Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell

wpid-20150104_215928.jpgOriginaltitel: A Game of Thrones

Autor: George R.R. Martin

Verlag: blanvalet

Genre: Fantasy

Seitenzahl: 514 + Anhang

Erscheinungsjahr (Original): 1996

Auch der Klappentext des zweiten Bandes der Das Lied von Eis und Feuer-Reihe ist so nichtssagend wie die des ersten, aber was hätte man auch anderes erwarten können, handelt es sich bei diesem doch um die zweite Hälfte des ersten Originalbandes? So lautet der Klappentext wieder folgendermaßen:

Das größte Epos unserer Zeit

Zweites Buch: Das Erbe von Winterfell

>>Das ist erstklassige Fantasyliteratur. Ich kann mir kein größeres Lesevergnügen vorstellen.<< Denis Scheck in Druckfrisch

Vollständig überarbeitete Neuausgabe

Übersetzt von Jörn Ingwersen

Im zweiten deutschen Band spitzen sich die Ereignisse, die sich im ersten Band noch vage abgezeichnet haben, immer weiter zu. Hierbei liegt der Fokus zwar noch immer auf den Starks und Daenerys, doch auch die Lennisters werden immer mehr thematisiert, was auch die Cover-Gestaltung bereits vermuten ließ. So gesehen ließe sich hierin also ein – wenn auch sehr schwaches – Argument für die Zweiteilung des Originals finden, allerdings bleibt nach wie vor fraglich, wie sinnvoll es ist, Geschichten, die nie hätten getrennt werden sollen, einfach zu zerreißen.

Wie bereits erwähnt, spitzen sich die Ereignisse weiter zu und das an allen Fronten. Was das konkret bedeutet, kann man kaum sagen ohne zu spoilern, doch so viel sei verraten: Es gibt einige Tote, bei manchen hiervon hätte ich das wirklich noch nicht erwartet, und der Krieg in Westeros beginnt, wobei es sich langfristig keineswegs um einen Kampf nach dem klassischen Schema „Gut gegen Böse“ handeln wird.

Dass dem nicht so ist, hängt auch von der Erzählweise Martins ab. Wie bereits erwähnt, rücken die Lennisters mehr und mehr in den Vordergrund, was vor allem durch die Sicht Tyrions geschieht. Da diese, wie sollte es auch anders sein, auch in die Schlachten verwickelt sind, bekommt man so Einsichten aus den verschiedensten Blickwinkeln der Beteiligten. Einerseits macht das die Kämpfe für mich persönlich um einiges spannender, da man so nicht zwingend für die eine Seite mitfiebern muss, sondern das Beste für beide Seiten hoffen kann, was den Charakter von Kriegen weitaus besser widerspiegelt als ein „Gut-Böser“-Frontverlauf.

Andererseits haben die häufigen Perspektivenwechsel auch ihre Tücken. Das mag wohl auch vom jeweiligen Leser abhängen, aber ich gehöre zu der Fraktion, die sich beim Lesen auch immer wieder in Erinnerung ruft, wie viel die jeweiligen Charaktere denn nun von welchen Ereignissen wissen und wie sich ihr Wissenstand von meinem unterscheidet, damit ich ihre Handlungsweisen besser nachvollziehen kann. Nun ist es aber so, dass bei den Perspektivenwechseln allerdings nicht immer deutlich gemacht wird, wie viel man in der „neuen“ Perspektive denn nun von dem weiß, was die gerade abgelegte Perspektive gerade getan hat, weswegen ich mich so manches mal gefragt habe, woher die Charaktere plötzlich Dinge wissen, die ich gerade eben selbst erst erfahren habe. Natürlich wäre es langweilig, wenn man in jedem Kapitel die Handlung der vorherigen Kapitel zusammengefasst bekäme, aber wenn die Charaktere immer genau so schlau sind wie man selbst, fehlt einfach das Privileg des Lesers, dem ein oder anderen einfach mal voraus zu sein.

Ein weiterer Knackpunkt den die Perspektivenwechsel mit sich bringen, ist der teilweise radikale Wechsel von Handlungssträngen. Denn auch wenn durch die ersten Schlachten des drohenden Krieges so einige Perspektiven an einem Ort zusammengeführt wurden, haben sich doch noch längst nicht alle Handlungsstränge vereint. Und wenn gerade ein nicht unwichtiger Charakter gestorben ist, dann will ich verdammt nochmal nicht sofort den Kontinent wechseln und so tun als sei nichts.

Dementsprechend war ich bei solchen Situationen schnell mal raus aus der Geschichte, sodass sich mein Lesetempo zunächst auch ein wenig schleppte. Allerdings muss ich Martin dann doch dafür loben, dass die letzten 200 Seiten wirklich enorm an Spannung zugelegt haben, besonders im Vergleich zum ersten deutschen Teil. Meinen „Sprint zum Ziel“ des Buches habe ich diesmal wirklich deutlicher gespürt als beim ersten Teil. Und dennoch ist das Ende kein Abschluss, sondern eine Reihung von teilweise wirklich miesen Cliffhangern für jeden Handlungsstrang. Besonders der Cliffhanger der Daenerys Sicht ist extrem mies.

Insgesamt lässt sich sagen, dass der zweite Band vom Spannungsgehalt weitaus besser ist als der erste Band, was natürlich auch an der Zweiteilung der deutschen Ausgabe liegt, allerdings habe ich persönlich eben diese beiden Kritikpunkte, die die Erzählperspektive mit sich bringt und auch die Cliffhanger aller Handlungsstränge haben meine Begeisterung ein wenig geschmälert, weswegen es wieder 4 1/2 von 5 Kreuzen gibt.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

 

Weitere Bände

Die Herren von Winterfell

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5 Kommentare zu „Das Lied von Eis und Feuer – Das Erbe von Winterfell

  1. Na ja, dass die Figuren irgendwelche Sachen in Erfahrung bringen, die auf der anderen Seite der Welt passieren, wird den vielen Boten und Spionen geschuldet sein. Was zum Beispiel Daenerys am anderen Ende der Welt geschieht, wird durch einen Informanten weitergegeben.

    Insgesamt bin ich ein Fan der vielen Perspektivwechsel, nur Brans Erzählstrang finde ich eher langweilig 😀

    1. Dass jeder seine Quellen hat, ist mir auch klar, aber ich würde trotzdem gerne wissen, ob derjenige, dessen Sicht man gerade annimmt, schon weiß, ob Person XY tot ist. D:

      Brans Erzählstrang mag ich eigentlich recht gerne. Welcher wäre denn dein Favourit?

      1. Das stimmt, nur hin und wieder wird klar, wenn Leute etwas erfahren. Ich finde das bei Daenerys immer ziemlich stark, da da die Infos immer recht zeitversetzt sind (z.B. dass sie schwanger ist im ersten Band).

        Es kommt natürlich immer ganz darauf an, was so gerade um die Personen los ist, aber Tyrion mag ich meistens am liebsten. Ich finde seinen Humor einfach klasse^^

  2. Ich fand das Buch auch wirklich gut und recht spannend. Die Reihe steigert sich dann aber noch weiter. Ich habe zuletzt Band 6 gelesen und der war wirklich…uff.

    LG
    Anika

    1. Ave,
      das ist gut zu wissen, dass die Reihe noch besser wird. Jetzt habe ich nicht mehr ganz so sehr das Gefühl, einen riesigen Berg vor mir zu haben. ^^

      Mit freundlichen Grüßen,
      Seitenfetzer

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