Tsumitsuki

wpid-20150214_183619.jpgOriginaltitel: Tsumitsuki

Mangaka: Hiro Kiyohara

Verlag: Egmont Manga

Genre: Mystery, Horror, Fantasy

Seitenzahl: 195

Erscheinungsjahr (Original): 2009

Tsumitsuki, was übersetzt so viel wie Sündendämonen heißen soll, ist Kiyoharas Debüt als alleiniger Schöpfer eines Manga und jeder, der diesen Blog ein wenig mitverfolgt, dürfte merken, dass ich mich schon längst an seinen Zeichenstil gewöhnt habe, sodass ich mir diesen Einzelband allein wegen des Mangaka kaufen musste. Der Klappentext besagt Folgendes:

Chinatsu ist neu in der Stadt. In einem kleinen Schrein begegnet sie Kuroe, der ihr von der uralten Legende der Tsumitsuki erzählt: Das sind Sünden-Götter, die nach Schuldgefühlen von Menschen jagen, die ein Verbrechen begangen haben. Sie verfluchen die Sünder und dringen in ihr Innerstes ein. Wird auch sie Teil der Legende?

Bei diesem Klappentext stellt sich mir bereits die Frage, ob die dafür verantwortliche Person überhaupt den Manga gelesen hat. Denn abgesehen davon, dass mehrfach betont wird, dass die Tsumitsuki keine Götter sonder Dämonen sind (und für Sünden-Götter der Begriff Tsumigami verwendet wird), impliziert dieser Klappentext auch falsche Erwartungen.Denn Chinatsu ist keineswegs die Protagonistin des Mangas. Zwar spielt sie eine größere Rolle als die meisten anderen Charaktere, jedoch spielt Kuroe die tatsächliche Hauptrolle. Und die von den Tsumitsuki angefallenen Oper haben in der Regel auch keine Verbrechen begangen – zumindest nicht, bevor die Tsumitsuki sich eingenistet haben.

Abgesehen davon ist die Frage am Ende des Klappentextes, die wohl sowas wie Spannung erzeugen soll, mehr als überflüssig. Wenn der Klappentext so fragt, dann wird es in dem Manga bestimmt darum gehen, wie Chinatsu nach der Begegnung mit Kuroe sich in ’ner FastFood-Bude was zu essen kauft.

Doch kommen wir zum Manga an sich. Was mir direkt ins Auge gefallen ist, ist Kiyoharas Zeichenstil. Denn diesmal ist es nicht bloß Kiyoharas typischer Stil, bei dem es nicht zu viele und nicht zu wenige Details gibt, sondern eine richtige Kür seiner Fähigkeiten. Besonders was die Gesichtszüge angeht, legt Kiyohara für ihn außergewöhnlich viel Wert auf Feinheiten und Details, was wohl daran liegt, dass es sich hierbei um sein erstes komplett eigenes Werk handelt.

Der Manga beinhaltet vier Kapitel, die alle den Namen eines Mädchens tragen, sowie ein Sonderkapitel am Ende, das Kapitel 0, das einfach nur „Kuroe“ heißt. Das erste Kapitel erlebt man noch aus der Sicht Chinatsus und erlebt mit ihr direkt den ersten Todesfall des Mangas. Dann soviel darf man verraten: Das Sterben ist maßgeblicher Bestandteil von Tsumitsuki.

So entwickelt sich im ersten Kapitel also ein Handlungsstrang, in dem Chinatsu und Kuroe die Hauptpersonen sind. Und dann kam das zweite Kapitel und der Handlungsstrang riss ab. Plötzlich waren da komplett andere Charaktere, die zwar auf dieselbe Schule wie Chinatsu zu gehen scheinen, allerdings haben sie ansonten absolut nichts mit dem ersten Kapitel zu tun. Und ebenso ist es im dritten Kapitel. Einzig Kuroe und seine namenlose Begleiterin, eine Füchsin, bleiben dem Leser als Orientierungspunkt erhalten.

Zu den Charakteren lässt sich sagen, dass man sich ziemlich schnell daran gewöhnt, zu den Nebencharakteren keine zu große emotionale Bindung aufzubauen, da diese nach dem Kapitel meist sowieso nicht wieder auftauchen, während man Kuroe schlecht einschätzen kann. Mal ist er sympathisch, mal absolut unsympathisch. Letztendlich hängt wohl vom Leser ab, ob Sympathie oder Antipathie überwiegen. Bei mir persönlich ist es bis zum Schluss undeutlich geblieben.

Erst im vierten Kapitel trifft man Chinatsu nach einem Jahr wieder und der Handlungsstrang zwischen ihr und Kuroe wird aufgelöst, wobei ich mir doch ein anderes Ende gewünscht hätte. Im letzten Kapitel erhält man dann noch ein paar Hintergrundinformationen zu Kuroe, die mögliche Antipathien wohl ein wenig abschwächen, bei mir aber noch immer keine eindeutige Sympathie hervorrufen. Dieses letzte Kapitel scheint auch das diskussionswürdigste des Mangas zu sein, denn gerade das Verhältnis zwischen Kuroe und Kuzuha, einer Frau, die sein Leben maßgeblich verändert hat, ist äußerst interessant.

Generell kann man sagen, dass Tsumitsuki eine Mischung aus einer düstereren Variante von Die Schokohexe und Another ist. Einerseits wird die Thematik der zum Schutz der anderen abgewiesenen Freundschaft und der Ausgrenzung durch die Schulklasse aus Another aufgegriffen, andererseits erinnert das Episodenformat, in dem eine Art übernatürlicher Richter und sein tierischer Begleiter die Verbindung zwischen den Geschichten herstellt, stark an Die Schokohexe (wobei diese im Gegensatz zu Another erst nach Tsumitsuki publiziert wurde).

Mit Tsumitsuki hat Hiro Kiyhohara also ein recht passables Debüt hingelegt, obgleich von der Geschichte her noch weitaus mehr hätte gemacht werden können, indem der im letzten Kapitel dargestellte Handlungsstrang noch hätte weiter ausgebaut werden können und auch der von Kiyohara im Nachwort erwähnte Handlungsstrang, der die Anwesenheit der Füchsin erklärt hätte, aber weggekürzt wurde, hätte dem Manga sicherlich gut getan. Aber zumindest hat Kiyohara verstanden, dass man mit einem solchen Episodenformat lieber nur einen Einzelband füllt und keine endlose Reihe beginnt.

Bereut habe ich den Kauf dieses Mangas also nicht, denn allein der Zeichenstil war mir das Geld schon wert. Aber auch über diesen habe ich etwas gelernt: So sehr ich Kiyoharas Zeichenstil auch liebe, er kann einfach keine Katzen zeichnen. Dämonen, Füchse, kein Problem, aber Katzen sehen bei ihm einfach nur aus wie missratene Hunde.

Insgesamt ist Tsumitsuki also ein netter Manga für zwischendurch, wenn man einen stilistisch und thematisch stark an Another erinnernden Einzelband lesen möchte. Allerdings verpasst man auch keinen weltbewegenden Manga, wenn man Tsumitsuki nicht liest. Daher vergebe ich 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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