The Chronicle of the Clueless Age

wpid-20150325_110908.jpgOriginaltitel: Shonen Shojo Hyoryuki

Mangaka: Usamaru Furuya

Autor: Otsuichi

Verlag: Egmont Manga

Genre: Mystery, Anthologie

Seitenzahl: 287 (inklusive Anhang)

Erscheinungsjahr(DE): 2013

Schon vor einiger Zeit habe ich diese – mehr oder weniger – Anthologie entdeckt und jeder, der diesen Blog auch nur im Ansatz verfolgt, kann ahnen, warum ich sie mir kaufen musste. Genau. Otsuichi. Der Klappentext besagt Folgendes:

Dies sind die Chroniken einer außergewöhnlichen Zeit: Acht Jugendliche schreiten in diesem prächtigen Mangaband durch die Irrungen und Wirrungen ihrer Teenagerseele – ohne zu ahnen, wohin sie die Reise führen wird … Freuen Sie sich auf surreales und fesselndes Leseerlebnis der beiden japanischen Meisterautoren Usamaru Furuya (Der Selbstmordclub, Tokyo Inferno) und Otsuichi (Goth, Can you hear me?).

Beginnen wir mit dem Klappentext und der Gestaltung. Zunächst einmal stellt sich mir hier die Frage, wer zur Hölle einen dermaßen formellen Klappentext geschrieben hat? Gut, dieser Manga richtet sich schon an eher nachdenklich veranlagte Menschen, aber muss man deswegen gleich versuchen, irgendwelche Business-Menschen mit der Formulierung des letzten Satzes anzulocken?

Entfernt man den Schuber...

Entfernt man den Schuber…

...sieht man die Gegenstände

…sieht man die Gegenstände

Abgesehen von diesem merkwürdig wirkenden Klappentext ist die äußere Gestaltung dieses Mangas allerdings sehr intelligent gelöst. Nimmt man den Manga nämlich aus dem Schuber heraus, dessen Zweck es wohl ist, den für einen Manga doch verhältnismäßig stolzen Preis von 15€ zu rechtfertigen, entdeckt man auf dem Manga etliche reale und surreale Gegenstände, die auf den ersten Blick in keinerlei Beziehung zueinander stehen. Doch nachdem man den Manga gelesen hat, kann man den Sinn dieser Gestaltung verstehen.

Einziger Kritikpunkt an dieser cleveren Gestaltung ist allerdings die Art, wie die Namen Otsuichis und Furuyas überall angeordnet wurden. Denn sowohl auf dem Schuber als auf auf dem Buchrücken des eigentlichen Mangas steht Furuya x Otsuichi x Usamaru. Und ich bin wohl nicht die Einzige, die bei dieser Schreibweise an drei beteiligte Autoren bzw. Mangaka denkt. Da hat der Layouter wohl nicht den Klappentext gelesen und den armen Furuya zu zwei Personen gemacht.

Der Zeichenstil umfasst ein recht großes Spektrum an Ausführlichkeit, sodass sich sowohl auf das nötigste beschränkte Zeichnungen als auch gigantische Darstellungen von Drachen finden lassen. Allerdings scheint Furuya eine Vorliebe dafür zu haben, unperfekte Menschen zu zeichnen. Er lässt die Protagonisten schwitzen, übergewichtig oder einfach nur hässlich sein, wobei die Hässlichkeit nicht etwa von Narben sondern von schlichtweg hässlichen Gesichtszügen rührt. Damit stehen die Figuren dieses Manga im krassen Widerspruch zu den uns deutschen Lesern bekannten Protagonisten, die entweder sowieso perfekt aussehen oder durch ihre Schönheitsmakel nicht hässlich werden (man denke hierbei an Keinzell aus Übel Blatt).

Insgesamt wurde der Manga recht sauber lektoriert, wenn man von einem Fehler absieht, der wirklich ins Auge sticht: Das Wort „dritte“ wurde bei zwei Kapitel-Überschriften „DRITE“ geschrieben. Das mag nicht dramatisch klingen, ist aber mehr als kurios, wenn das eigene Gehirn anstatt ein „T“ zu ergänzen einfach das Wort „Brite“ daraus macht.

Die einzelnen Geschichten des Mangas sind in Acht Episoden aufgeteilt, die man unabhängig voneinander lesen kann und die sich über ein bis zwei Kapitel erstrecken. So gesehen ist dieser Manga also eine Anthologie. Doch die neunte und letzte Episode, in der ein entscheidener Hinweis aufgelöst wird, der sich durch mehrere der vorherigen Episoden zieht, verbindet die acht Episoden auf eine so geniale Art und Weise, dass ich wirklich begeistert war.

Thematisch behandeln die acht ersten Episoden jeweils einen Jugendlichen. Sie haben die verschiedensten Schicksale und Erlebnisse, ähneln sich jedoch in den Punkten, dass sie sich alle in ihre ganz eigene Fantasie-Welt zurückziehen, um ihre Probleme zu umgehen oder zu rechtfertigen. Hierbei ist der Unterschied zwischen Fantasie und Realität zu Beginn noch relativ deutlich, während die Grenzen in den späteren Episoden immer mehr verschwimmen. Zudem sind die meisten der Protagonisten Außenseiter oder haben einen Schicksalsschlag erlitten und nicht jede Episode bietet auch ein Happy End.

Durch die Vermischung von Realität und Fantasie der Jugendlichen bleibt viel Platz für Interpretationen zu den einzelnen Episoden, weswegen ich nur auf die fünfte Episode, Das Süßigkeitenimperium, etwas näher eingehen möchte. Denn hier muss ich doch den Zeigefinger eines Moralapostels erheben, da in der Episode eine Essstörung zu sehr verharmlost wird, da die Episode ein Happy End hat, was eigentlich gar kein Happy End sein sollte, weil das Mädchen ihre Essstörung noch immer mit sich rumschleppt und sie nur auf andere Art und Weise auslebt (und dabei noch von ihrem Umfeld unterstützt wird).

Nachdem mit der neunten Episode ein wie bereits erwähnt absolut geniales Ende gefunden wurde, erfährt man im Anhang in Form eines Dialogs zwischen Otsuichi und Furuyama noch einige Hintergründe der einzelnen Episoden und so manches Detail aus der Jugend der beiden. Um sich nicht zu spoilern, sollte man den Anhang aber wirklich zuletzt lesen.

Insgesamt ist The Chronicle of the Clueless Age also für all diejenigen lesenswert, die sich auch manchmal ein wenig verloren in der Gesellschaft fühlen und eher zum nachdenklicheren Typ Mensch gehören. Man muss sich auf die Geschichten einlassen können, um wirklich Freude an ihnen finden zu können. Wenn man dazu aber in der Lage ist, findet man in dieser – mehr oder weniger – Anthologie eine Ansammlung verschiedenster Geschichten, mit denen man sich mal mehr, mal weniger identifizieren kann. Deshalb vergebe ich 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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