Carrie – Carrie White is no ordinary girl

wpid-20141013_164015.jpgOriginaltitel: Carrie – a novel of a girl with a frightening power

Autor: Stephen King

Verlag: Hodder

Genre: Horror, Thriller, Englisch

Seitenzahl: 242

Erscheinungsjahr (Original): 1974

Meine persönliche Begegnung mit Carrie stand unter einem ganz besonderen Stern, und womöglich werde ich an anderer Stelle noch davon berichten, doch hätte es damals auch jedes andere Buch von Stephen King treffen können, weswegen ich relativ neutrale Erwartungen an Carrie hatte. Der Klappentext, wie auch die mir vorliegende Ausgabe, ist auf Englisch verfasst und besagt folgendes:

There is a reason why Stephen King is one of the bestselling writers in the world, ever. Described by the Daily Mail as ‚blessed with an apparently inexhaustible imagination and talent for storytelling‘, King knows how to write stories that draw you in and are impossible to put down.

Carrie White has a gift – the gift of telekinesis.

To be invited to Prom Night by Tommy Ross is a dream come true for Carrie – the first step towards social acceptance by her high school colleagues.

But events will take a decidedly macabre turn on that horrifying and endless night as she is forced to exercise her terrible gift on the town that mocks and loathes her …

‚You can’t help admirring King’s narrative skills and his versatility as a storyteller‘ SUNDAY TELEGRAPH

‚King’s imagination is vast. He knows how to engage the deepest sympathies of his readers … one of the great storytellers of our time‘ GUARDIAN

Tatsächlich umreißt der mit Presse-Zitaten ausgeschmückte Klappentext grob die Ereignisse des Mittelteils, doch auch wenn dies zunächst den Anschein erweckt, dass die Geschichte damit einen Teil ihres Reizes verliert, wird dieser durch das Vorwissen des Lesers vielmehr ausgebaut.

Carrie erzählt die Geschichte von Carrietta White, einer Halbwaisin, die allein mit ihrer übertrieben religiösen und in gewisser Weise wahnsinnigen Mutter lebt und aufgrund ihrer äußerst unkonventionellen Erziehung das Opfer von Mobbing-Attacken in der Schule wird. Und mit einer dieser Mobbing-Attacken beginnt die fatale Geschichte des Endes von Chamberlaine.

Wie man es beispielsweise von Friedhof der Kuscheltiere gewohnt ist, ist auch Carrie in 3 Abschnitte gegliedert, wobei sich der erste Abschnitt namens Blood Sport bis einschließlich Seite 114 erstreckt, der zweite, Prom Night, bis Seite 231 andauert und der dritte, Wreckage, nur die wenigen übrigen Seiten umfasst und somit schon eher eine Art Epilog darstellt. Innerhalb der Abschnitte gibt es keine wirklichen Kapitel, allerdings Absätze, die aus verschiedenen fiktiven Quellen zur Geschichte von Carrie White stammen. Somit folgt die Handlung also keinem festen Erzählstrang, sondern besteht aus mal wissenschaftlicher, mal biographischer gehaltenen Erzählungen und Theorien, die sowohl die Tragödie selbst, als auch mögliche biologische Ursachen, ins Auge fassen.

Obwohl ich die Geschichte auf Englisch gelesen habe und hierbei schlichtweg zu faul war, andauernd in einem Wörterbuch zu blättern, konnte ich mir die geschilderten Situationen doch sehr gut vor dem geistigen Auge vorstellen. Lediglich bei den detailierteren Beschreibungen für diverse Konstruktionen entglitten mir hin und wieder die Feinheiten, doch der grobe Zusammenhang wurde auch hierbei deutlich. Somit eignet sich Carrie definitiv für Nicht-Muttlersprachler.

Was man jedoch bedenken sollte, ist die Tatsache, dass das Buch ziemlich von dem abweicht, was man so über den Film hört. Wie der Film tatsächlich ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich ihn selbst noch nicht gesehen habe, jedoch habe ich bislang nur gehört, wie er als nicht schlechter und durchaus unheimlicher Horror-Film betitelt wurde. Sollte dies so sein, so ist das Buch doch in gewisser Weise völlig anders. Ja, auch hier gibt es erschreckende Szenen und so Manches kann sich der menschliche Verstand gar nicht vorstellen, solang man nichts Vergleichbares zu Gesicht bekommen hat, doch stellt King ganz klar Carrie selbst in den Vordergrund. Denn obwohl sie im Endeffekt ein Monster ist, lässt King sie dennoch Mensch bleiben und zeigt auf, wie sie zu der wurde, die sie am Ende ist. Hierbei gefiel mir besonders der religiöse Zwiespalt, den Carries Charakter aufweist und der durch den Einfluss ihrer Mutter ausgelöst wurde.

Doch auch die anderen Charaktere waren mir nicht zuwider, auch wenn King den ein oder anderen Klischee-Charakter, wie das verwöhnte, dickköpfige Mädchen aus der Vorzeige-Familie, die selbst dennoch nicht wenig Dreck am Stecken hat, oder den perspektivenlosen Nachwuchs-Kriminellen, der die einzige Möglichkeit, zu innerer Zufriedenheit zu finden, in Autos und illegalen Handlungen sieht. Besonders hervorzuheben ist zudem Susan Snell, die zwar auch nicht völlig von Klischees befreit ist, aber dennoch eine ganz eigene Rolle spielt.

Aber auch wenn die Charaktere etwas klischee-belastet sind, hat King in Carrie ein Meisterwerk geschaffen, was einerseits aus der bereits angesprochenen Erzählweise resultiert, andererseits aber auch an der enormen Spannung liegt. Irgendwann schafft das Buch es einfach, den Leser komplett reinzuziehen. Denkt man im einen Moment noch, dass man ja gerade erst bei der Hälfte ist und wie langatmig die Prom Night doch geschildert sein muss, steckt man im nächsten bereits so tief in der Handlung, dass man das Buch ungern aus der Hand legen will. Man muss einfach wissen, was mit Chamberlaine und Carrie geschieht. Man kann nicht anders.

Und deswegen hat Carrie sich trotz der teils bedienten Klischees 5 von 5 Kreuzen verdient. Weil Carrie fesselt und das Grauen durch ein Monster, das dennoch ein Mensch bleibt, vermittelt. Zudem hat es genau die richtige Länge für eine spannende ein-zwei Abend-Lektüre.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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Ein Kommentar zu „Carrie – Carrie White is no ordinary girl

  1. ich finde, beim Lesen merkt man ein wenig, dass es sich bei „Carrie“ um Kings erstes Werk handelt. Es ist noch etwas konventioneller und weniger in King-Manier geschrieben, als man es von seinen späteren Büchern kennt.

    Ich habe den Film aus den 70ern (?) bisher noch nicht gesehen, bisher aber nur Gutes gehört!
    Letztes Jahr kam ja eine Neuverfilmung raus, die ich so lala fand. Falls es dich interessiert, kannst du meine genaue Meinung dazu lesen: http://buecheraxt.blogspot.de/2013/12/carrie-2013.html

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