Nachtprinzessin

wpid-20140831_225259.jpgOriginaltitel: Nachtprinzessin

Autor: Sabine Thiesler

Verlag: Weltbild

Genre: Krimi, Thriller

Seitenzahl: 576

Erscheinungsjahr (Originalausgabe): 2011

Nachtprinzessin ist ein Buch, das lange auf dem SuB lag, da ich eher selten Lust auf Krimis oder Thriller habe, dennoch interessierte mich das Buch aufgrund seines Klappentextes:

So sollst du sterben – selig vor Lust

Er hatte nicht mehr viel Zeit. Seine Gedanken wirbelten in Panik durcheinander. Wenn er keinen Ausweg fand, war er in ein paar Minuten tot. Sein Mörder flüsterte: >>Ich liebe dich<<, während er ihm die tränenfeuchten Augen küsste und den Schal fester zuzog. >>Ich bin es. Deine Prinzessin, deine Principessa. Vergiss das nie.<<

Da ich zuvor noch nie ein Buch von Sabine Thiesler gelesen habe, ging ich nach diesem Klappentext eigentlich eher davon aus, dass die Geschichte aus Sicht der Opfer oder Ermittler erzählt wird, jedoch begleitet der Leser die verschiedensten Personen, die teils gar nichts mit dem Fall zu tun haben scheinen, bis sie dann doch in die Ereignisse verstrickt werden.

Doch nicht nur das Privatleben der Ermittler und das Umfeld der Opfer werden beleuchtet, nein, vor allem erfährt man einiges über den Mörder. Er tritt nicht nur bei den Morden in Erscheinung, nein, er ist der Protagonist der Geschichte. Und auf die Art, wie er geschildert wird, ist es durchaus faszinierend. Er ist nicht einfach der Mörder, der aus Spaß Leute umbringt, sondern hat einen tiefen Charakter mit einer verworrenen Lebensgeschichte, die sein Handeln wohl nicht entschuldigt, es aber doch in gewisser Weise erklärt.

Durch die Vorliebe des Mörders spielt die Geschichte nicht nur in Berlin, sondern auch zu großen Teilen in Italien, weswegen Nachtprinzessin eine wunderbare Urlaubslektüre abgeben kann und Italien-Fans wohl auf ihre Kosten kommen. Thiesler versteht es, trotz all den Morden und den Sprüngen zwischen den Personen, doch einen gewissen Flair aufkommen zu lassen.

Zu ihrem Schreibstil lässt sich sagen, dass sie genau die richtige Dosierung in Sachen Ausführlichkeit trifft. Man kann sich die Umgebungen durchaus bildlich vorstellen und erhält einige Anhaltspunkte, wird aber nicht mit seitenlangen Aufzählungen von Raumdekorationen bombadiert und gerade an den spannenden Stellen, an denen zu ausschweifende Beschreibungen nur den Lesefluss behindert hätten, verzichtet sie nahezu ganz auf diese. Und diese Ausgewogenheit ist ein sehr großer Pluspunkt.

Allerdings muss ich auch ein paar Kritikpunkte äußern. Einerseits scheint Thiesler wohl recht eigenwillige Erfahrungen was die Beziehungen zwischen Eltern und älteren Kindern, die das Nest allmählich verlassen zu haben. Nahezu jede auftretende Person, die im Alter der Pubertät bis hin zur Mitte der Zwanziger ist, scheint Probleme mit mindestens einem Elternteil zu haben und deswegen möglichst unabhängige Pfade gehen zu wollen, wobei diese Pfade oftmals eher unschöne Konsequenzen haben. Ich weiß ja nicht, in welchem Umfeld Thiesler aufgewachsen ist, aber meinen Erfahrungen nach kommen die meisten jungen Leute recht gut mit ihren Eltern klar, zumindest kämen für die meisten Kontaktabbrüche wohl kaum in Frage.

Andererseits war das Ende teilweise doch recht vorhersehbar, teilweise wurden aber auch einige Fragen offen gelassen. Mich hätte das weitere Schicksal aller Personen durchaus interessiert, jedoch wird nur der weitere Werdegang von zwei der Personen geschildert. Wenn man schon mehrere kleinere Handlungsstränge einbaut, sollte man auch alle zufriedenstellend lösen und sich nicht am Ende auf die Haupthandlung beschränken.

Dennoch hat mich Nachtprinzessin als Urlaubslektüre gut unterhalten und ich bin wohl nicht abgeneigt, bei Zeiten vielleicht noch ein weiteres Buch der Autorin in die Hand zu nehmen, da sie es wirklich versteht, dem Mörder wahre Tiefe zu geben. Jedoch haben mich die letzten beiden Kritikpunkte doch genügend gestört, um dafür nur 4 von 5 Kreuzen zu vergeben.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

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2 Kommentare zu „Nachtprinzessin

  1. Ich hab bei Sabine Thiesler festgestellt, dass ich ihre Bücher entweder ganz gut finde, oder abbreche. 2012 hab ich „Die Totengräberin“ gelesen und in Calibre dazu „gut“ vermerkt, schätze mal, das wären heutzutage 3 Sterne. Wirklich gut gefallen hat mir „Der KIndersammler“, das hab ich 2013 gelesen und erinnere mich auch noch gut dran, das war sehr spannend. 1 oder 2 hab ich abgebrochen, blöderweise weiß ich nicht mehr, welche. Man muss echt alles aufschreiben…

    1. Hachja, bei all den Büchern da draußen kann man ohne Notizen tatsächlich manchmal den Überblick verlieren. 😉 Mal gucken, ob ich mich ihr in etwas fernerer Zukunft nochmal widmen werde.

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