28 Tage lang

wpid-20150731_174816.jpgOriginaltitel: 28 Tage lang

Autor: David Safier

Verlag: Rowohlt

Genre: Jugendbuch, Drama, Gesellschaftskritik

Seitenzahl: 414 (inklusive Nachwort)

Erscheinungsjahr: 2014

Zugegeben hatte ich ein wenig Angst vor diesem Buch, denn aufgrund des Szenarios wollte ich unbedingt, dass es mir gefällt, hatte wegen des folgenden Klappentextes jedoch die Vermutung, dass es mir so gar nicht gefallen könnte:

Was für ein Mensch willst du sein?

Mira bringt sich und ihre kleine Schwester Hannah durch den harten Warschauer Ghetto-Alltag, indem sie unter Einsatz ihres Lebens Essen schmuggelt. Doch jetzt soll die gesamte Ghettobevölkerung umgebracht werden. Mira schließt sich dem Widerstand an. Der kann der übermächtigen SS länger trotzen als vermutet. Viel länger. Ganze 28 Tage lang.

28 Tage, in denen Mira sich entscheiden muss, wem ihr Herz gehört: Amos, der noch möglichst viele Nazis mit in den Tod nehmen will, oder Daniel, der sich um die Waisen in den Bunkern kümmert.

28 Tage, in denen Mira Momente von großer Menschlichkeit erlebt, von großem Verrat, großem Leid und großem Glück.

28 Tage, um ein ganzes Leben zu leben.

28 Tage, um die wahre Liebe zu finden.

28 Tage, um eine Legende zu werden.

Wer durch diesen Klappentext wie ich vermutet, dass sich in der Geschichte eine Dreiecksbeziehung breit macht und alles andere verdrängt, der liegt glücklicherweise falsch. Zwar stimmt es schon, dass im Laufe der Geschichte auch Miras Gefühle zu Daniel und Amos eine Rolle spielen, doch ist das definitiv nicht das Hauptthema der Geschichte und ist ganz anders als das typische „Mir liegen zwei Typen zu Füßen, welchen nehme ich denn jetzt bloß?“.

Tatsächlich ist mir mit diesem Buch etwas passiert, dass mir zuvor noch nie widerfahren ist: So sehr ich es auch versucht habe, ich konnte rein gar nichts finden, dass mir nicht gefallen hätte. Das einzige worüber ich mich beschweren könnte, wäre der Charakter einer Person, die meinen Vornamen trägt, aber da Charaktere nunmal Namen brauchen, ist daran auch nichts auszusetzen. Ich müsste also schon auf solche Nichtigkeiten zurückgreifen, um etwas zum Bemängeln zu finden.

Auch wenn es einige Zeit dauert, bis der Aufstand tatsächlich beginnt, verfügt 28 Tage lang über genau das richtige Tempo. Zunächst lernt man das „normale“ Leben im Ghetto kennen, bis man dann immer weiter an den Abgrund und die immer unmenschlichere Situation gedrängt wird.

Ebenfalls gefielen mir die Charaktere, die alle irgendwie ihre Macken haben und alle ein bisschen anders mit der Situation umgehen und gerade durch die teilweise feinen Kontraste im Vergleich zu einander zu glaubhaften Menschen werden.

Vom Verlauf der Geschichte selbst möchte ich gar nicht zu viel verraten, denn das Mitfiebern ist in diesem Fall doch ein sehr wichtiger Aspekt. Doch so viel sei gesagt: Das Ende betont noch einmal wie gelungen dieses Buch ist, denn es passt genau. Es ist angenehm für den Leser und vergreift sich dennoch nicht an dem historischen Kontext. Es ist schlichtweg genau richtig.

Safier hat einfach ein richtig gutes Buch geschaffen, dass ein gar nicht so einfaches Thema behandelt und die Personen sowie Ereignisse einfach so real und richtig wirken lässt, dass man fast meinen könnte, Mira hätte wirklich existiert. Und dennoch hat er es geschafft, noch eine allgemeingültige Frage in die Geschichte einzuflechten. Dafür hat er sich 5 von 5 Kreuzen verdient.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu “28 Tage lang

  1. Hallo Seitenfetzer,

    freut mich, dass du mich auf meinem Blog besucht hast. Nun interessiert mich deine Rezension zu »28 Tage lang« natürlich auch.
    Tatsächlich habe ich doch eine (schlecht bewertete) Rezension auf buechertreff.de zu dem Buch entdeckt, in der eine Rezensentin schreibt, dass sie das Buch als „Mädchen-Abenteuerroman“ empfunden hat. Für mich vollkommen unverständlich, wenn man bedenkt, aus welchen Motiven heraus David Safier dieses Buch geschrieben hat. Genauso wie du, konnte ich nichts finden, was zu bemängeln gewesen wäre.
    Auch das kurze Interview mit ihm am Ende fand ich sehr aufschlussreich und wichtig für das Verständnis der Geschichte. Aber ich sehe, dass du die Klappenbroschur gelesen hast. Ist in deinem Buch hinten auch ein kleines Interview mit dem Autor abgedruckt worden?

    Zum Ende kann ich mich dir auch nur anschließen. Es endet zwar 1943, also noch nicht ganz gewiss und sicher für die Protagonisten, aber dennoch angenehm. Und das hat mir wirklich gut gefallen.

    Was sagst du dazu? Wirst du in naher Zukunft weitere Bücher mit der Thematik lesen?

    Alles Liebe ♥,
    Janine

    • Ave,
      ja, das Interview war auch in dieser Ausgabe mit abgedruckt.
      Wie man das Buch zu einem „Mädchen-Abenteuerroman“ degradieren kann, ist mir ebenfalls schleierhaft. Selbst wenn es „nur“ fiktiv ist, ist es ja noch immer sehr authentisch und gerade wegen des Settings ist die Geschichte alles andere als ein kleines „Abenteuer“.

      In allernächster Zukunft werde ich vermutlich erstmal noch nichts weiter zu dem Thema lesen, weil ich momentan meinen SuB dringend dezimieren muss und dort nichts Entsprechendes liegt. Allerdings habe ich kürzlich noch die Biografie der Holocaust-Überlebenden Hella Wertheim gelesen, die zwar aus Deutschland stammt und somit nichts mit den beiden Aufständen in Warschau zu tun hatte, aber natürlich ebenso nachdenklich gemacht hat.

      Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! 🙂
      Seitenfetzer

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