkoholikerin und arbeitslos, dazu nach zwei Jahren noch immer ihrem Ex hinterhertrauernd. Ich kann durchaus verstehen, dass es schwer fällt, sich mit ihr zu identifizieren, aber ich persönlich habe eine Schwäche für solche Charaktere.

Im Kontrast zu Rachel scheinen die übrigen Charaktere, wie zum Beispiel „Jason“ und „Jess“, verhältnismäßig normal. Doch im Verlauf der Geschichte bröckelt die Fassade und nach und nach werden die weniger normalen Dinge sichtbar, sodass Rachel im Endeffekt gar nicht so „unnormal“ ist.

Die Handlung selbst lässt sich im Grunde mit zwei Worten beschreiben: Plot twists. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt ein Buch mit so vielen mal mehr, mal weniger überraschenden Wendungen und vor allem so vielen für den Leser gelegten falschen Fährten auf so wenig Seiten gelesen habe. Hawkins schafft es, unglaublich viel Handlung in sämtliche Richtungen zu erzählen, dass man beim Lesen vor Theorien förmlich überschäumt, wobei in meinem Fall einige zumindest in die richtige Richtung verliefen, während andere absolut daneben lagen. Gerade bei zwei – mehr oder weniger verknüpften – Theorien*, mit denen ich total falsch lag, habe ich das Gefühl, dass Hawkins mich mit voller Absicht in diese falsche Richtung lenken wollte.

Einen Kritikpunkt habe ich jedoch an der Geschichte: Und zwar das Männerbild, dass sie vermittelt. Wie bereits erwähnt sind einige der Charaktere kaputter als man zunächst glaubt, aber dadurch, dass die Erzählperspektiven allesamt aus Sicht von Frauen sind, fällt es schonmal schwerer, nachzuvollziehen, was in den Männern der Geschichte vorgeht. Zudem erscheinen mir die Verhaltensweisen der Männer in ihrer Summe doch deutlich verletzender oder zumindest moralisch falscher als die der meisten weiblichen Charaktere in der Geschichte. Und ich finde es doch ziemlich bedenklich, wenn abgesehen von einem Polizist, ein dauerhaft betrunkener Herumtreiber der netteste männliche Charakter ist. The Girl on the Train hat einfach zu viele Arschlöcher.

Insgesamt konnte mich The Girl on the Train durch die Entwicklung der Charaktere und durch die Fülle an Handlung auf verhältnismäßig kurzem Raum, die zu ausgiebigen Spekulationen einlädt, durchaus fesseln. Doch für den hohen Anteil an männlichen Arschlöchern muss ich leider ein wenig Punktabzug geben. Deswegen gibt es von mir 4 1/2 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

*Die Theorien in weißer Schrift; durch Makieren sichtbar zu machen (Achtung, Spoiler):

Ich hatte zeitweise die Vermutung, dass Andy sowohl der Vater von Megans erstem Kind als auch der Mörder wäre.

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Ein Kommentar zu “Paula Hawkins: The Girl on the Train

  1. Ja die Männer kommen nicht gut weg in dem Buch. Da hätte mir eine zusätzliche männliche Perspektive noch gut gefallen. Aber ansonsten fand ich die Geschichte auch toll und war mehrmals baff und überrascht. 😀

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