Eines Tages, Baby

wpid-20140831_225343.jpgOriginaltitel: Eines Tages, Baby

Autor: Julia Engelmann

Verlag: Goldmann

Genre: Poesie

Seitenzahl: 83 + Anhang

Erscheinungsjahr: 2014

Julia Engelmann, dieser Name dürfte mittlerweile wirklich bekannt sein und auf ihr lag wohl auch ein Stück weit die Hoffnung, die Poetry Slam Szene raus aus dem Sektor der Kulturveranstaltungen für Menschen, die sonst nichts zu tun haben, hinein in die bunte glitzerwelt der Medienwelt zu katapultieren. Ob dies durch sie gelungen ist, sei dahingestellt. Doch was verbirgt sich nun hinter diesem „Web-Phänomen“? Der Klappentext ihres ersten Buches verspricht Folgendes:

>>Eines Tages, Baby, werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein und all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.<<

Mit ihrem Poetry-Slam-Beitrag >>One Day<< ist Julia Engelmann ein sensationeller Überraschungserfolg gelungen, der Millionen begeistert. >>Eines Tages, Baby<< ist eine Sammlung ihrer schönsten Slam-Texte – kraftvoll, ehrlich und berührend.

Mit Illustrationen der Autorin

>>Die Stimme einer ganzen Generation.<<radiobremen.de

>>Julia Engelmann ist von jetzt auf gleich ein Lebensgefühl geworden.<< Huffington Post

Ich weiß nicht, ob ich bei den Meinungen Lachen oder Kotzen soll. Sie hat es geschafft, einen Hype zu entfachen, ja, aber muss man sie deswegen zur Stimme der Generation, ja zum neusten Lebensgefühl hinaufheben?

Wie dem auch sei, wer meine Einstellung zu einer bestimmten Gattung von Slam-Texten, die merkwürdigerweise nahezu alle mir bekannten größeren Slamerinnen zu betreiben scheinen, kann erahnen, dass ich mir dieses Buch nie im Leben gekauft hätte. Als dieser ganze Hype seinen Anfang nahm, habe ich mal in das „Sensations-Video“ reingeklickt, ein wenig in den Text gehört und dann auch wieder weggeklickt. Ein Text, wie es sie, sind wir mal ehrlich, wie Sand am mehr gibt. Kein Grund für mich, mir solch ein Buch zu kaufen, jedoch kam ich mit meinen spärlichen Slam-Erfahrungen auch nicht um dieses Buch herum, zumal es mir geschenkt wurde.

Also habe ich es aufgeschlagen und reingelesen, mit mehr als gemischten Gefühlen. Zu Beginn skeptisch, am Ende durchwachsen, das beschreibt wohl meine Meinung. Die Reime auseinandernehmen und totanalysieren, das sollen ruhig Andere machen, mir geht es beim Lesen von Gedichten oder Slam-Texten um den Charakter des Textes. Und der ist in diesem Büchlein recht bunt gemischt.

Einerseits gibt es diese Art von Text, die ich auf Teufel komm raus nicht ausstehen kann. Diese „Ach, ich fühl mich so und so und bin so besonders und so einsam“-Texte, die mir generell bei Poetry Slams auf diverse imaginäre Körperteile gehen, vor denen ist auch Engelmann nicht gefeit, obgleich sie eher die „Ich bin einsam“ – und nicht die „Ich bin soooooo super-speziell“-Schiene fährt. Zumindest etwas, wenn auch nichts, wofür ich Geld ausgeben würde.

Andererseits gab es doch auch den ein oder anderen Text, der mir durchaus gefallen hat. Nämlich die Texte, bei denen der Fokus auf anderen Menschen oder der Menschheit allgemein liegt. Als positive Beispiele möchte ich hierbei Goldfisch und Über stille Poeten aufführen. Ich bin wirklich positiv überrascht und hätte nichts dagegen, mehr von derlei Gedanken zu lesen.

Was die Gesamtauswahl der Texte anbelangt, so weiß ich nicht, wie groß Engelmanns Sammlung bislang ist, jedoch stellt sich mir die Frage, warum man, wenn es sich um eine „[…] Sammlung ihrer schönsten Slam-Texte […]“ (s. Klappentext) handelt, ausgerechnet die Texte ausgesucht hat, bei denen teils Passagen nahezu wortwörtlich oder aber zumindest sinnähnlich in mehreren Texten auftreten. Das wirft doch ein bedenkliches Licht auf die Kreativität. Aber vielleicht hat da auch einfach das Lektorat etwas verbockt.

Insgesamt bin ich also recht unschlüssig, wie ich Eines Tages, Baby nun finden soll. Wer auf Facebook-Moralapostel-Sprüchlein und Pseudo-Lebensweisheiten steht, der sollte sich dieses Buch schleunigst kaufen und auswendig lernen, wem’s aber so geht wie mir, der kann auch drauf verzichten, zumindest wenn man selbst Geld ausgeben muss. Von daher erhält Eines Tages, Baby von mir 2 Kreuze, was schon deutlich besser ist als das, was ich vor dem Lesen befürchtet hatte.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu „Eines Tages, Baby

  1. Hallo 🙂
    Schöne Rezension! Hab mich schon öfters für das Buch interessiert, war mir aber nie sicher, ob ich es wirklich kaufen soll. Bin immer noch nicht ganz schlüssig geworden, aber wahrscheinlich werde ich es jetzt lieber sein lassen.
    Alles Liebe, Julia
    Mein Buchblog: mind-s-eye.blogspot.de
    Schau mal vorbei 🙂

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