Sherlock Holmes – The Adventures & Memoirs

Foto-1169Originaltitel: Sherlock Holmes – The Adventures & Memoirs

Autor: Sir Arthur Conan Doyle

Verlag: Galley Press*

Genre: Krimi, Klassiker, Anthologie

Seitenzahl: 556

Erscheinungsjahr (diese Ausgabe): 1988

Bei dieser Ausgabe, die ich bereits im Sommer 2013 auf einem Flohmarkt in England erwarb, handelt es sich um die bereits zu Doyles Zeiten als jeweils ein Sammelband veröffentlichten Adventures und Memoirs, die beide eine Ansammlung verschiedener Geschichten rund um den Detektiv Sherlock Holmes beinhalten. Wie man am Erscheinungsjahr meiner Ausgabe vielleicht erahnen kann, dürfte es allerdings schwierig sein, exakt dieselbe Ausgabe zu erwerben.

Der Klappentext dieser Ausgabe beinhaltet jedoch nur eine Beschreibung der The Golden Heritage Series, in deren Zuge der Verlag Ende der 1980-er wohl viele ältere Werke von Rang und Namen (darunter Werke Poes und Dickens‘, sowieo Geschichten wie Dracula und Frankenstein) neu aufgelegt hat.

Da die beiden Sammelbände jedoch längst nicht alle Holmes Geschichten beinhalten, sollte man, hat man Interesse daran, eine vollständige Sammlung aufzubauen, beachten, welche Geschichten enthalten sind** und welche nicht.Doch was kann man groß über Sherlock Holmes sagen? Über die Figur, die auch heute noch als Synonym für „den typischen Detektiv“ verwendet werden kann?

Nun, zunächst sollte man wohl eine Warnung aussprechen. Denn so gern man modernere Adaptionen des Sherlock-Holmes-Mythos, die momentan wie Sand am Meer vorzufinden sind, auch haben mag, so muss das noch längst nicht heißen, dass man auch mit dem Original etwas anfangen kann. Denn auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als könnten sich die heutigen Adaptionen gar nicht so weit vom Original abweichen wie Twilight von Dracula abweicht, so ist der ursprüngliche Sherlock Holmes heutzutage wohl ebenso wenig für die breite Masse tauglich wie der rothaarige Vampir.

Bereits nach ein paar Geschichten spürt man als Leser deutlich den Poe’schen Einfluss, denn die Figur des Sherlock Holmes ähnelt deutlich der des Dupin, den man beispielsweise aus den Morden in der Rue Morgue kennt. Doch Doyle hat den Charakter des berechnenden, scheinbar allwissenden Detektivs noch weiter auf die Spitze getrieben – und sich dadurch gleichzeitig dem Leser genähert. Denn während bei Poe die Schlussfolgerungen nicht immer deutlich nachvollziehbar waren, verdeutlicht Doyle an jeder möglichen Stelle – handele es sich gerade um einen Fall oder aber bloß eine private Unterhaltung – worauf Holmes‘ logische Schlussfolgerungen aufbauen.

Zwar kann der Leser auch hier nur in den wenigsten Fällen wirklich mitraten, denn oftmals breitet Holmes die wichtigen Details und die daraus resultierenden Schlussfolgerungen in nahezu einem Atemzug aus, aber so lässt sich seine Denkweise zumindest retrospektiv nachvollziehen.

Die verschiedenen Geschichten, in denen meist Holmes Ermittlungsarbeit, gelegentlich aber auch die Ereignisse selbst, im Vordergrund stehen, lassen sich oftmals grob in drei Abschnitte teilen:

Zunächst stößt Holmes auf einen neuen Fall oder beginnt Watson von einem vergangenen Fall zu berichten. Es beginnt zumindest immer mit einer Art Einleitung, die die bisherigen Ereignisse und Holmes erste Schritte in dem Fall, die oftmals aus einer Zugfahrt bestehen, darstellt.

Anschließend folgt der Mittelteil. Dieser beinhaltet meist die genaueren Ermittlungstechniken Holmes‘ und fällt gelegentlich weniger spannend aus.

