Soul Beach – Frostiges Paradies

wpid-20140820_215949.jpgOriginaltitel: Soul Beach

Autor: Kate Harrison

Verlag: Loewe

Genre: Jugendbuch, Mystery

Seitenzahl: 351

Erscheinungsjahr(DE): 2013

Schwarzer Buchschnitt und unter dem Schutzumschlag auch nichts als Schwarz – das klingt nach einem Buch für Seitenfetzer. Doch was mich eigentlich an Soul Beach reizte, war der Klappentext, der Folgendes besagt:

Meine Schwester ist tot.
Seit vier Monaten und fünf Tagen.
Ermordet.
Heute habe ich eine E-Mail erhalten.
Von ihr.

„Ein fesselnder Roman, in dem das Jenseits nur einen Mausklick entfernt ist.“

Nach diesem Klappentext kamen mir zumindest Gedanken an einen makaberen Killer, der nach dem Mord über das Internet Kontakt zur Familie des Opfers aufnimmt, jedoch hätte nicht erwartet, dass Soul Beach das ist, was es ist:
Die Geschichte über Alice, die nach dem Tod ihrer berühmten Schwester die Möglichkeit erhält, eben diese auf einer Website wiederzusehen. Diese Website, die sich nur durch eine Einladungs-Mail betreten lässt, trägt den Namen Soul Beach und stellt eine Art Jenseits für bestimmte Tote dar.
Zunächst freut Alice sich darüber, ihre für immer verloren geglaubte Schwester wiederzusehen, doch mit der Zeit merkt sie, dass auch im Paradies nicht alles schön ist, während sie der Realität immer mehr entgleitet.

Auch wenn es nicht das ist, was ich erwartet habe, stört mich die Idee des Soul Beach im Grunde erstmal nicht, sofern in den nachfolgenden Bänden noch Erklärungen folgen, was genau es sich mit diesem Strand nun auf sich hat. Denn so ganz ohne eine einleuchtende Erläuterung käme mir, Fiktion hin oder her, diese Form des Jenseits doch ein bisschen zu sehr an den Haaren herbei gezogen vor.

Was die Charaktere angeht, so gefällt mir die Mischung dieser bisher relativ gut. Alice ist mir, obwohl ich mit den Hauptpersonen in Jugendbüchern doch oftmals so meine Probleme habe, nicht unsympathisch, was wohl daran liegt, dass sie glaubhaft in der Rolle der kleinen Schwester  ist, die sowohl zu ihren Lebzeiten als auch nach ihrem Tod stets im Schatten ihrer älteren Schwester steht, sie aber auch nicht hasst, sondern ein völlig gesundes Geschwisterverhältnis zu ihr hegt. Auch die anderen Charaktere sind soweit in Ordnung, wenn auch hier und da etwas stereotypisch, wenn man beispielweise Cara betrachtet, die eine klischeehafte „Viel-Daterin, die mit der eher zurückhaltenden Protagonistin befreundet ist“ darstellt. Dennoch habe ich an den Charakteren an sich eigentlich nichts zu meckern.

Ebenso gefiel mir der Beginn der Geschichte und wie Alice immer mehr in den Tiefen des Soul Beach versinkt, wobei sie sich immer mehr von der realen Welt abkapselt.
Doch dann irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich überwinden musste, weiter zu lesen. Es ist von Anfang an irgendwie klar gewesen, dass auch die Romantik noch eine Rolle spielen wird. Und in diesem Punkt muss ich bei der Tatsache, dass die Charaktere meiner Meinung nach eigentlich in Ordnung sind, das Wort „eigentlich“ besonders betonen. Denn ab dem Moment, an dem richtig tief in die Kitsch-Kiste gegriffen wurde, habe ich mich gefragt, ob ich gerade in einer Out-Of-Character-Fanfiktion gelandet bin. Muss in einem Jugendbuch denn um jeden Preis eine Liebesgeschichte stecken, die in diesem Fall dann auch noch so typisch  „verbotene und unmögliche Liebe“ schreit?

Eine Phase gegen Ende des Buches, die die rosarote Brille zumindest zwischenzeitlich durchbricht, in der Alice den Geheimnissen hinter Soul Beach und der Geschichte der dort existierenden Menschen ein Stück weit auf die Schliche kommt, und die sich durch das ganze Buch ziehenden Anspielungen darauf, wer wohl der Mörder sein könnte, die aber doch nichts eindeutiges Aussagen, konnten meine Laune zwar noch heben, doch als das endgültige Ende dann mit noch mehr Kitsch und zusätzlich noch einem miesen Cliffhanger vor der Tür stand, war ich doch enttäuscht von der Entwicklung der Geschichte.

Insgesamt hätte Soul Beach – Frostiges Paradies mir also eigentlich relativ gut gefallen, wäre da nicht diese aufgesetzte Liebesgeschichte und die Geschichte generell mit ein paar mehr Erklärungen gespickt gewesen, doch auf letztere kann man wohl noch in den Nachfolge-Bänden hoffen. Da das Rätseln, wer denn nun der wahre Mörder, aber unglaublich viel Spaß machen kann, erhält der erste Band dieser Trilogie knappe 3 von 5 Kreuzen.

† † † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

Advertisements

Meinung schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s