Das Lied von Eis und Feuer – Die Herren von Winterfell

wpid-20140927_210641.jpgOriginaltitel: A Game of Thrones

Autor: George R.R. Martin

Verlag: blanvalet

Genre: Fantasy

Seitenzahl: 545 + Anhang

Erscheinungsjahr (Original): 1996

Das Lied von Eis und Feuer stand schon eine ganze Weile auf meiner Liste der Reihen, denen ich mich einmal annehmen sollte. Doch es hat lange gedauert, bis es tatsächlich dazu kam, wenn man bedenkt, wieviele Bände es mittlerweile bereits gibt. Doch worum geht es in Die Herren von Winterfell, dem ersten Teil der Reihe? Der Klappentext besagt lediglich folgendes:

Das größte Epos unserer Zeit

Erstes Buch: Die Herren von Winterfell

>>Das ist erstklassige Fantasyliteratur. Ich kann mir kein größeres Lesevergnügen vorstellen.<< Denis Scheck in Druckfrisch

Vollständig überarbeitete Neuausgabe

Übersetzt von Jörn Ingwersen

Was den Inhalt anbelangt, so ist dieser Klappentext doch nicht sehr informativ. Ob es sich hierbei tatsächlich um das größte Epos unserer Zeit handelt, sei mal dahingestellt, da sich einerseits doch fragt, wann unsere Zeit eigentlich ist, andererseits, wer genügend gelesen hat, um diesen Titel überhaupt verleihen zu dürfen.

Bei Das Lied von Eis und Feuer handelt es sich um einen Ausschnitt der Geschichte der Sieben Königslande des Kontinents Westeros. Man lernt zunächst das Haus der Starks, den Herren von Winterfell , die im hohen Norden leben, kennen. Hierbei stehen Lord Eddard Stark, seine Frau und Kinder besonders im Vordergrund. Aus den perspektiven dieser verschiedenen Personen lernt man zunächst weitere Teile Westeros‘  und deren Einwohner kennen und allein an diesem ersten Band wird wahrlich deutlich, wie verschlungen, durchdacht und umfangreich die von George R.R. Martin erdachte Welt ist. Ohne gründlichere Überlegungen ließe sich zumindest nicht sagen, ob er oder J.R.R. Tolkien die umfangreichere Fantasy-Welt geschaffen haben.

Generell wird sich der geneigte Leser bei seiner Reise durch Westeros doch ein wenig an Mittelerde erinnert fühlen, obgleich die Schwerpunkte der Welten doch unterschiedlicher gesetzt sind. Landschaftsbeschreibungen beispielsweise werden von Martin eher knapp gehalten, lässt man die Beschreibung des Lands der Dothraki mal außer Acht. Es wird zwar genügend beschrieben, um sich die Szenerie vorstellen zu können, jedoch bei weitem nicht so ausführlich wie bei anderen Fantasy-Autoren.

Dafür scheint Martin besonderen Wert auf familiäre Konstallationen und die verschiedensten Bündnisse unter den Adelsgeschlechtern zu legen, was sich nicht bloß in Verwandtschaften widerspiegelt, sondern besonders im Verhalten der Personen in der Geschichte einander gegenüber. So ziemlich jedes Verhalten lässt sich anhand irgendeiner Konstallation erklären.

Was von vielen besonders beim ersten Band der Reihe kritisiert wird, nämlich die Tatsache, dass man gerade zu Beginn mit etlichen Namen und verschiedenen Ereignissen, da nach jedem Kapitel der Hauptcharakter gewechselt wird, kann ich nicht wirklich bestätigen, obwohl doch gerade ich sonst mit vielen Charakteren meine Probleme habe. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich mir die ersten 100 Seiten lang ein paar Notizen zu den Personen gemacht habe (obwohl, wie ich später feststellte, ein Personenverzeichnis im Anhang ist), oder eben daran, dass die Charaktere sich von ihren Handlungsweisen doch so sehr unterscheiden, dass man sie doch wiedererkennt, auch wenn man sich nicht jeden Namen merken kann. Die wichtigsten Personen sind bei mir jedenfalls recht schnell hängengeblieben.

Ein weiterer positiver Aspekt, ist die Tatsache, dass es keinen wirklichen Bösen in dem Sinne gibt. Während gerade in Fantasy-Geschichten die Welt doch oftmals relativ schwarz-weiß eingeteilt ist, kann man hier für nahezu jede Partei Zuneigung und Ablehnung empfinden, da jede Familie ihre Vorzüge und Nachteile mit sich bringt. Selbst die Lennisters, die man wohl am ehesten als „die Bösen“ bezeichnen kann, sind nicht durch und durch schlecht und ich hoffe, dass gerade über Cersei Lennister noch mehr bekannt wird, was ihr Handeln erklären könnte.

Einziger Kritikpunkt, auch wenn der Verlag hierbei seine Finger im Spiel hatte, am ersten Band von Das Lied von Eis und Feuer wäre wohl das Ende. Ich mag es nicht, wenn eine Reihe so strukturiert ist, als ob man einfach eine lange Geschichte genommen hätte und sie einfach an Stellen, die halbwegs sinnvoll sind, in einzelne Bände unterteilt. Das mag bei Trilogien noch erträglich sein, doch bei Reihen, die wirklich länger sind, und dazu zählt Das Lied von Eis und Feuer zweifelsfrei, ist es mir einfach lieber, wenn jeder Band sich zwar ins Gesamtgeschehen eingliedert, aber dennoch seinen eigenen Abschluss hat, so wie Harry Potter zum Beispiel am Ende eines jeden Bandes ein Abenteuer abgeschlossen hat, das ihn näher an den Endkampf gegen Voldemort bringt. Doch dieser eigene Abschluss fehlte bei Die Herren von Winterfell weitestgehend. Zwar wurden die verschiedenen Handlungsstränge bis zu einem gewissen Grad aufgelöst, jedoch bei weitem nicht so, dass man im Grunde darauf verzichten könnte, den nächsten Band zu lesen. Dementsprechend fehlt auch das drastische Ansteigen der Spannung auf den letzten hundert Seiten, das ich bei Büchern so schätze.

Insgesamt ist Die Herren von Winterfell aufgrund der detailreichen und verwobenen Charakterbeziehungen und dem Verzicht auf eine deutliche schwarz-weiß Welt ein gelungener Beginn, der die Erwartungen an den Rest der Reihe relativ hochschraubt. Dennoch fehlte mir der eigene Abschluss des Bandes, weswegen ich 4 1/2 Kreuze vergebe.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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