Ruinenmärchen

wpid-20150526_155201.jpgOriginaltitel: Haikyo Shoujo

Mangaka: Tsukiji Nao

Verlag: Egmont Manga

Genre: Anthologie, Mystery

Seitenzahl: 176

Erscheinungsjahr (DE): 2014

Der Einzelband Ruinenmärchen war im Endeffekt wohl eher ein Coverkauf, auch wenn der Klappentext ebenfalls einen Teil dazu beigetragen hat, um mein Interesse zu wecken. Letzterer besagt Folgendes:

Ein Mädchen, das vor Jahren in einer Ruine gefangen gehalten wurde, sucht die Wahrheit in ihren verdrängten Erinnerungen.

Ein Mann ergründet seine verlorene Liebe zur Musik in einer Ruine.

Ein krankes Mädchen fühlt sich nur in ihrer Kommode in der Ruine wohl.

Ein Hutmacher entdeckt seine Berufung in einer unendlichen Ruine.

Um das Thema „Ruine“ lassen sich tragische und zauberhafte Geschichten erzählen. Und besonders in Tsukiji Naos außergewöhnlich detailliertem Zeichenstil sind sie eine Pracht!

Und der Klappentext verspricht nicht zu viel. Man ist es ja doch von Mangas gewohnt, dass die Covergestaltung weitaus detaillierter ist als der Manga selbst und man den Stil anhand des Covers nur grob erahnen kann. Ganz anders ist es jedoch bei Ruinenmärchen.

Ich habe zuvor noch nie etwas von Nao gelesen und bin hellauf begeistert von ihrem Zeichenstil. Die Mehrheit der Bilder ist wirklich enorm detailliert und verspielt, allerdings ohne zu verkitscht zu wirken wie manch andere Mangas. Das liegt insbesondere daran, was Nao zeichnet.

Einerseits sind in diesem Einzelband, wie der Titel bereits verdeutlicht, Ruinen ein zentrales Thema. So ziehen sich durch den kompletten Manga Zeichnungen, die den Verfall immer wieder leicht andeuten, jedoch sieht der Verfall durch Naos Zeichenstil nicht kaputt und dreckig aus, sondern erhält eine zarte und zerbrechliche Art der Ästhetik.

Andererseits bricht Nao diese Vergänglichkeit immer wieder mit pompösen und extravaganten Abschnitten, die teilweise das ein oder andere abstruse Detail beinhalten. Jedoch haben diese beiden Themen gemeinsam, dass Nao es schafft, mit dieser Kombination eine sehr epische Gesamtatmosphäre zu schaffen, sodass man als Leser gerne mal innehält und staunt.

Und auch für die Darstellung von Menschen muss man Nao einfach loben. Denn obwohl er sich dem Manga-Stil bedient, stellt sie die verschiedenen Gesichtszüge und Emotionen deutlich differenzierbarer dar als so manch anderer Mangaka. Zudem wagt sie sich an die Darstellung der Unperfektion von Menschen. So ist der Protagonist in Der Mann, der die Musik sehen konnte ein alter Mann, der jedoch nicht zu übertrieben uralt dargestellt ist, als wäre er dreimal älter als Gandalf, sondern auf eine menschliche Art alt aussieht.

Doch genug der Schwärmerei über den Zeichenstil. Kommen wir zur Handlung. Leider kann diese nicht ganz mit dem Zeichenstil mithalten, denn haut dieser den Leser wirklich vom Hocker, lassen sich die Handlungen der Geschichte eher mit „Unterhaltung der seichteren Art“ zusammenfassen könnte. Die zentralen Themen sind ewige Liebe und, dass jeder selbst seines Glückes Schmied ist. Dementsprechend richtet sich der Manga auch eher an ein weibliches Publikum.

Somit haben die Geschichten Standard-Botschaften, obgleich mir die Umsetzung dieser teilweise recht gut gefiel. Dennoch wird mir Ruinenmärchen wohl kaum wegen der Handlung in Erinnerung bleiben.

Zu guter Letzt muss ich noch einen Kritikpunkt äußern: die Platzierung des Nachwortes. Wer zum Teufel ist auf die absolut bescheuerte Idee gekommen, dass Nachwort in zwei Hälften zu Teilen und die zweite Hälfte (in der die Entstehung der einzelnen Geschichten erläutert wird und somit auch Spoiler vorhanden sind) zwischen die letzte und vorletzte Geschichte zu packen? Und vor allem, wozu? Es macht einfach keinen Sinn.

Abgesehen davon bin ich aber nach wie vor begeistert von dem Zeichenstil. Da die Geschichten allerdings nicht ganz mit diesem mithalten können, kann ich nur 4 1/2 von 5 Kreuzen vergeben.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu „Ruinenmärchen

  1. Ruinenmädchen liegt bereits extrem lange auf meinem SuB…jetzt wo ich deine Rezi gelesen hab sollte ich das dringend ändern. Diese klingt wirklich viel versprechend.
    Habe den Manga vor einiger Zeit geschenkt bekommen… glaube so Anfang 2015.

    Das mit dem Nachwort in der Mitte des Manga hatte ich auch schon xD
    Verwirrt total, da ich ihn das erste mal auf englisch im Internet gelesen habe und die Story da plötzlich nicht mehr weiter ging. Und ich dachte er wäre dort zu ende, was aber keinen Sinn ergeben hätte xD

    Grüße Lilly deine neue Mitleserin

    1. Du bist auch direkt mal in meine Feed-Sammlung gewandert. 😉 Ja, das mit dem Nachwort ist wirklich etwas verwirrend und ich kann mir vorstellen, wie schlimm das erst ist, wenn man keine physische Ausgabe in der Hand hält. x.x

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