Full Dark, No Stars

wpid-20141221_110410.jpgOriginaltitel: Full Dark, No Stars

Autor: Stephen King

Verlag: Hodder & Stoughton

Genre: Anthologie, Englisch, Mystery, Thriller

Seitenzahl: 453 (inklusive Nachwort)

Erscheinungsjahr (diese Edition): 2011

Nach Carrie wurde es mal wieder Zeit für ein wenig Stephen King und auch diesmal habe ich mich in der Originalsprache an diese kleine Sammlung von Kurzgeschichten heran gewagt. Der Klappentext des Buches, das im Deutschen unter dem Titel Zwischen Nacht und Dunkel erschienen ist, besagt Folgendes:

What tips someone over the edge to commit a crime?

For a Nebraska farme, the turning point comes when his wife threatens to sell off the family homestead.

A cozy mystery writer plots a savage revenge after a brutal encounter with a stranger.

Harry Streeter gets the chance to cure himself from illness – if he agrees to impose misery on an old rival.

And Darcy Anderson discovers a box containing her husband’s dark and terrifying secrets – he’s not just the man who keeps his nails short and collects coins. And now he’s heading home…

‚Fine stories to take with us into the night‘ Neil Gaiman, GUARDIAN

‚An extraordinary collection, trhillingly merciless and a career high point‘ Matt Thorne, SUNDAY TELEGRAPH

Wer beim Namen Stephen King sofort Horror erwartet, sollte an dieser Stelle sofort kehrtmachen. Denn Full Dark, No Stars lässt sich nicht wirklich als Ansammlung von Horror-Geschichten bezeichnen, obgleich die Szenarien für jeden von uns in der Realität wohl der Horror wären.

Wie bereits die Frage im Klappentext ankündigt, verbindet die vier ersten Geschichten die Tatsache, dass die Protagonisten alle auf die ein oder andere Art ein Verbrechen an einem anderen Menschen verüben. Doch lasst uns die Geschichten einmal differenziert betrachten:

1922

Wie bereits der Name dieser Geschichte vermuten lässt, spielt sie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf einer Farm. Das Setting ist also sehr auf diese „sturer Farmer“-Mentalität als Grundhaltung der Bevölkerung fixiert. Im Grunde wird geschildet, wie das Leben eines Farmers weitergeht, nachdem er seine Frau ermordet hat. Allerdings zieht sich die Handlung ziemlich und an einigen Stellen steht der Ekel-Faktor doch stark im Vordergrund. Wobei ich nicht weiß, ob ich dadurch, dass ich selbst mit Kühen aufgewachsen bin, durch die Dinge, die mit den Kühen passieren, stärker geschockt werden konnte als der 08/15 Leser, weil ich mir die betreffenden Passagen wirklich sehr leicht bildlich vorstellen konnte.

Big Driver

In dieser Geschichte spielt eine Vergewaltigung eine ziemlich große Rolle. Falls jemand also ein Problem mit dieser Thematik hat, sollte er Big Driver lieber überspringen. Alle Anderen können bei dieser Geschichte verfolgen, wie die Autorin Tess mit ihrem Erlebnis umgeht. Doch auch bei dieser Geschichte wurde ich nur kaum mitgerissen. Zwar zog sie sich nicht so sehr wie 1922, jedoch hatte ich ernsthafte Probleme, mich auch nur irgendwie mit Tess zu identifizieren. Und auch das Ende hat mich in der Form nicht wirklich zufriedenstellen können.

Lustigerweise hatten King und ich in dieser Stelle aber einen ähnlichen Gedankengang. Ohne großartig zu spoilern, sei gesagt, dass an einer Stelle der Handlung etwas erwähnt wird, dessen tatsächliche Gestalt sich erst später im Handlungsverlauf offenbart. Als dieses Etwas zum ersten Mal erwähnt wurde, dachte ich mir „Hey, es wäre ja lustig, wenn dieses etwas sowas wäre wie …“ und was war es? Tatsächlich das, was ich mir anstelle der Punkte gedacht habe.

Fair Extension

Die dritte Geschichte konnte mich aber nun endlich mitreißen. Die Handlung wird durch den Klappentext bereits recht gut wieder gegeben. King hat mit dieser das Rad zwar nicht neu erfunden, die Thematik getreu dem Motto „Es kommt anders, als man denkt“ aber wirklich sehr spannend umgesetzt. Einzige Kritikpunkte sind, dass ich mir einen deutlicheren inneren Konflikt des Protagonisten gewünscht hätte und mir das Ende weniger offen gewünscht hätte. Jedoch kann ich verstehen, warum King sich für ein derartig offenes Ende entschieden hat, denn in der Geschichte selbst hat er immer wieder auch reale Ereignisse als zeitliche Einordnung einfließen lassen.

A Good Marriage

Diese Geschichte habe ich wirklich verschlungen. Wieder wird der Inhalt sehr gut durch den Klappentext zusammengefasst und obwohl ich weniger Gemeinsamkeite mit Darcy als mit Tess aus Big Driver habe, konnte ich mich mit Darcy weitaus besser identifizieren. Es ist einfach nur unglaublich spannend, wie King mit der Problematik spielt und dabei eindrücklich zeigt, wie unterschiedlich Täter und Opfer eine Alltagssituation wahrnehmen können. Das Ganze krönt King mit einem Abschluss, auf den ich persönlich nie gekommen wäre, der aber perfekt zur Geschichte passt.

Nach dem Nachwort von Stephen King, geht es weiter mit

Under the Weather

Diese Geschichte ist erst nach dem Nachwort abgedruckt, da sie eine Bonus-Geschichte für die Neuauflage ist. Wie auch in der englischen Originalausgabe ist sie auch in der deutschen Übersetzung nicht enthalten. Dass sie nicht zu den anderen Geschichten „gehört“ merkt man dieser Geschichte durchaus an, da es Interpretationssache ist, ob es sich wirklich um ein Verbrechen handelt. Zu beginn der Handlung war ich noch ein wenig skeptisch, aber King führt den Leser geschickt zu einem gewissen Punkt, an dem Leser bereits den Kern der Handlung begreift, noch bevor der Protagonist dies getan hat und ab diesem Punkt setzen sich die vorherigen Bruchstücke wie ein Puzzle zusammen, sodass ein geniales Gesamtbild entsteht. Diese Geschichte ist wirklich ein mehr als gelungener Abschluss für die Anthologie.

Insgesamt haben sich die Geschichte also jeweils gesteigert, wobei mich die letzteren dermaßen begeistert haben, dass sie die ersten beiden soweit aufwiegen konnten, dass ich 4 von 5 Kreuzen vergebe.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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