Im Westen nichts Neues

wpid-20141109_201656.jpgOriginaltitel: Im Westen nichts Neues

Autor: Erich Maria Remarque

Verlag: KiWi

Genre: Gesellschaftskritik, Klassiker

Seitenzahl: 325 (davon 63 Anhang)

Erscheinungsjahr (Erstausgabe der Buchform): 1929

Nachdem der erste Weltkrieg schon vor einiger Zeit in der Schule durchgekaut wurde und das Ansehen des Filmes im Klassenverband dementsprechend auch ein Weilchen her war, habe ich mich endlich dazu hinreißen lassen, Im Westen nichts Neues zu lesen. Der Klappentext meiner Ausgabe, deren äußeres Erscheinen in gewisser Weise zum Inhalt passt, besagt Folgendes:

Mit diesem sensationellen Erfolgsroman begründete Erich Maria Remarque seinen Weltruhm und schuf ein zeitlos gültiges Bild der Schrecken des modernen Krieges. Zum hundersten Jahrestag des Kriegbeginns 1914 erscheint diese Neuausgabe mit einem umfassenden Nachwort zur Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte in der textkritisch durchgesehenen Fassung der Erstausgabe.

>>Ein vollkommenes Kunsterwerk<< Stefan Zweig

>>Dieses Buch hat den Friedensnobelpreis verdient.<< Hamburger Abendblatt

>> >Im Westen nichts Neues< ist ein in seiner Art vollendetes Buch: Klar und einfach, dramatisch und anschaulich, rührend und erschütternd.<< Marcel Reich-Ranicki

Wie bereits erwähnt, gefällt mir die optische Gestaltung des Buches sehr. Eigentlich ist das Buch sehr simpel und dadurch auf den ersten Blick auch relativ nichtssagend, doch genau deswegen ist es passend. Der handschriftlich wirkende Titel auf dem cremefarbenen Grund lässt mit etwas Fantasie an einen Brief eines Soldaten an der Front erinnern und die sonstige Schlichtheit stellt den Charakter des Romans treffend dar.

Denn simpel und schlicht sind genau die passenden Adjektive für Remarques Werk. Wie im Anhang ausführlich erläutert wird, handelt es sich bei der Buchausgabe bereits um eine stark eingeschränkte Version dessen, was Remarque ursprünglich verfasst hatte, und somit könnte man wohl kritisieren, dass durch die starken Editierungen dem Buch jegliche Authentizität fehlt, doch dem ist nicht so.

Ursprünglich hatte Remarque wohl vor, die Geschichte in eine noch stärkere Anti-Kriegs-Botschaft zu pressen, was zu seiner Zeit trotz der Verluste durch den Krieg äußerst ungewöhnlich war, weswegen der Verlag darauf bestand, die Anti-Kriegs-Botschaft differenzierter darzustellen. Und gerade dieser Schritt macht Im Westen nichts Neues meiner Meinung nach zu etwas Besonderem. Denn eine einseitige Hetzkampagne zu führen, auch wenn sie sich gegen die allgemeine Meinung richten mag, ist doch weitaus platter als das, was auf diese Art geschaffen wurde.

Natürlich ist die Anti-Kriegs-Botschaft noch deutlich erkennbar, wenn man offen auf das Buch zugeht und nicht mit einer vorgefertigten Pro-Kriegs-Meinung die Seiten aufschlägt, doch sie ist eben eher unbewusst. Man begleitet den Soldaten Paul, erlebt den Krieg mehr oder weniger aus seiner Perspektive und erfährt dadurch eben, welche Konsequenzen für den einzelnen Menschen die Entscheidungen von oben haben, aber es werden keine zu großen Hetzreden gehalten. Solche würden die Geschichte schlichtweg zerstören, denn dann würde der Fokus vom Schrecken des Einzelnen, der die Probleme der Masse widerspiegelt, auf eine ethische Grundsatzdiskussion gelenkt werden. Man sollte einfach nicht den Beruf des Autors dazu nutzen, seine eigenen ethischen Ansichten in Hetzreden verpackt durch die eigenen Geschichten sprechen zu lassen und dadurch die Geschichten selbst zu entwürdigen.

Und trotz dass Remarque eine durchaus eindeutige Botschaft hat einfließen lassen, ohne den Leser einer Gehirnwäsche zu unterziehen, gab es noch einen weiteren, grausamen Krieg und gibt es noch heute zu viele Kriege. Und genau aus diesem Grund ist Im Westen nichts Neues nicht nur noch immer aktuell, sondern auch lesenswert – und zwar für jeden. Denn der etwas ältere Jahrgang des Buches ist in diesem Fall wirklich keine Ausrede. Auch wenn Remarque natürlich nicht die heute zeitgemäße Sprache verwendet hat, so ist sie doch noch immer verständlich und trägt eben auch ihren Teil dazu bei, den Leser auf die schlammigen Schlachtfelder an der Westfront zu bringen.

Einen Kritikpunkt gibt es jedoch. Obgleich bei Im Westen nichts Neues das richtige Gleichgewicht zwischen Botschaft und Distanz zu eben dieser gehalten wurde, schafft die Erzählweise, die eigentlich doch sehr nah am Protagonisten ist, es nicht vollständig, den Leser in die Gefühlswelt dessen hineinzuziehen. Ja, ein Stück weit fiebert man durchaus mit, doch es bleibt bis zum Schluss eine gewisse Distanz, sodass auch das Ende des Buches das Gefühl der Leere, dass bei solch einem Ende hätte enstehen müssen, nicht aufkommen will.

Trotzdem ist Im Westen nichts Neues insgesamt ein noch immer aktuelles Anti-Kriegs-Buch, das seine Botschaft indirekt und nicht durch eine ewigdauernde Hetzkampagne vermittelt und auch für den heutigen Leser recht leicht verständlich ist, auch wenn man die Geschichte emotional noch stärker an den Leser hätte binden können.  Daher gibt es 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Advertisements

Meinung schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s