H.P. Lovecraft: Cthulhu – Horrorgeschichten

wpid-20151024_153035.jpgTitel: Cthulhu – Horrorgeschichten

Autor: H. P. Lovecraft

Herausgeber: Frank Festa

Verlag: Festa

Genre: Klassiker, Horror,  Mystery, Anthologie, Fantasy

Seitenzahl: 335

Erscheinungsjahr (diese Ausgabe): 2009

Nach viel zu langer Zeit musste mal wieder ein wenig Lovecraft her. Auch dieses Mal handelt es sich wieder um einen Band aus H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens. Der Klappentext dieses Bandes besagt Folgendes:

Er

Der Alchimist

Die Straße

Die lauernde Furcht

Der Übergang des Juan Romero

Das Mond-Moor

Die Aussage des Randolph Carter

Der silberne Schlüssel

Durch die Tore des silbernen Schlüssels

Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath

Zehn Geschichen vom Altmeister des Horrors in neuer Übersetzung! Zusätzlich enthalten ist der Essay >Wonsitze und Gedenkstätten Poes< sowie Erinnerungen seines Schriftstellerkollegen H. Warner Munn.

Clive Barker: Lovecrafts Werk bildet die Grundlage des modernen Horror.

Michel Houellebecq: Keine Geschichte von Lovecraft ist in sich abgeschlossen. Jede von ihnen ist ein Stück offener und zähneklappernder Furcht.

Als Leser wird man sogleich von Er (He; 1926) auf die folgenden Geschichten eingestimmt. Denn in Er wird der Protagonist, der eigentlich bloß auf den Pfaden der für uns normalen Welt wandelt, durch eine Begegnung mit dem Unnatürlichen und Phantastischem konfrontiert. Insofern handelt es sich bei dieser Kurzgeschichte um einen gelungenen Einstieg, als dass man sie als Vorwarnung für das deuten kann, was einen auf den weiteren Seiten erwarten wird. Zudem ist es eine schöne Einstimmung auf die Lovecraft’sche Art des Horrors.

Mit Der Alchimist (The Alchemist; 1916) findet man eine ganz klassische Gruselgeschichte über ein altes Schloss, einen vermeindlichen Familienfluch und einen bösen Alchemisten. Es ist eine der Geschichten, die man bei einer Nachtwanderung oder einem Lagerfeuer seinen Begleitern erzählen könnte, um ihnen ein wenig Angst einzujagen. Störend war jedoch, dass der Protagonist nicht unbedingt der Hellste zu sein schien, da der Antagonist das Offensichtliche tatsächlich noch aussprechen musste.

Die Straße (The Street; 1920) ist eine für Lovecraft eher untypische Erzählung, obgleich sie sein Interesse an vergangenen Zeiten durchaus deutlich widerspiegelt. Hierbei verfolgt man die Geschichte einer Straße und deren Umgebung durch die Zeit hindurch. Durch die Straße als Protagonisten sowie das Fehlen eines wirklichen Grauens, wie es doch in so vielen Geschichten Lovecrafts vorkommt oder zumindest angedeutet wird, lässt diese für seine Verhältnisse nahezu putzig erscheinen. Jedoch bleibt auch Lovecrafts rassistische Haltung leider nicht verborgen.

Bei Die lauernde Furcht (The Lurking Fear; 1923) handelt es sich um die erste etwas längere Geschichte der Anthologie. Diese Geschichte hat mir persönlich sehr gut gefallen. Lovecraft hat das Rad damit wohl kaum neu erfunden, doch diese Kombination von unheimlichen Vorfällen, denen der mutige Protagonist auf den Grund gehen will, dem kulturellen Untergang einer sich isolierenden Gruppe von Einsiedlern und natürlich dem unbeschreiblichen Grauen haben mich einfach angesprochen. Auch werden hier zwei für diese Anthologie sehr zentrale Themen angesprochen: Das Verschwinden von Menschen und das unter der Erde lauernde Grauen.

Denn diese beiden Themen finden sich auch in Der Übergang des Juan Romero (The Transition of Juan Romero; 1944), in das Lovecraft einen Hauch von Wildem Westen hat einfließen lassen. Man merkt in dieser Anthologie generell recht deutlich, dass Lovecraft sich sehr reale Schauplätze zum Vorbild genommen hat, oder die Geschichten zumindest eindeutig einem Land zugeordnet hat, sofern sie auf unserer Welt spielen.

Auch Das Mond-Moor (The Moon-Bog; 1926) weist wieder die beiden bereits genannten Themen auf. Hier hat Lovecraft Irland als Schauplatz gewählt, allerdings lassen sich auch Bezüge zur Antike erkennen. Zumindest hat mich diese Geschichte doch sehr stark an Ovids Latona und die lykischen Bauern erinnert.

Durch Die Aussage des Randolph Carter (The Statement of Randolph Carter; 1920) wird dann der zweite große Bestandteil dieser Anthologie eingeführt. Zunächst hielt ich diese kurze Zeugenaussage lediglich für ein kleines Spiel mit der Perspektive von Seiten Lovecrafts und war ein wenig enttäuscht, dass es sich schon wieder um eine Geschichte handelt, bei der der Gefährte des Protagonisten spurlos verschwindet und das Grauen unter er Erde lauert. Doch es sollte mehr als das sein, wie sich in den folgenden Geschichten herausstellte.

