Rick Yancey: Die 5. Welle

wpid-20151016_214750.jpgOriginaltitel: The Fifth Wave

Autor: Rick Yancey

Verlag: Goldmann

Genre: Jugendbuch, Dystopie

Seitenzahl: 480

Erscheinungsjahr: 2014

Die 5. Welle ist eine der in letzter Zeit vermehrt auftretenden Jugend-Dystopien und wird nächstes Jahr verfilmt. Doch was ist das Besondere an diesem ersten Band eine Trilogie? Beginnen wir mit dem Klappentext:

Die erste Welle brachte Dunkelheit. Die zweite Zerstörung. Die dritte ein tödliches Virus. nach der vierten Welle gibt es nur noch eine Regel fürs Überleben: Traue niemandem! Das hat auch Cassie lernen müssen, denn seit der Ankunft der Anderen hat sie fast alles verloren: Ihre Freunde und ihre Familie sind tot, ihren kleinen Bruder haben sie mitgenommen. Das Wenige, was sie noch besitzt, passt in einen Rucksack. Und dann begegnet sie Evan Walker. Er rettet sie, nachdem sie auf der Flucht vor den Anderen angeschossen wurde. Eigentlich weiß sie, dass sie ihm nicht vertrauen sollte. Doch sie geht das Risiko ein und findet schon bald heraus, welche Grausamkeit die fünfte Welle für sie bereithält …

Wie der Klappentext bereits verrät, wird die Erde von Außerirdischen heimgesucht, die der Menschheit nicht gerade freundlich gesinnt sind und sie in Form verschiedener Angriffswellen nach und nach ausrotten wollen. Zu Beginn des Buches begleitet man zunächst einmal nur Cassie, die sich in der Wildnis durchschlägt.

Und schon bahnte sich mein ersten Problem an: Es fiel mir unglaublich schwer, in die Geschichte einzutauchen. Das Buch ist neben den einzelnen Kapitel auch noch in mehrere größere Abschnitte unterteilt und der erste Abschnitt zog sich für mich dahin wie Kaugummi. Vielleicht lag es an der Erzählweise, wie man zunächst Cassie bei der Nahrungssuche begleitet und erst dann die ganzen vorherigen Ereignisse geschildert bekommt, vielleicht lag es auch einfach daran, dass Cassie keinen wirklich bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat – ich bin einfach nicht in die Geschichte reingekommen.

Dieser Umstand hat sich glücklicherweise in den späteren Abschnitten ein wenig gebessert, da man zusätzlich zu Cassie auch noch andere Perspektiven von Personen geschildert bekommt, die man aus Cassies Vergangenheit bereits kennt. Dieser Umstand führte dazu, dass ich mich allmählich mit der Story anfreunden konnte, obgleich ich mit den Charakteren noch nicht vollständig warm wurde.

Doch dann trat das in Jugendbüchern Unvermeidbare ein: Natürlich muss es eine Lovestory (und eine Halb-Lovestory) geben und natürlich muss drölftausendmal beschrieben werden, wie der Kerl riecht und wie seine Augen sind und und und. Natürlich gibt es da aber noch ein dunkles Geheimnis, das die Liebe eigentlich unmöglich macht.

Dieses Geheimnis wird im Laufe der Geschichte auch selbstverständlich gelüftet. Ebenso wird an anderer Stelle ein weitaus größeres Geheimnis offenbart, nämlich worum es sich bei der namensgebenden fünften Welle überhaupt handelt. Aber bei beiden „überraschenden Wendungen“ hat Yancey einen ganz großen Fehler gemacht: Er hat so verdammt viele Andeutungen vorher eingewebt, dass man nicht mehr als ein Drittel des Textes hätte lesen dürfen, um wirklich überrascht zu sein. Dadurch, dass der Abstand von den ersten Andeutungen bis zur Wende aber verhältnismäßig groß ist, haben diese Enthüllungen bei mir nur einen Gedankengang hervorgerufen: You don’t say, Captain Obvious?

Was man Die 5. Welle aber zugutehalten kann, ist die Tatsache, dass mir zumindest keine groben Logikfehler aufgefallen sind, was für eine Dystopie ein wichtiger Punkt ist.

Zu den Charakteren lässt sich sagen, dass sie zwar differenzierbar sind, gerne aber hätten noch ausführlicher ausgearbeitet werden können. Gerade Cassie ist mir relativ schwammig in Erinnerung geblieben. So ist es nicht verwunderlich, dass mich das Schicksal der Charaktere relativ kaltgelassen hat – mit Ausnahme von Cassies kleinem Bruder Sammy. Dessen Schicksal lag mir doch ein Stück weit am Herzen.

Zum Ende kann man sagen, dass man Die 5. Welle gar nicht so zwingend zu einer Reihe hätte strecken müssen. Hätte man einige Abschnitte des Buches etwas kürzer gestaltet und am Ende noch ein paar Ereignisse ergänzt, hätte man mit Sicherheit ein zufriedenstellendes Gesamtende erschaffen können. Doch da es sich um eine Reihe handelt, ist das Ende verhältnismäßig offen gehalten, obgleich Yancey sich freundlicherweise mit Cliffhangern überwiegend zurückgehalten hat. Einzig ob ein Charakter noch lebt bleibt fraglich. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass er in irgendeiner Form auch im nächsten Band auftreten wird. Ob das allerdings Anreiz genug für mich ist, den Rest der Reihe zu lesen, das bezweifel ich doch stark.

Insgesamt ist Die 5. Welle also eine typische Jugend-Dystopie, in der natürlich eine Lovestory vorkommen muss und Enthüllungen beinhaltet, die durch zu viele Andeutungen im voraus überflüssig geworden sind. Zudem bleibt fraglich, ob man wirklich eine Reihe daraus machen muss. Zumindest die Logik ist nicht auf der Strecke geblieben. Daher vergebe ich 2 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

 

 

-Reihe

-Lovestory-Kitsch

-Das Offensichtliche als reinwürgen

+logisch okay

+Sammy awww

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