Doch hat man diesen Teil erstmal durchlebt, folgt das Finale, bei dem Holmes die Gründe für seine Ermittlungsschritte gegenüber Watson offen legt und das Problem so löst, wie er es mit seinem Gewissen am besten vereinbaren kann, sodass nicht jede Geschichte zwingend mit der Verhaftung des vermtilich Bösen endet.

Wie wohl aus dem Titel meiner Ausgabe hervorgeht, habe ich die Kurzgeschichten auf Englisch gelesen und auch hier muss man sich darauf einstellen, dass es sich nicht zwingend um die leichteste Lektüre handelt. Wer sich aber die Mühe macht, findet schnell gewisse Formulierungen, die Doyle immer wieder verwendet. So verwendet er bei Aufforderungen äußerst gerne „Pray“ und scheint eine Vorliebe für die Verben „to cry“ und „to ejaculate“ zu haben. Zudem stach mir die Schreibweise „to-morrow“ immer wieder ins Auge, wobei ich mir hier nicht sicher bin, ob dies nicht vielleicht auch ein meiner Ausgabe liegen könnte, die im Übrigen gelegentlich fehlende Anführungszeichen aufweist.

Zu den Charakteren lässt sich sagen, dass Holmes und Watson erst durch ihre Kombination so richtig sympathisch werden. Betrachtet man Watson für sich, so ist er im Grunde nur ein Arzt, der seine eigenen Bedürfnisse scheinbar zu oft in den Hintergrund stellt, in Kombination mit Holmes zeigt sich jedoch, dass er der loyale Freund ist, den Holmes braucht, um seine menschliche Seite überhaupt zulassen zu können. Für sich würde Holmes dem Leser wohl weitaus unsympathischer sein, da man erst durch die Perspektive Watsons die menschliche Seite, die auch Emotionen beherbergt, des Detektivs kennenlernt.

Auf die verschiedenen Geschichten im Einzelnen werde ich weniger eingehen, denn da gibt es selbstverständlich bessere und schlechtere und doch ist es jedes Mal eine subjektive Ansicht. Die letzte Geschichte der Memoirs jedoch muss ich wohl als zu vorhersehbar kritisieren. Denn in The Final Problem merkt man einfach, wie Doyle keine Lust mehr auf seinen Helden hatte, und ihn deswegen auf ziemlich vorhersehbare und heutzutage klischeehafte Art und Weise zwanghaft „zur Ruhe setzt“, um mal nicht zu viel zu spoilern, wobei wohl allgemein bekannt ist, dass Doyle später doch noch weitere Geschichten verfasst hat, um die zahlreichen Fans zufrieden zu stellen.

Dennoch stellt Sherlock Holmes – The Adventures & Memoirs eine interessante Ansammlung von verschiedensten Geschichten dar, die einen guten Überblick über Holmes Arbeitsweise verschafft. Da es sich aber bei Sherlock Holmes im Allgemeinen nicht unbedingt um Werke für jedermann handelt und deswegen bei der Entscheidung, diese zu lesen, durchaus vorsicht geboten ist, Doyles Formulierungen an manchen Stellen doch abwechslungsreicher hätten sein können und ich bei so manchem Mittelteil der Geschichte angefangen habe, zum Inhaltsverzeichnis zu blättern, vergebe ich insgesamt 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

*Der Verlag Galley Press lässt sich heutzutage nicht eindeutig im Internet finden. Bei der Suche über Google wird man lediglich auf die Verläge Galley Beggar Press und Gallery Press aufmerksam gemacht. Ob es sich bei erst Genanntem allerdings um den Nachfolger des Galley Press handelt, entzieht sich meiner Kenntnis.

**The Adventures of Sherlock Holmes enthalten die folgenden Kurzgeschichten:

A Scandal in Bohemia

The Red-headed League

A Case of Identity

The Boscombe Valley Mystery

The Five Orange Pips

The Man with the Twisted Lip

The Blue Carbuncle

The Engineer’s Thumb

The Noble Bachelor

The Beryl Coronet

The Copper Beeches

Und The Memoirs of Sherlock Holmes beinhalten folgende Geschichten:

Silver Blaze

The Yellow Face

The Stockbroker’s Clerk

The „Gloria Scott“

The Musgrave Ritual

The Reigate Squires

The Crooked Man

The Resident Patient

The Greek Interpreter

The Naval Treaty

The Final Problem

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