Denn in Der silberne Schlüssel (The Silver Key; 1929) begegnet man eben jenem Randolph Carter abermals und begleitet den Träumer bei einem äußerst merkwürdigem Ereignis, das für den Leser viel Platz für Interpretationen ließe, gäbe es nicht die folgende Geschichte. Obgleich diese Geschichte es gerade zu darauf anlegt, den Leser zu verwirren, hat mir das darin vorhandene Spielen mit der Zeit äußerst gefallen. Zudem lassen sich hier Anspielungen auf Arkham und Salem finden.

Bei Durch die Tore des silbernen Schlüssels (Through the Gates of the Silver Key; 1934) handelt es sich wie der Titel bereits andeutet um die Fortsetzung von Der silberne Schlüssel, die zusammen mit E. Hoffmann Price verfasst wurde. Zunächst wohnt der Leser einem Treffen bezüglich der Verteilung des Erbes von Carter bei, erfährt während diesem allerdings, was Carter seit seinem Verschwinden tatsächlich widerfahren ist, bis Lovecraft schließlich durch einen geschickten Handlungsbogen wieder bei dem Treffen landet. Bei der Geschichte benötigt man durchaus einiges an Konzentration, da Lovecraft oftmals nicht zu leicht vorstellbare Beschreibungen verwendet und bewusst versucht, die menschliche Vorstellungskraft zu überschreiten.

In Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath (The Dream-Quest of Unknown Kadath; 1943) stellt Lovecraft schließlich seine Fähigkeiten als Fantasy-Autor unter Beweis. Dass Lovecraft seine Mythen rund um eine von ihm kreierte Götterwelt spinnt, dürfte nichts Neues sein, doch in dieser Geschichte hat er eine komplette Fantasy-Welt in Form einer Traumwelt erschaffen. Ich habe generell großen Respekt vor all jenen, die ihre eigene Fantasy-Welt erschaffen haben, aber in der Art und Weise wie Lovecraft mit seiner umgeht, macht er sie noch faszinierender. Denn er hat die Geschichte derart ausgestaltet, dass es sich so anfühlt, als hätte er sie in ein den Menschen schon lange bekannten Setting wie den Mythen der Antike platziert. Leider kann die Geschichte nicht immer mit der beeindruckenden Welt, in der sie spielt, mithalten. Man begleitet wieder einmal Randolph Carter, wobei es womöglich schöner gewesen wäre, einen frischen Protagonisten zu verwenden. Leider wird dieser sowie viele derer, denen er unterwegs begegnet, charakterlich nur sehr schwach illustriert. Dieser Umstand und die Tatsache, dass die Geschichte, in der sämtliche Ecken dieser Traumwelt teilweise mehrfach bereist werden, keinerlei Kapitel besitzt, macht sie doch ein wenig zäh und sperrig. Man hätte das Ganze womöglich besser in mehrere Einzelabenteuer unterteilen oder zumindest Kapitel sowie aussagekräftigere Charaktere einfügen können.

Wohnsitze und Gedenkstätten Poes (Homes and Shrines of Poe; 1934) dürfte, wie der Titel bereits verrät, wohl inbesondere für Poe-Fans interessant sein. Man erhält durch dieses Essay nämlich einen schönen, chronologisch geordneten Überblick über die vielen verschiedenen Wohnorte Poes, wobei die Angaben bezüglich der Erhaltung der Häuser selbstverständlich nicht mehr auf dem aktuellsten Standt sein dürfte. Dennoch ist es faszinierend aus dem Essay herauszulesen, mit welcher Hingabe sich Lovecraft wohl mit dem Leben Poes befasst haben muss.

Mit H. P. L. – Eine Erinnerung (H. P. L. – A Reminiscence; 1978) von H. Warner Munn hat Festa sich für einen wunderbaren Abschluss der Anthologie entschieden. Hierbei erfährt man so manches über die kuriosen Gepflogenheiten sowie den Charakter Lovecrafts selbst. Und ich vermute, dass ich nicht die einzige Person bin, die sich nach der Lektüre dieser Erinnerungen gewünscht hätte, zu einem früheren Zeitpunkt geboren worden zu sein, um diesen faszinierenden Autor mal persönlich kennenzulernen.

Insgesamt handelt es sich bei Cthulhu – Horrorgeschichten also wieder um eine schöne Zusammenstellung thematisch zueinander passender Geschichten Lovecrafts. Allerdings hätte die Themenauswahl durchaus noch ein wenig aufgelockert werden können, stellte sich nach den ganzen Geschichten über verschwundene Menschen und dem im Erdboden lauerndem Grauen doch ein gewisses Gefühl der Wiederholung ein. Zudem hätte Lovecraft selbst Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath noch ein bisschen weniger sperrig gestalten können. Da Lovecraft aber ohnehin keine Leser erreichen wird, die seichte Unterhaltung suchen, vergebe ich dennoch 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Weitere Bände:

Necronomicon – Horrorgeschichten

Der kosmische Schrecken – Horrorgeschichten

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