Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Foto-0043dOriginaltitel: The Fault In Our Stars

Autor: John Green

Verlag: Hanser

Genre: Drama, Jugendbuch

Seitenzahl: 284

Erscheinungsjahr: 2012

Auch wenn es nun so erscheinen mag, als versuche Seitenfetzer plötzlich, auf den Zug der Literatur-Verfilmungen aufzuspringen, hat der späte Zeitpunkt des Beendens meiner Lektüre doch einen andere Ursache. Tatsächlich hatte ich das Werk  bereits zuvor einmal angefangen, jedoch nie zu Ende gelesen und habe nun durch die Überredungskünste der besten Freundin wieder dazu gegriffen. Doch beginnen wir mit dem Klappentext, bei dem es sich um eine Zusammenstellung von Pressestimmen handelt:

>>Wer hier nicht weint und nicht lacht, fühlt wohl schon lange nichts mehr … Das ist kein Jugendbuch, sondern Literatur für alle – anmutig, komisch, kostbar.<<  Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung

>>John Green hat uns eines der bewegendsten Liebespaare der Literatur geschenkt. Eines, das man herzilich vermisst, schon vor der letzten Seite.<< Natascha Geier im NDR Kulturjournal

>>Alles andere als ein Krebsbuch: poetisch, skurril, traurig und lustig zugleich… Auch für Erwachsene.<< Marietta Slomka im heute journal

>>Das neue Jugendbuch von John Green sollte jeder lesen. Und jeder heißt wirklich jeder … Es gibt zur Zeit kein bewegenderes Buch.<< Maren Keller im KulturSPIEGEL

>>… ein fesselnder Roman voller Sprachwitz, Klugheit und Gefühl, der die heikle Balance zwischen Witz und Gravitas in jedem Moment hält – ein Buch, das man erst nicht aus der Hand legen und dann nicht vergessen kann.<< Felicitas von Lovenberg in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Die Geschichte dreht sich um ein Mädchen namens Hazel. Hazel, die Lungenkrebs hat. Hazel, die weiß, dass der Krebs sie eines Tages umbringen wird und deren Leben daraus besteht, die Maßnahmen für ein möglichst langes Leben zu überleben. Als Hazel mal wieder von ihrer Mutter gedrängt wird, die ihr verhasste Selbsthilfegruppe zu besuchen, lernt sie Augustus kennen, dem der Krebs zwar ein Bein genommen hat, der aber auch eine Überlebenschance von 80% hat.

So oft wurde das Buch in den Himmel gelobt und zur heutigen Zeit, wo sowieso jedes Jugendbuch ins Kino kommen muss, um die Flut an Superhelden-Remakes für ein paar Stunden zu unterbrechen, wundert es mich nicht, dass auch Das Schicksal ist ein mieser Verräter auf die große Leinwand projeziert wurde. Ich persönlich habe den Film noch nicht gesehen und weiß auch nicht, ob ich das überhaupt wöllte, denn der Trailer sah ganz nach dem aus, was ich befürchte, was die meisten in dem Buch sehen.

Denn so kitschig das klingen mag, ich kann verstehen, aus welchem Grund Hazel „Ein herrschaftliches Leiden“, ihr absolutes Lieblingsbuch, am liebsten bloß für sich selbst gehabt hätte. Denn so geht es mir mit Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Man spürt deutlich die Intelligenz von John Green. Die immer wieder zwischen den Zeilen schreiende Botschaft, dass es im Endeffekt doch keine Rolle spielt, ob man nun krank oder gesund ist, weil der Tod doch sowieso jeden einholt und man sich das nunmal nicht aussuchen kann, wie auch die Tatsache, dass er mich ungewollt an den unpassendsten Stellen zum Lachen gebracht hat, machen dieses Werk zu einer wirklich großartigen Leistung, deren Genialität, so fürchte ich, eben viele nicht erkennen können.

Die Einwebungen verschiedener Gedichte, die Verknüpfung der verschiedenen Anspielungen und Situationen und auch das Verhalten der Charaktere, all das ist wirklich gut gelungen, und umso mehr missfällt es mir, dass so mancher Leser das Ganze wohl auf eine „sooo schön traurige Liebesgeschichte“ reduziert, wie auch der Trailer zum Film es impliziert.

Und dennoch, trotz aller Genialität habe ich doch auch etwas zu bemängeln. Das mag nicht Greens Schuld sein, aber es hat mich zunächst doch tatsächlich ein wenig aus der Geschichte geruckt. Denn statt so viele positive und schwärmende Pressestimmen zu sammeln, hätte man sich für die deutsche Ausgabe doch ein wenig mehr mit der deutschen Sprache befassen können. Das ein oder andere Deppenapostroph, an das ich mich zu erinnern glaube, mal außen vor gelassen, gibt es etwas, das mir gerade zu ins Auge sprang:

Bonusse

Wie bitte? Wenn auch meine Fähigkeiten auf dem Gebiet der lateinischen Sprache nicht perfekt sind, so löst dieser „Plural“ von Bonus doch das kalte Kotzen in mir aus. Ein Bonus, zwei Boni, aber doch keine Bonusse! Warum denn nicht gleich Bo-Nüsse? Ja, es mag nur ein Wort sein, aber gerade bei einem so viel gelesenen Buch sollte man solche Fehler doch lieber vermeiden – insbesondere, wenn es sich nicht um einen einmaligen Patzer handelt.

Ebenso sollte man trotz der Genialität der Geschichte diese nicht in den Himmel heben. Letztendlich ist Das Schicksal ist ein mieser Verräter eben doch „nur“ ein Krebsbuch mit einer Liebesgeschichte. Zweifellos gut gemacht, aber man kann auch seinen Lebensweg beschreiten, ohne die Lektüre eben jenen Werkes. Und ich würde es im Gegensatz zu so manch anderer Meinung garantiert nicht jedem Weiterempfehlen, einfach weil es bis zu einem gewissen Grad eben auch seine Klischees bedient.

Insgesamt ist John Greens Das Schicksal ist ein mieser Verräter ein Buch, dass im Verborgenen äußerst intelligent, für die stumpfsinnigere Masse, die nur auf traurige Liebesgeschichte aus ist, aber eben auch geeignet. Und obwohl das Buch nichts dafür kann, ist mir dieser Umstand sowie die Tatsache, dass manche Lobeshymne eben nicht völlig berechtigt sind, dermaßen zuwider, dass ich mich nicht völlig der Menge anschließen kann. Ja, es ist gut, aber es hat eben auch seine Klischeekrankheiten und ist garantiert nicht jedermanns Buch. Daher vergebe ich 4 von 5 Kreuzen.

† † † †

Gezeichnet Seitenfetzer

 

Advertisements

Meinung schreiben

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s